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Kristallglasuren im Keramik Musem Berlin

13. Mai 2013

Schon Jahrhunderte bevor die gezielte Beschäftigung mit Kristallglasuren in Europa (Sèvres um 1850) begann, faszinierte diese Glasurtechnik vor allem Menschen im Fernen Osten.
Der Ursprung „kristallinischer Glasuren“ (mit Mikrokristallen) wird in den alten chinesischen und japanischen Kulturen zur Zeit der Song-Dynastie 960-1279 vermutet.
Aus dem sich abkühlenden Schmelzfluss der aufgetragenen und erhitzten Glasurmasse wachsen – abhängig von den benutzten Rohstoffen und sonstigen Milieubedingungen – bunte Flecken, blüten- oder sternförmige Muster, auch zweiartige Gebilde oder andere Kristallbildungen.
Das gestaltlose Materialchaos der heißen Schmelze lässt bei der Erstarrung geometrische Körper entstehen, die als Gesamtheit ein geordnetes Gefüge bilden. Wissenschaftlich stellt jede Kristallglasur in Bezug auf die beteiligten Moleküle einen Gleichgewichtszustand dar. (aus: Abenteuer Kristallglasur, Keramikmuseum Mettlach 2008).

Avantgarde fĂĽr den Alltag. JĂĽdische Keramikerinnen in Deutschland 1919-1933.

18. März 2013

Eva Stricker-Zeisel, Margarete Heymann-Marks, Marguerite Friedlaender-Wildenhain,
Ausstellung vom 28. Februar bis 20. Mai 2013 im Bröhan-Museum, Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Rahmen des Berliner Themenjahrs „2013 – Zerstörte Vielfalt“ zeigt das Bröhan-Museum eine Sonderausstellung mit etwa 180 Exponaten zu drei jüdischen Keramikerinnen der

Avantgarde: Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Margarete Heymann-Marks und Eva Stricker-Zeisel. In der angewandten Kunst vor 1933 waren es gerade Frauen, nicht selten mit jüdischem Hintergrund, die durch ihre künstlerische Begabung, ihre Durchsetzungskraft und ihre Experimentierfreude großen Anteil an der Entwicklung einer „Avantgarde für den Alltag“ in Deutschland hatten. Exemplarisch wird dies in der Ausstellung anhand der Werke und Biografien der genannten Keramikerinnen gezeigt. Alle drei schufen wegweisende Formen und Dekore für Objekte des täglichen Gebrauchs. Als Jüdinnen blieb ihnen nach 1933/38 die Fortsetzung ihrer beruflichen Laufbahn in Deutschland verwehrt. Sie gingen ins Exil nach Großbritannien
oder in die USA.

BRÖHAN-MUSEUM  Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus (1889 – 1939)
Schloßstraße 1a  14059 Berlin (Charlottenburg)

Ă–ffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen.

Eintritt: 6,- €, erm. 4,- € (inkl. Eintritt Dauerausstellung), jeden ersten Mittwoch im Monat Eintritt frei.

 

50 Jahre Besteckdesign in Deutschland 1950 bis 2000

6. März 2013


Der Weltkrieg hinterließ nach 1945 in vielfacher Hinsicht ein riesiges Vakuum, auch in Bezug auf die Ausstattung der Haushalte. So war auch der Bedarf an neuem Besteck groß, und zugleich bot sich die Chance, das Thema Besteck „neu zu denken“.
Obwohl sich traditionelle Formen und Dekore zum Teil bis heute hartnäckig halten, so gab und gibt es doch eine starke Bewegung zum Besteck der „neuen Zeit“: Die Proportionen änderten sich deutlich (kurze Messerklinge und kurze Gabelzinken, runde Laffen, lange Griffe), das Material musste bezahlbar und tauglich für die Herstellung in großen Mengen sein (Edelstahl), die aufwendige Differenzierung in Tafel- und Dessertbesteck wurde zugunsten einer mittleren Größe (das sog. Mittelbesteck) aufgegeben.

Die dicht bestückte Studienausstellung im Klingenmuseum Solingen präsentiert eine exemplarische Auswahl von rund 320 Besteckmustern aus deutscher Produktion; die gesamte Produktion betrug in dieser Zeit rund 2.000 Muster. Selbstverständlich steht der gute, wegweisende Entwurf im Vordergrund, aber auch eher traditionelle Stilmittel wie Dekore oder Besteckgriffe und -hefte aus unterschiedlichem Material werden als zeittypische Erscheinungen gezeigt.
Eine Publikation mit einer repräsentativen Auswahl an Bestecken ist geplant.

20. Jan.- 30. Juni 2013, Deutsches Klingenmuseum, Klosterhof 4, D-42653 Solingen, täglich 10 –17 Uhr, freitags 14 –17 Uhr, montags geschlossen, geöffnet Karfreitag bis Ostermontag, 1. Mai, Pfingstsamstag bis Pfingstmontag, an allen Tagen von 10 –17 Uhr.

Königliche Eleganz, preuĂźische Pracht – 250 Jahre Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM)

6. März 2013


 

Die Figuren Braut und Bräutigam als Teile eines „Hochzeitszuges“ als Tafelaufsatz, entworfen von Adolph Amberg, Entwurf um 1904/05.

Das Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum in Düsseldorf nimmt den 250. Geburtstag der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin zum Anlass, ihre bedeutenden Werke und herausragenden technischen Leistungen in einer Sonderausstellung zu präsentieren.

Die Düsseldorfer Ausstellung zeigt Service, Vasen, Aufsätze und Figuren aus der Zeit des Rokoko, des Klassizismus und der Jugendstilzeit.

Das Hetjens-Museum besitzt heute die weltgrößte Sammlung an Stücken aus den ersten Gründungsjahren der Manufaktur unter dem Kaufmann Wilhelm Caspar Wegely.

Leihgaben aus der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, dem Berliner Kunstgewerbemuseum, dem Museum für Angewandte Kunst in Köln, der Galerie Neuse in Bremen sowie aus Privatbesitz führen die Geschichte der KPM im Hetjens-Museum glanzvoll vor Augen führen.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen die schreitenden Figuren fĂĽr den “Hochzeitszug” des Kronprinzen Wilhelm anlässlich seiner Vermählung mit Herzogin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin im Jahr 1904. Die EntwĂĽrfe stammen aus der Feder des Bildhauers und Goldschmieds Adolf Amberg.

Einen prägnanten Abschluss bilden die modernen Geschirre von Trude Petri, Marguerite Friedlaender und Siegmund Schütz aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung läuft vom 17. Februar bis 2. Juni. Das Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, ist dienstags sowie donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, mittwochs von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

Plaste von der Burg

28. Januar 2013

“Plaste von der Burg” ist der Titel der laufenden Sonderausstellung im Industriesalon an der ReinbeckstraĂźe. Dabei steht die “Burg” fĂĽr die Hochschule fĂĽr industrielle Formgestaltung in Halle, Burg Giebichenstein. Zusammengetragen hat die Exponate der Berliner Architekt Richard Anger, Sammler des “DDR-Designdepots”.

Im Jahr 1958 hatte die staatliche Plankommission der DDR die Verdoppelung der Chemieproduktion beschlossen. Fortan war fast kein Lebensbereich mehr davon ausgenommen, in den Kunststoffartikel Einzug hielten. Aller Voruteile zum Trotz sind hier designgeschichtlich äußerst interessante Entwürfe entstanden, die es sich lohnt anzusehen.

“Plaste von der Burg” Vernissage am 3. Februar 2013, um 11:00 Uhr ist bis Anfang März im Industriesalon, ReinbeckstraĂźe 9, 12459 Berlin, zu sehen: Mittwoch 14 bis 18 Uhr, Freitag 14 bis 19 Uhr, â–  53 00 70 42, Wissenswertes auch unter www.industriesalon.de

Vgl. dazu

Campingtassen, Meladur, Martin Kelm, 1959/60,

Campinggeschirr, Plaste, Hans Merz, 1957/58.

BĂĽcher-Sonderverkauf der Staatlichen Museen zu Berlin

12. November 2012

Am Samstag 1. Dezember und Sonntag 2. Dezember 2012, von 10 bis 17 Uhr verkauft das Referat Publikationen und Merchandising der Staatlichen Museen zu Berlin wieder preisreduzierte Publikationen, Mängelexemplare
und weitere Artikel wie Postkarten, Plakate und Kunstnotizbücher. Ort: Kulturforum Potsdamer Platz, Eingang: Matthäikirchplatz, Zentrale Eingangshalle, 10785 Berlin-Tiergarten.
Bei den BĂĽchern handelt es sich um Ausstellungskataloge sowie
Titel zu verschiedenen Sammlungsgebieten der Staatlichen Museen zu
Berlin. Plakate werden zum Teil gratis abgegeben. Die Preise fĂĽr die Publikationen der Staatlichen Museen zu Berlin sind nur an diesen beiden Tagen einmalig stark reduziert. Eine Liste der preisreduzierten Artikel, in der ein groĂźer Teil der preisgesenkten Ware verzeichnet ist, finden Sie im SMB Pressebereich www.smb.museum/pressemitteilungen.

Design20.eu

15. Berliner Benefiz Keramik-Basar

3. September 2012

Samstag 8. und Sonntag 9. September 10 – 17 Uhr, Kleine Orangerie / Schloss Charlottenburg, Eintritt 1,- Euro

Am kommenden Wochenende richtet der Förderverein KMB in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Charlottenburg-Wilmersdorf im 15. Jahr in Folge seinen Keramik-Basar aus.
Dieses Mal können Liebhaber von Keramik und Porzellan sogar an zwei Tagen in der Kleinen Orangerie nach Sammels- oder Gebrauchswertem aus vergangenen Zeiten stöbern und mit Gleichgesinnten fachsimpeln.

Kompetente Menschen aus dem Umkreis des Keramikmuseums stehen auch Rede und Antwort und helfen bei der Zuordnung von mitgebrachten „Schätzen“ der Besucher.

Unter anderem kommen Objekte zum Verkauf, die dem Förderverein des Keramikmuseums speziell für diesen Zweck gespendet wurden.
Auch der Eintrittspreis, den man sich sogar bei einem Kauf von über 10 Euro verrechnen lassen kann, kommt zu 100% dem Förderverein zu gute, der ohne öffentliche finanzielle Förderung das Museum mit sechs bis sieben Ausstellungen pro Jahr in ehrenamtlicher Arbeit betreibt.

Das Keramik-Museum Berlin, Schustehrusstraße 15, 10585 Berlin, ca. 10 Minuten Fußweg von der Kleinen Orangerie entfernt, hat Fr., Sa., So., und Mo. von 13 bis 17 Uhr geöffnet.
Aktuell werden dort drei Sonderausstellungen gezeigt:

Form – Funktion – Ideologie. Keramik in Deutschland 1933 bis 1945

HaĂ«l – Keramik 1923 – 1933. Margarete Heymann-Loebenstein und ihre HaĂ«l-Werkstätten fĂĽr kĂĽnstlerische Keramik in Marwitz

Gertraud Möhwald und Umfeld der Burg Giebichenstein Halle.

Modelle des Amtes Schönheit der Arbeit I, II, III, IV

22. August 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das „Amt Schönheit der Arbeit“ war der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) angegliedert, die ab 1933 als Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber die freien Gewerkschaften ablöste und bald offiziell der NSDAP angeschlossen wurde. Seine Aufgabe war es „…dafür zu sorgen, dass die Stätten der Arbeit nicht nur sozialhygienisch einwandfrei sind, sondern auch ästhetisch pfleglich behandelt werden“ (lt. Brockhaus, 1935, Bd.25). Bestandteil der nationalsozialistischen Propaganda war die Schlichtheit der Gestaltungen. Die Machthaber strebten „ewige“, „überzeitliche“ Formen an, mit denen individuelle Strömungen dauerhaft verhindert werden sollten. Gleichzeitig bereitete eine „Elite“ von Juristen die Umwälzung des Urheberrechts vor. Rechtsanwälte und Richter wirkten in der Akademie für deutsches Recht daran mit, dass der Schutz eines Werkes allein von seinen ideologischen „Wirkungen“ auf die deutsche Volksgemeinschaft abhing.

1935 erhielt der in Gestaltungsfragen noch wenig erfahrene Heinrich Löffelhardt vom „Amt Schönheit der Arbeit“ den Auftrag ein Kantinengeschirr zu entwerfen. Die Porzellanfabrik Thomas hatte gerade sein robustes Speiseservice „Barb“ für den Siedlerhaushalt in den Handel gebracht und dieses qualifizierte ihn in den Augen der Verantwortlichen als Gestalter des ersten und 1939 auch noch des zweiten Modells von insgesamt vier „parteiamtlichen“ Kantinengeschirren, die allesamt in die „Deutsche Warenkunde“ aufgenommen wurden.
Die Zuständigkeit für die Umsetzung des Entwurfes lag bei Bauscher, denn Bauscher verfügte über die damals größten Erfahrungen im Bereich Hotelgeschirr und über wichtige Patente. Das Unternehmen fertigte die Mutter- und Arbeitsformen an und versandte Muster an von der DAF ausgesuchte Hersteller, die mit Argusaugen Produktion und Vertrieb überwachte. Die zugelassenen Betriebe wurden verpflichtet, die Geschirrteile mit zugunsten der Gebrüder Bauscher patentierten Deckelhaltern zu versehen. Zusätzlich dürfte man noch den Tropfenfänger anbringen. Eine Dekoration des Geschirrs war nicht gestattet. Lediglich ein in der Breite vorgeschriebener Randdekor und eine “einfarbige Vignette“ waren zugelassen Auf sämtlichen Geschirren musste unter der Fabrikmarke der Einheitsstempel „Modell des Amtes Schönheit der Arbeit“ angebracht werden und dieser bestand aus einem stilisierten Zahnrad mit Hakenkreuz in der Mitte.

Für das Modell I hatte die DAF unter Mitsprache der zuständigen DAF-Gaubetriebsgemeinschaften und der DAF-Reichsbetriebsgemeinschaft „Stein und Erde“ 1936 zunächst zehn Betriebe ausgesucht: Gebr. Bauscher, Weiden; Lorenz Hutschenreuther; Selb; C.M. Hutschenreuther, Hohenberg/Eger; PF C. Tielsch, Waldenburg-Altwasser, Schlesien; PF Stadtlengsfeld; PF Königszelt, Schlesien; PF Heinrich & Co., Selb; PF Krister, Waldenburg; Schlesien; Ph. Rosenthal & Co., Werk Kronach; PF Ilmenau Graf von Henneberg, Ilmenau.
In den 40er Jahren traten noch folgende Unternehmen hinzu: Rosenthal-Hauptwerk, Selb, PF Oskar Schaller, Windischechenbach; PF Waldershof.
Im Falle Rosenthal-Selb entstand die kuriose Situation, das der jĂĽdische Name Rosenthal ĂĽber dem Hakenkreuz zu stehen kam.
Die breite Nachfrage belebte sich erst im Verlaufe des Krieges, und zwar in einem Maße, dass in kurzer Zeit eine „Mangellage in der Versorgung des Marktes“ eintrat. Allein die Ilmenauer Fabrik, welche im Jahr 1938 an Kaffee-, Tee- und Milchkannen lediglich 120 Stück abzusetzen vermochte, brachte es 1941 auf die zehnfache Menge.

Um den Bedarf an feinerem Porzellan zu decken, beschloss die DAF zusätzlich die Entwicklung eines gehobenen Kantinengeschirrs „Modell Schönheit der Arbeit II“. Als Hersteller wurden nur fünf Betriebe zu gelassen. Die Verantwortung für die Edel-Variante wurde dem Rosenthal-Werk Selb übertragen, andere Hersteller waren die PF Marktredwitz Jaegger& Co., Marktredwitz/Ofr.; PF Schönwald/Ofr.; PF Tirschenreuth, Tirschenreuth/Ofr.; PF Kaestner, Oberhohndorf bei Zwickau. Heinrich Löffelhardt fungierte wieder als Entwerfer. Das Modell II war gegenüber seinem Vorläufer „leichter und zierlicher“, insbesondere wiesen die Flachteile keinen Wulst auf. Den lizenzierten Firmen wurde seitens des Amtes die Befugnis eingeräumt, das Geschirr Nr.II mit zwei eigenen Dekors zu versehen, die allerdings der Genehmigung durch die DAF bedurften.

Im Jahr 1939, kurz vor Kriegsausbruch, ordnete die DAF ein weiteres Geschirr „Modell Schönheit der Arbeit III“ an und beauftragte erneut Bauscher mit der Leitung und auch mit dem Entwurf, da sich Löffelhardt in der fraglichen Zeit im Wehrdienst befand. Das Modell III weist Ähnlichkeiten zu dem von Wolfgang von Wersin 1942 für Bauscher entwickelten Hotelgeschirr „Form Europa“ auf, mit Übernahmen von Formen des Modell I und des von Hermann Gretsch entwickelten Geschirrs „Reichsschulungsburgen“. Die „Dekorvorgabe lautete „einheitlich mit zwei roten Linien“. Zu den Herstellern gehörten: Gebr. Bauscher, Weiden; Gräfl. Thun’sche Porzellanfabrik, Klösterle/Eger; Keramische Werke Bohemia; PF Hass Czjzek, Schlaggenwald; PF Schlenwerth/Josef Pfeiffer; PF R. Kämpf, Grünlass bei Neusattl. Um zu verhindern, dass Firmen die Aufnahme der Produktion verweigerten, war eine Förderungsabgabe für Forschungszwecke in der keramischen Industrie verkleidete Konventionalstrafe von 200 bis 300 Mark vorgesehen. Erstmals sollte das Modell II 1942 auf der Leipziger Frühjahrsmesse im Rahmen der Vorbildschau „Formschönes Gebrauchsgut für den Export“ vorgestellt werden, aber der kriegsbedingte Ausfall der Messe brachte das Vorhaben zum Erliegen.

Im August 1941 legte die Porzellanfabirk Tichenreuth noch ein viertes Modell „Schönheit der Arbeit“ auf, firmenintern mit „Modell II neu“ bezeichnet. Es bestand aus nur 8 Teilen, welche allesamt Stücke von „Modell Schönheit der Arbeit II“ ersetzten.

Ihren größten Absatzmarkt fanden die von Löffelhardt entworfenen Kantinengeschirre bei der Wehrmacht und Waffen-SS. Produktion und Vertrieb von zigtausend Standard-Geschirrteilen unterlagen der Aufsicht und Steuerung von SS-Wirtschaftunternehmen, konkret der Porzellan- manufakturen Allach München GmbH und der Bohemia Keramische Werke AG. Bei der Herstellung in den SS-Unternehmen kamen seit 1942 regelmäßig Häftlinge und Zwangsarbeiter zum Einsatz, die Betriebsstätten waren Teile von Konzentrationslagern.

Vgl. hierzu weiterfĂĽhrend: Sabine Zentek: Designer im Dritten Reich, 2009, S.143ff..

Im shop: Modell I Schönheit der Arbeit, Heinrich Löffelhardt, 1935/36.

Design Olympia ’72: Otl Aicher

20. August 2012

Otl Aicher (1922-1991) zählt zu den bedeutendsten Gestaltern des zwanzigsten Jahrhunderts und ist Gründer der international renommierten Hochschule für Gestaltung in Ulm. Mit dem von ihm geprägten Begriff der „visuellen Kommunikation”, deren Ziel die Lesbarkeit der Welt ist, entwickelte er u. a. das Corporate Design der Olympischen Spiele 1972 in München. Für die Optik der Spiele definierte Aicher stringente Gestaltungsrichtlinien, die vom städtischen Erscheinungsbild, Fahnen und Plakaten, über die offizielle MitarbeiterInnenbekleidung bis zu den Eintrittskarten reichten. Nach seiner Maxime Konzentration und Reduktion auf das Wesentliche entwarf er ein Orientierungssystem von Piktogrammen, das uns bis heute als Wegweiser von beispielsweise U-Bahn- und Notausgängen wie selbstverständlich im Alltag begleitet. Zum vierzigsten Jahrestag der Olympischen Spiele in München zeigt die Aspekte Galerie aus der Sammlung von Bernd Brand eine umfangreiche Ausstellung mit Plakaten, Drucksachen und Objekten, die Otl Aicher von 1967 bis 1972 mit seinem Team entwickelt hat. In ihrer innovativen Form und Farbigkeit sind die Exponate einzigartige Zeitdokumente.
Aspekte Galerie im Gasteig, Steinstr. 62, 81667 München, Fr, 20.7.2012 – So, 9.9.2012, täglich 10.00 bis 22.00 Uhr.

Vom Romantiker zum Revolutionär – auf den Spuren Heinrich Vogelers

16. August 2012

Tulpenstuhl - Entwurf Heinrich VogelerTulpenstuhl nach Entwurf von Heinrich Vogeler, Foto: Focke-Museum/Sigrid Sternebeck

Die erste gemeinsame Ausstellung der vier Worpsweder Museen widmet sich Heinrich Vogeler und zeigt ein facettenreiches KĂĽnstlerleben voller WidersprĂĽche.
Er war zeitlebens ein Suchender: Heinrich Vogeler wandelte sich in seinem wechselhaften Leben vom romantischen Jugendstilmaler in Worpswede zum Sozialrevolutionär in Moskau. Künstlerisch erprobte er sich mit den unterschiedlichsten stilistischen Mitteln in den verschiedensten Genres: ob Malerei, Grafik, Design oder Architektur – Vogeler ließ nichts aus und war stets bestrebt, Kunst in alle Bereiche des Alltags zu integrieren. Dieser vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit widmen die vier Worpsweder Museen vom 26. Mai bis zum 30. September 2012 ihre
erste gemeinsame Sommerausstellung mit dem Titel »Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär«. Der Zeitpunkt ist dabei nicht zufällig gewählt, sondern gleich zweifach bedeutsam: 2012 jährt sich Vogelers Geburtstag zum 140. und sein Todestag zum 70. Mal. Ein guter Anlass, um den Mitbegründer der berühmten Worpsweder Künstlerkolonie im Haus im Schluh, im Barkenhoff, in der Großen Kunstschau Worpswede sowie in der Worpsweder Kunsthalle in den Fokus zu rücken.
Darüber hinaus zieht die Ausstellung aber noch weitere Kreise, denn auch in Bremen wird der vielseitige Künstler präsent sein. Das Bremer Focke-Museum zeigt in Kooperation mit den Worpsweder Museen in der Unteren Rathaushalle »Vogeler für alle«, eine Ausstellung von seriell gefertigten Möbeln des Künstlers aus der Worpsweder Werkstätte. Diese Ausstellung läuft vom 13. Juni bis zum 2. September. Ergänzendes Highlight: Die Urenkelinnen von Heinrich Vogeler stellen die Güldenkammer im Obergeschoss des Bremer Rathauses, die sonst nur zu offiziellen Anlässen für hochrangige Besucher geöffnet wird, im Rahmen von Sonderführungen vor. Vogelers Entwürfe zur Güldenkammer werden vom 17. Mai bis zum 30. September in der Kunsthalle Bremen gezeigt. Das Focke-Museum präsentiert in seiner Dauerausstellung im Haus Riensberg das preisgekrönte, 1906 von Vogeler entworfene »Zimmer einer jungen Frau« und das Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstraße zeigt vom 15. Juli bis zum 28. Oktober »Worpsweder Lichtbilder: die Künstlerkolonie in frühen Fotografien«. Diese Ausstellung vermittelt
eine Vorstellung des Worpsweder Lebens zur Zeit Vogelers.

Alle Ausstellungen auf einen Blick
»Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär«
Die groĂźe Sommerausstellung der Worpsweder Museen
26.5. – 30.9.2012
Märchen und Minne – Aufbruch als Künstler
Haus im Schluh
Im Schluh 35 – 37, 27726 Worpswede
T 04792.95 00 61
Gesamtkunstwerk Barkenhoff – Idylle und Wandel
Barkenhoff
Ostendorfer StraĂźe 10, 27726 Worpswede
T 04792.39 68
Neue Wege – Vogeler in der Sowjetunion
GroĂźe Kunstschau Worpswede
Lindenallee 3, 27726 Worpswede
T 04792.13 02
Krieg und Revolution – der politische Vogeler
Worpsweder Kunsthalle
BergstraĂźe 17, 27726 Worpswede
T 04792.12 77
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr

Vogeler fĂĽr alle
Katalogmöbel nach Entwürfen von Heinrich Vogeler aus der Worpsweder Werkstätte. Eine Sonderausstellung des Focke-Museums in Kooperation mit den Worpsweder Museen. Untere Rathaushalle des Bremer Rathauses 13.6. – 2.9.2012, Heinrich Vogeler: »Zimmer einer jungen Frau«, 1906, Focke-Museum – Haus Riensberg, Teil der Dauerausstellung, Heinrich Vogelers Entwurfszeichnungen zur Güldenkammer im Bremer Rathaus, Kunsthalle Bremen, 17.5. – 31.8.2012, Worpsweder Lichtbilder: die Künstlerkolonie in frühen Fotografien, Kunstsammlungen Böttcherstraße / Paula Modersohn-Becker Museum, 15.7. – 28.10.2012.