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Königliche Eleganz, preußische Pracht – 250 Jahre Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM)

Prozellan Figuren Brautpaar KPM

Das Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum in Düsseldorf nimmt den 250. Geburtstag der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin zum Anlass, ihre bedeutenden Werke und herausragenden technischen Leistungen in einer Sonderausstellung zu präsentieren.

Die Düsseldorfer Ausstellung zeigt Service, Vasen, Aufsätze und Figuren aus der Zeit des Rokoko, des Klassizismus und der Jugendstilzeit.

Das Hetjens-Museum besitzt heute die weltgrößte Sammlung an Stücken aus den ersten Gründungsjahren der Manufaktur unter dem Kaufmann Wilhelm Caspar Wegely.

Leihgaben aus der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, dem Berliner Kunstgewerbemuseum, dem Museum für Angewandte Kunst in Köln, der Galerie Neuse in Bremen sowie aus Privatbesitz führen die Geschichte der KPM im Hetjens-Museum glanzvoll vor Augen führen.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen die schreitenden Figuren für den „Hochzeitszug“ des Kronprinzen Wilhelm anlässlich seiner Vermählung mit Herzogin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin im Jahr 1904. Die Entwürfe stammen aus der Feder des Bildhauers und Goldschmieds Adolf Amberg.

Einen prägnanten Abschluss bilden die modernen Geschirre von Trude Petri, Marguerite Friedlaender und Siegmund Schütz aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung läuft vom 17. Februar bis 2. Juni. Das Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, ist dienstags sowie donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, mittwochs von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

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50 Jahre Besteckdesign in Deutschland 1950 bis 2000

50 Jahre Besteckdesign in Deutschland 1950 bis 2000

Der Weltkrieg hinterließ nach 1945 in vielfacher Hinsicht ein riesiges Vakuum, auch in Bezug auf die Ausstattung der Haushalte. So war auch der Bedarf an neuem Besteck groß, und zugleich bot sich die Chance, das Thema Besteck „neu zu denken“.

Obwohl sich traditionelle Formen und Dekore zum Teil bis heute hartnäckig halten, so gab und gibt es doch eine starke Bewegung zum Besteck der „neuen Zeit“: Die Proportionen änderten sich deutlich (kurze Messerklinge und kurze Gabelzinken, runde Laffen, lange Griffe), das Material musste bezahlbar und tauglich für die Herstellung in großen Mengen sein (Edelstahl), die aufwendige Differenzierung in Tafel- und Dessertbesteck wurde zugunsten einer mittleren Größe (das sog. Mittelbesteck) aufgegeben.

Die dicht bestückte Studienausstellung im Klingenmuseum Solingen präsentiert eine exemplarische Auswahl von rund 320 Besteckmustern aus deutscher Produktion; die gesamte Produktion betrug in dieser Zeit rund 2.000 Muster. Selbstverständlich steht der gute, wegweisende Entwurf im Vordergrund, aber auch eher traditionelle Stilmittel wie Dekore oder Besteckgriffe und -hefte aus unterschiedlichem Material werden als zeittypische Erscheinungen gezeigt.
Eine Publikation mit einer repräsentativen Auswahl an Bestecken ist geplant.

20. Jan.- 30. Juni 2013
Deutsches Klingenmuseum
Klosterhof 4, D-42653 Solingen
(täglich 10 –17 Uhr, freitags 14 –17 Uhr, montags geschlossen, geöffnet Karfreitag bis Ostermontag, 1. Mai, Pfingstsamstag bis Pfingstmontag, an allen Tagen von 10 –17 Uhr.)

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Plaste von der Burg

„Plaste von der Burg“ ist der Titel der laufenden Sonderausstellung im Industriesalon an der Reinbeckstraße. Dabei steht die „Burg“ für die Hochschule für industrielle Formgestaltung in Halle, Burg Giebichenstein. Zusammengetragen hat die Exponate der Berliner Architekt Richard Anger, Sammler des „DDR-Designdepots“.

Im Jahr 1958 hatte die staatliche Plankommission der DDR die Verdoppelung der Chemieproduktion beschlossen. Fortan war fast kein Lebensbereich mehr davon ausgenommen, in den Kunststoffartikel Einzug hielten. Aller Voruteile zum Trotz sind hier designgeschichtlich äußerst interessante Entwürfe entstanden, die es sich lohnt anzusehen.

„Plaste von der Burg“ Vernissage am 3. Februar 2013, um 11:00 Uhr ist bis Anfang März im Industriesalon, Reinbeckstraße 9, 12459 Berlin, zu sehen: Mittwoch 14 bis 18 Uhr, Freitag 14 bis 19 Uhr, ■ 53 00 70 42, Wissenswertes auch unter www.industriesalon.de

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Haël-Keramik 1923 – 1933

Haël-Keramik - blaues Teeservice: Teekanne, Tasse, Teller

Margarete Heymann-Loebenstein (1899 – 1990) und ihre HAЁL-Werkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz

Im August 1899 wurde Margarete Heymann als Tochter des Tuchhändlers Max Heymann und seiner Frau Emma geboren. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule in Köln und erhielt dort – wie auch an der Düsseldorfer Kunstakademie – Mal- und Zeichenunterricht.

Im November 1920 geht sie nach Weimar und nimmt am Vorkurs von Johannes Itten am Staatlichen Bauhaus teil. Anschließend wird sie zu einem zweiten Probesemester in der keramischen Werkstatt des Bauhauses in Dornburg, die von Gerhard Marcks geleitet wurde, zugelassen.

Grete Heymann nimmt an Lehrveranstaltungen von Paul Klee, Georg Muche und Gertrud Grunow teil, bricht jedoch das Semester vorzeitig im Oktober 1921 ab und verlässt Weimar. Es ist anzunehmen, dass es daran lag, dass die Entscheidung für eine endgültige Zulassung für ein ordentliches Studium am Bauhaus zu sehr auf sich warten ließ. Leider konnten aus Ihrer Zeit in der Dornburger Töpferei des Bauhauses bisher keine Objekte oder andere Dokumente gesichert werden, lediglich ihr Töpferzeichen von dort ist bekannt, dieses ähnelt der von ihr später verwendeten Fabrikmarke.

Die 22-jährige geht zurück ins Rheinland, arbeitet vorübergehend in einer Frechener Töpferei und leitet einen Kinder-Töpferkurs an der Kölner Kunstgewerbeschule. Danach zieht es sie in die Metropole Berlin und nimmt 1922 eine Stelle als künstlerische Mitarbeiterin im Veltener Werk der Steingutfabriken Velten-Vordamm an. Während dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit, die Inflation in Deutschland näherte sich ihrem Höhepunkt, lernt sie den Kaufmann Dr. Gustav Loebenstein kennen, den sie im Folgejahr heiratete. Mit ihm und dessen Bruder Daniel als Geschäftsführer wagen sie eine Existenzgründung und pachten 1923 eine zuletzt für die Produktion von Blumentöpfen genutzte alte Ofenfabrik in Marwitz, einem Nachbarort Veltens – diese wurde dann im Juli 1926 von den Loebensteins erworben.

Die Haël-Werkstätten expandieren recht zügig und wandeln sich zu einem modernen aufstrebenden Betrieb unter der künstlerischen Leitung von Grete Heymann-Loebenstein.

Die in den ersten Jahren gefertigten Gefäße entstehen auf der Töpferscheibe, formal wirken sie eher einfach, mitunter rustikal, jedoch durch neuzeitliche, abstakte Pinseldekore – inspiriert durch Malerei am Bauhaus – bekommen sie einen besonderen Pep. Der Firmenname HAEL ist übrigens durch das lautschriftliche Aneinanderreihen der beiden Initialen „HA“ – von Heymann und „EL“ – von Loebenstein entstanden.

Schon 1925 ist eine Mitgliedschaft im Deutschen Werkbund belegt. Als einzig bekannter fremder Künstler liefert der Bildhauer und Maler Ewald Mataré (1887-1965), der zu dieser Zeit in Berlin arbeitete, Entwürfe für Tierfiguren, die dann auch im Angebot von Haël mit aufgenommen wurden. Die vielen keramischen Wandplatten, die er persönlich bemalt hat, wurden bisher aus einer Produktion in den Steingutfabriken Velten-Vordamm vermutet, diese dürften nach heutigen Erkenntnissen jedoch alle in Marwitz entstanden sein. Erst kürzlich konnte ich bei der Zuschreibung einer mit Landschaft und Kühen dekorierten Bodenvase aus dem Nachlass der Künstlerin dem British Museum behilflich sein und Mataré eindeutig als Autor identifizieren.

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre – der Betrieb expandiert weiter und die Mitarbeiterzahl wächst bis auf rund 90 an – werden die Herstellungs- und Dekortechniken verfeinert. Neben abstrakten Pinseldekoren tauchen auch vermehrt monochrome Mattglasuren auf, mitunter mit zarten Dekoren, die mit Lösungsfarben aufgetragen werrden. Diese Produkte sind meist neben der Fabrikmarke mit einem zusätzlichen Lf – für Lösungsfarbe – gekennzeichnet.

Es ist nachvollziehbar, wie schrecklich der Autounfall ihres Ehemanns und ihres Schwagers, die auf einer Fahrt zur Leipziger Messe im Herbst 1928 zu Tode gekommen waren, für die inzwischen zweifache Mutter gewesen sein muss. War doch auch gerade auf dem Betriebsgelände ein neues Wohn- und Bürohaus mit einem Ausstellungsraum errichtet worden.

Unbeirrt dieses Schicksalsschlages wirkt die Firmenchefin recht mutig und experimentierfreudig weiter.
Am Zeichentisch entstehen neuartige Formen, oft unkeramisch und sicher für manche Mitarbeiter im Betrieb eine Herausforderung – aber im Ergebnis tolle Produkte.
Selbst ich, der sehr klare und funktionale keramische Formen liebt, freue mich ganz besonders, wenn ich im Antiquitätenhandel oder auch auf Flohmärkten solche schönen Design-Objekte aus den Haël-Werkstätten erstehen kann.
Gegen Ende der 20er Jahre sind die Haël-Gefäße – inzwischen von einer derart feinen und dünnen Ausführung wie sie sogar heute wohl nicht mehr produzierbar wären – kaum aus dem Haushalt einer modernen jungen Frau wegzudenken. Allen Kritiken – die fehlende Funktionstüchtigkeit bei manchen Gefäßen und neuen Serviceformen bemängeln – zum Trotz, wachsen die Abnehmerkreise und es wird vermehrt ins Ausland exportiert.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 und deren Auswirkungen gehen auch an den Haël-Werkstätten nicht spurlos vorüber. Durch weg brechende Märkte und neue Zollbestimmungen müssen herbe Umsatzeinbrüche hingenommen werden.
Luxuskeramik – als solche würde man sicher die Keramik der Grete Heymann-Loebenstein heute bezeichnen – fand nur noch schwer Abnehmer in Deutschland.

Andere – auch größere Firmen wie die Steingutfabriken Velten-Vordamm zogen schon 1931 die Konsequenz aus der Krise und meldeten Insolvenz an – Haël hatte offensichtlich noch genügend Rücklagen.
Man senkte die Verkaufspreise und brachte 1932 die neue Serviceform „HAЁL-Norma“ auf den Markt. Im Vergleich zu manchen vorher von Grete Heymann entworfenen Design-Objekten wirkt dieses wieder recht bieder, im Gebrauch jedoch war es sicher funktionaler.

Einen weiteren Schicksalsschlag musste Grete Heymann im März 1933 hinnehmen. In der Zeit, als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen und begannen, ihr Unwesen weiter auszubauen, kam der 5-jährige Sohn Stephan beim Spielen im Wohnhaus der Familie in Berlin-Tempelhof zu Tode. Es ist übermittelt, dass zu allem Übel dann auch noch das Kindermädchen Frau Heymann-Loebenstein wegen Verletzung der Aufsichtspflicht angezeigt haben soll.

Als selbstbewusste und wache Frau – ihr war mit Sicherheit nicht verborgen geblieben, was um sie herum geschah, entließ sie sie im Juli 1933 ihre Mitarbeiter, schloss die Haël-Werkstätten und flüchtete mit ihrem Sohn vor einer drohenden Inhaftierung auf die Insel Bornholm. Zwei ehemalige Mitarbeiter von Grete Heymann-Loebenstein wurden dann auch noch angestiftet, sie zu denunzieren und ihr vorzuwerfen, die hätte sich kritisch dem neuen Regime gegenüber – also staatsfeindlich – geäußert.

Nach kurzer Zeit kommt jedoch Grete Heymann wieder nach Berlin zurück und betraut den Wirtschaftsberater Max Silberberg nun mit dem Verkauf ihres Betriebes, sicher eine schmerzliche, wenn auch kluge Entscheidung,
Nach monatelangen Verhandlungen stimmte Grete Heymann unter dem Druck der Geschehnisse und wohl auch auf Grund der Erkenntnis, dass sie für sich als Jüdin im Deutschen Reich keine Zukunft mehr sah, schließlich dem Verkauf Ihrer Werkstätten für 45.000 RM anstelle der ursprünglich geforderten 60.000 RM an den Handwerkspolitiker Dr. Heinrich Schild zu. Dieser war seit 1932 NSDAP-Mitglied und bis Herbst 1934 Generalsekretär des Reichsstandes des Deutschen Handwerks. Er war ein Freund der Familie Bollhagen und hatte den Betrieb erworben, um gemeinsam mit Hedwig Bollhagen – sie für den künstlerischen, er für den geschäftlichen Bereich – die neu zu gründenden HB-Werkstätten für Keramik zu leiten.

Die genauen Umstände, die zum Besitzerwechsel geführt haben, sind in den vergangenen fünf Jahren hitzig diskutiert worden und Arisierungsvorwürfe stehen nach wie vor im Raum. Die Rolle, die Hedwig Bollhagen persönlich darin gespielt hat, wurde versucht in einer Studie, dem Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam in Auftrag gegeben, zu erhellen. Das daraus resultierende 99seitige Gutachten, wie auch andere Publikationen zum Thema, sind im Shop des Keramik-Museums einzusehen. (Haël-Entwürfe wurden zunächst von den HB-Werkstätten weiter produziert und bereits 1934 beginnend, sukzessive durch neue Bollhagen-Entwürfe ersetzt.) In einem antisemitischen, diffamierenden Hetzartikel, im Mai 1935 in Göbbels Gauzeitung der Berliner NSDAP
„Der Angriff“ veröffentlicht, werden Haël-Produkte unter anderem als entartete Formempfindungen bezeichnet und mit HB-Keramik verglichen.

Im Dezember 1936 schließlich kehrt Grete Heymann-Loebenstein Deutschland den Rücken und emigriert nach Großbritannien. Dort kann sie durch Kontakte, die sie vorher schon aufgebaut hatte, Entwürfe für verschiedene Betriebe in Großbritannien liefern und an der Burslem School of Art in Stoke-on-Trent unterrichten.
1938 heiratet sie ihren zweiten Mann Harold Marks und gründet eine kleine Töpferwerkstatt, die Greta Pottery in Stoke-on-Trent, die sie jedoch bald nach Kriegsausbruch wieder schließen muss.

Nach 1945 beginnt Margarete Heymann-Marks – nun in London – wieder mit der Keramik-Produktion (Studio-Pottery) im eigenen Atelier und leitet eine Malklasse an der Camberwell School of Arts & Crafts. Mehr und mehr wendet sie sich jedoch in den Folgejahren der Malerei zu.

1961 wird Grete Heymann von der Bundesrepublik Deutschland als „Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ anerkannt. 1990 stirbt sie 91jährig in London.

Die Steingut- und Fayence-Objekte aus den Haël-Werkstätten zählen heute zu den begehrtesten kunsthandwerklichen Gegenständen der Zwanzigerjahre in Deutschland und befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen. Durch vielfältige Schenkungen und einigen Ankäufen hat auch das Keramik-Museum Berlin eine schöne Anzahl aus der nur 10 Jahre währenden Produktion zusammentragen können. Ergänzt durch Leihgaben von Mitgliedern des Fördervereins KMB freuen wir uns, vier Monate lang Einblick in die wundervoll fröhlich-bunte und einzigartige Welt der Haël-Werkstätten gewähren zu können.

Heinz-J. Theis
Ehrenamtlicher Leiter des Keramik-Museums Berlin

Keramik-Museum Berlin, Schustehrusstr. 13, 10585 Berlin-Charlottenburg.
Ausstellungsdauer 15.6. – 22.10.2012 Fr – Mo 13 bis 17 Uhr

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Keramik von Ettore Sottsass

Ettore Sottsass gehört zu den bedeutendsten italienischen Designern des 20. Jahrhunderts. Wahrgenommen wurde er von der Öffentlichkeit vor allem als wichtiger Vertreter der Postmoderne und Mitglied der Künstlergruppen Memphis und Alchimia. Doch betrachtet man sein Gesamtwerk, so lässt sich dieses keineswegs auf die postmoderne Formensprache der 1980er-Jahre reduzieren. Im Gegenteil: Ettore Sottsass war ein erstaunlich kreativer Künstler, der sich intensiv mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzte, die Entwicklungen seiner Zeit verfolgte, verschiedene Materialien verarbeitete und damit nach immer neuen Ausdrucksformen suchte. Auch in der Keramik! Das Düsseldorfer Hetjens-Museum widmet dieser künstlerischen Seite eine große Ausstellung, die nun bis zum 22. April 2012 verlängert wurde.

1917 in Innsbruck geboren, trat Ettore Sottsass zunächst in die Spuren seines Vaters und absolvierte wie dieser ein Architekturstudium. 1946 verlegte er seinen Wohnsitz in das prosperierende Mailand und entwarf Messestände, Möbelstücke, Bühnenbilder, Stoffe, Teppiche und Vasen. Zudem beteiligte er sich an Architekturwettbewerben, malte und fertigte Skulpturen. Bereits in diesen Jahren begann er auch, Beiträge für die renommierte Kunstzeitschrift DOMUS zu verfassen.

Eine Reise 1956 in die USA hinterließ nachhaltige Eindrücke. Er wurde mit einer sich rasant entwickelnden Konsumgesellschaft und einer Vielzahl technischer Neuerungen konfrontiert. Er erkannte, dass man sich als Entwerfer mit den industriellen Produktionsmethoden auseinandersetzen muss. In künstlerischer Hinsicht faszinierte ihn die Malerei der Pop-Art. Von ihr ließ er sich zu phantasievoll-farbkräftigen Ausdrucksformen anregen. Damit fand die Pop-Art Einzug in das Design.

Vier Jahre später reiste Sottsass in die entgegengesetzte Richtung, nach Indien. Auch dieses Land hinterließ bleibende Eindrücke, von denen er Zeit seines Lebens zehrte. Er studierte Menschen, Landschaft und Architektur und setzte sich mit der hinduistischen Religion auseinander. Dabei fiel ihm das magisch-religiöse Verhältnis der Menschen zu Alltagsdingen auf. Sottsass schrieb: „Die Orientalen wurden nie müde, auf Porzellan und Keramik sakrale Symbole zu übertragen.“ In Abkehr vom Rationalismus und einer betont sachlichen Formensprache, wie sie das Bauhaus vertrat, versuchte er fortan, seinen Entwürfen eine größtmögliche Ausdruckskraft zu verleihen. Sie sollten den Nutzern helfen, sich bewusster mit dem Menschsein, den eigenen Emotionen und auch gesellschaftlichen Phänomenen auseinanderzusetzen. Er sah sich als Designer in der Pflicht, den Menschen Objekte in die Hand zu geben, die sie individuell nutzen können – weitgehend frei von Wertvorstellungen und tradierten Verhaltensmustern.

Zur Keramik kam Sottsass eher zufällig 1956 durch einen Auftrag des Amerikaners Irving Richards, der ihn mit der italienischen Keramikfirma Bitossi in Montelupo bekannt machte. Dort bekam Sottsass die Möglichkeit, mit dem Material Ton zu experimentieren und nutzte dies intensiv bis in die 1960er-Jahre. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Unikate, aber auch erste Serien – vornehmlich von Vasen und Tellern. In der Folgezeit entwarf Sottsass auch für andere Firmen und Galerien und wagte sich an große Formate mit einer Höhe von bis zu zwei Metern.

Bis ins hohe Alter war Ettore Sottsass tätig; 2007 starb er 90-jährig in Mailand. Die Ausstellung im Hetjens-Museum ist die erste umfassende Präsentation seines keramischen Werkes. Es spiegelt die wichtigen Lebensstationen des Künstlers und seine vielfältigen Inspirationsquellen wider. Die Leihgaben stammen aus Italien, den Niederlanden sowie der Schweiz und schließen auch Beispiele seines zeichnerischen und fotografischen Werkes ein.

Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet (mittwochs bis 21 Uhr).

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Die zeitlose Form – Porzellan- und Keramikentwürfe von Hermann Gretsch

Dem neben Wilhelm Wagenfeld bedeutendsten deutschen Designer Hermann Gretsch (1895 – 1959), ist seit über 50 Jahren keine Einzelausstellung gewidmet worden. Das hängt mit seiner Nähe zum Nationalsozialismus zusammen.

Achtzig Jahre sind vergangen, seit Gretsch mit >Arzberg 1382< das klassische Porzellangeschirr des 20. Jahrhunderts schuf, wie der VW Käfer, ein Meilenstein der deutschen Geschichte.

Das Hotelgeschirr >Schönwald 98<, aktuell in 38 Farben bei Dibbern im Programm, die Steingutserien Freia und Senta für Villeroy & Boch Dresden, die Erfolgsform 3480 mit volkstümlichen Dekoren wie „Hansi“ und „Schotten“, sind in der Ausstellung ebenso zu sehen, wie das freundlich blaue- und gelbe Nachkriegsgeschirr aus Hartsteingut von Steuler/Mühlacker.

Heinz-J. Theis

5.11.2011. – 30.1.2012 Fr. – Mo. 13 bis 17 Uhr im Keramik Museum Berlin, Schustehrusstraße 13 10585 Berlin

Zur Eröffnung am Freitag, den 4.11. um 19 Uhr spricht Dieter Högermann, Kunsthistoriker und Sammler aus Berlin.

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Metallkunst im Sinne des Bauhauses

Das Deutsche Goldschmiedehaus in Hanau präsentiert bis zum 5. Juli 2009 mit der Sammlung von Giorgio Silzer mehr als 250 Objekte aus Messing, Kupfer, Zinn, Silber und Aluminium. Mehrteilige Tee- und Mokkaservice, Kannen, Schalen, Platten, Vasen, Becher, Kerzenleuchter sowie Likörsets und Schreibzeuge dokumentieren eindrucksvoll die Vielseitigkeit von handwerklicher Ausführung und maschineller Fertigung der Metallkunst des frühen 20. Jahrhunderts. Namhafte Bauhaus Künstler wie Marianne Brandt, Christian Dell, Emmy Roth, Karl Raichle, Hayno Focken sowie ausführende Werkstätten und Firmen wie Treusch in Leipzig; Christopfle & Cie in Paris, Wilkens & Söhne AG Bremen, die WMF in Geislingen, die Metallwarenfabrik Ruppelwerk in Gotha oder die Werkstätte für künstlerische Metallbearbeitung Albert Gustav Bunge belegen das breite Spektrum der Metallgestaltung inder ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der aus Oberschlesien stammende, international bekannte Geiger und frühere Konzertmeister Giorgio Silzer (geb. 1920) trug im Laufe seiner Sammeltätigkeit eine umfangreiche Kollektion von kunsthandwerklichen Arbeiten im Bereich Metallkunst, Glas und Keramik im Besonderen des Jugendstils, des Art Décos und Funktionalismus im Sinne des Bauhauses zusammen.

Die Ausstellung „Metallkunst im Umbruch 1920er bis 1950er Jahre. Sammlung Giorgio Silzer“ ist täglich, außer montags, von 11.00 bis 17.00 Uhr, bis 5. Juli im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau zu sehen.

Deutsches Goldschmiedehaus Hanau, Altstädter Markt 6, 63450 Hanau.
www.gfg-hanau.de, www.museen-hanau.de

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Das Bauhaus weltweit

Nicht nur, dass das Bauhaus in diesem Jahren auf 90 Jahre seines Bestehen zurückblicken kann und deshalb drei renommierte Designinstitute eine gemeinsame große Ausstellung, auf den Weg bringen, weit beeindruckender in die Tatsache, dass weltweit das Modell Bauhaus, seine umfassende Bedeutung für die Entwicklung und Internationalisierung der Moderne anerkannt wird und entsprechend rund um den Erdball Designmuseen dem „Old“ Bauhaus einen bedeutenden Platz einräumen.
Seine weltumspannende Ausstrahlung und Vorbildfunktion liegt vor allem in der Tatsache begründet, dass in Weimar und Dessau die besten Kräfte aus fast ganz Europa an einen Platz zusammenziehen konnten und das sowohl auf der Seite der Lehrer, wie der Studenten. Lehrer wie Walter Gropius, Johannes Itten, László Moholy-Nagy, Marcel Breuer, Christian Dell, Gerhard Marcks, Georg Muche, Mies van der Rohe und ihre begabten Studenten wie Marianne Brandt, Herbert Bayer, Otto Lindig und Wilhelm Wagenfeld zählen zu den Legenden der angewandten Künste weltweit. Das Bauhaus, seine Ideologie ist längst kollektives Erbe.

Dass am Bauhaus so Herausragendes geleistet wurde, war nicht einfach nur Glück oder Zufall, sondern es war das Ergebnis der harten Arbeit der besten, die sich in euphorischen Zeiten in gegenseitiger Konkurrenz das Äußerste abverlangten. Mittelmaß war tabu. Es ging immer um kategorische Lösungen, alles auf einen Punkt bringende Ideen, um die alle Gegensätze in einem Formkonzept vereinigende Synthese. An der Lösung des Freischwingers hatten mit Mart Stam, Marcel Breuer und Mies van de Rohe bereits die Allerbesten gearbeitet und als die Lösung gefunden war, gab es nicht zu verbessern.
Viele der im Bauhaus entwickelten Produkte, im Besonderen die Stahlrohr-Stuhle und Sessel (metal tubular chairs) sind wahre Klassiker geworden. Sie überdauern inzwischen einen Zeitraum von über 50 Jahren und das ist so etwas wie ein kleines Weltwunder, denn in unseren schnelllebigen Zeiten kann ein Objekt bereits dann als Klassiker gelten, wenn er es schafft noch nach zehn Jahren lieferbar zu sein. In den 70er und 80er Jahren hatte sich die Moderne endgültig durchgesetzt und wurde sogar populär. Damit begann ein kommerzieller Ausverkauf von zum Teil autorisierten Nachbauten, aber überwiegend angeregt durch unautorisierte Imitationen bzw. leicht veränderte Stilimitate bzw. Persiflagen.

Vom 22. Juli bis 4. Oktober werden im Martin-Gropius-Bau in Berlin wieder Originale zu sehen sein. Veranstalter der „Modell-Bauhaus“ Ausstellung sind die drei deutschen Bauhaus-Institutionen: das Bauhaus-Archiv in Berlin, die Stiftung Bauhaus in Dessau und die Klassik Stiftung Weimar in Kooperation mit dem Museum of Modern Art in New York.

Die weltweit umfangreichste Sammlung an Artefakten und Dokumenten zum Bauhaus, wozu eine einzigartiges Dokumentar – und Kunstfoto-Archiv mit insgesamt etwa 50.000 Motiven zählt, besitzt das Bauhaus-Archiv. Dagegen ist die Stiftung Bauhaus Dessau vor allem ein Ort der Forschung, Lehre und experimentellen Gestaltung. Neben der Pflege, Erforschung und Vermittlung des Bauhauserbes beschäftigt sich die Stiftung mit den urbanen Herausforderungen der Zeit, lotet Optionen für die Zukunft aus und entwickelt Entwürfe in Architektur, Design und darstellender Kunst. Das in Weimar ansässige Bauhaus-Museum ist Teil der Stiftung Klassik. Die historische Sammlung geht direkt auf die Zeit des Staatlichen Bauhauses Weimar 1919-25 zurück. Nach der Übernahme des Bauhauses durch die Stadt Dessau im April 1925 wurden durch Walter Gropius zusammen mit dem damaligen Museumsdirektor rund 150 Arbeiten aus den Weimarer Bauhaus-Werkstätten ausgesucht, die in dort verblieben. Diese bildeten die Basis für das 1995 gegründete Bauhaus-Museum, dessen Sammlung heute ca. 10.000 Exponate aufweist.

Im Anschluss an die Berliner Präsentation wird das Museum of Modern Art in New York seinen 80. Geburtstag mit der Ausstellung „Bauhaus 1919 – 1933: Workshops for Modernity“ begehen. Den internationalen Auftakt, bildete bereits die im März beendete Ausstellung „bauhaus experience, dessau“ in Kooperation mit der Tokyo University of Fine Arts and Music (Gedai University). Über 300 Exponate der Stiftung Bauhaus Dessau wurden mit der bedeutenden Bauhaus-Sammlung des Utsonomya Museum of Art, zusammengeführt. Einhundert Kilometer nördlich von Tokyo gelegen, zählt dieses moderne Kunstmuseum zu jenen Institutionen in Japan, die sich insbesondere der klassischen Avantgarde und Strömungen der Gegenwartskunst widmen.
Neben diesen drei großen Veranstaltungen wird weltweit, allein deutschlandweit in über 50 designrelevanten Museen eine Fülle von Begleitveranstaltungen und Ausstellungen geboten, die zwangsläufig aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Einen eigenen umfassenden Kalender kann es kaum geben. Design20.eu wird deshalb in einer Folge auf Sehenswertes hinweisen und punktuell Sammlungen vorstellen. Hinweise und Anregungen sind hier willkommen.

Dr. Heide Rezepa-Zabel