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Neu: im Sammler Journal, Oktober 2013: Richard Riemerschmid

Richard Riemerschmid Objekte

„Wir fingen einfach an“. So beschreibt Richard Riemerschmid (1868-1957) im hohen Alter den Beginn seiner Generation, die nichts Geringes im Sinn hatte, als das Kunstgewerbe vollkommen zu reformieren und die Moderne auf den Weg zu bringen.

Deutsche Produkte hatten mit ihren Stiladaptionen und überzüchteten Ornamenten auf internationalen Ausstellungen einen dramatischen Ansehensverlust erlitten. England brandmarkte deutsche Importe mit „Made in Germany“ als „cheap and bad“ und auf dem Kontinent waren zu allem Überfluss englisches, französisches, belgisches oder japanisches Kunsthandwerk mehr denn je gefragt.

Der Umbruch wurde von verschiedenen Seiten herbeigesehnt und greifbar als zum Ende des Jahrhunderts eine Reihe hervorragender, progressiver Talente den Neuanfang im Kunsthandwerk und in der Kunstindustrie wagten. Sie kamen wie Richard Riemerschmid und Peter Behrens, Henry van de Velde, Adelbert Niemeyer, Bernhard Pankok und Bruno Paul von der bildenden Kunst und wechselten als Autodidakten in diesen Bereich. Auf der Suche nach Ausdrucksformen, die dem Charakter, den Idealen und Bedürfnissen ihrer Zeit entsprachen, beeindruckten sie ihr Publikum mit bestechenden Lösungen, die die konservativen Kräfte letztlich zum Umdenken zwangen.

Lesen Sie jetzt in der Aktuellen Ausgabe des Sammler Journals den Beitrag zu Richard Riemerschmid und seinem Oeuvre.

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250 Jahre Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin – Drei Ausstellungen zum Jubiläum

Im KPM-Jubiläumsjahr 2013 zeigen drei große Berliner Ausstellungen das eindrucksvolle Spektrum stilbildender KPM-Porzellankunst aus zweieinhalb Jahrhunderten. Dabei unterstreichen sie die bis heute anhaltende, überragende kulturelle Bedeutung der Manufaktur für die deutsche Hauptstadt.

„Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin 1763-2013. Porzellankunst aus privaten Sammlungen“ in der KPM WELT (Ausstellung vom 19. September 2013 bis 5. Januar 2014)

„KPM – Gestalten, Benutzen, Sammeln. 250 Jahre Porzellan aus der Königlichen Manufaktur in Berlin“ im Schloss Charlottenburg, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Ausstellung vom 19. September 2013 bis 5. Januar 2014)

„Lust auf Dekor. KPM-Porzellane zwischen Jugendstil und Art Deco. Eine Jubiläumsausstellung“ im Bröhan-Museum (Ausstellung vom 19. September 2013 bis 26. Januar 2014)

Vor 250 Jahren gründet Friedrich der Große eine Porzellan-Manufaktur, die dank künstlerischer und technischer Innovationen in Europa schnell eine Spitzenposition erobern und ausbauen kann. Die Ausstellung „Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin 1763-2013. Porzellankunst aus privaten Sammlungen“, die in der Königlichen Porzellan-Manufaktur selbst zu sehen ist, führt eindrucksvoll vor Augen, wie die Manufaktur in jeder Epoche vom Rokoko bis in die Gegenwart stilprägende Entwürfe von hohem künstlerischem Rang hervorbringt.

Die Ausstellung „KPM – Gestalten, Benutzen, Sammeln. 250 Jahre Porzellan aus der Königlichen Manufaktur in Berlin“ im Schloss Charlottenburg beleuchtet die Geschichte des Porzellans aus der KPM unter drei Aspekten: Das Archiv öffnet seine sonst streng verschlossenen Sammlungsschränke und gewährt einen Einblick in die vielfältigen Bestände. Das nach Vorlagen des Malers Adolph Menzel gestaltete Silberhochzeitsservice des Kronprinzen Friedrich Wilhelm aus dem Jahr 1883 wird als Festtafel gedeckt zu sehen sein. Abgerundet wird die Schau mit der Präsentation bisher unentdeckter Schätze aus Berliner Privatsammlungen – ungewöhnliche, faszinierende und spektakuläre Leihgaben aus  drei Jahrhunderten werden gezeigt.

Die Ausstellung „Lust auf Dekor. KPM-Porzellane zwischen Jugendstil und Art Deco“ im Bröhan-Museum lenkt den Blick wiederum auf die außergewöhnlich schönen Dekore der KPM. Im Fokus steht dabei die Ära von Theo Schmuz-Baudiß (1859-1942). Seit 1902 bei der KPM beschäftigt, war er von 1908 bis 1925 deren künstlerischer Direktor. Es entstanden neuartige Blumen-, Tier- und Landschaftsdekore in leuchtenden Farben und virtuoser Bemalung. Stilistisch bewegen sie sich zwischen Jugendstil und Art Deco. Die Schau ist zugleich ein Beitrag zum 40. Jubiläum des Bröhan-Museums. Dessen Gründer, der Sammler Professor Karl H. Bröhan, hegte eine besondere Vorliebe für Porzellane der KPM und erwarb im Laufe seiner Sammeltätigkeit zahlreiche Spitzenstücke aus Jugendstil und Art Deco. So versteht das Museum die Ausstellung zugleich als Reverenz an seinen Gründer und die eigene Sammlungsgeschichte.

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Von „Urbino“ bis „Stambul“. Porzellanentwürfe der KPM 1929 – 197

250- ahre KPM Urbino Stambul2

Als Beitrag zum 250-jährigen Bestehen der KPM Berlin zeigt das Keramik-Museum Berlin (KMB) eine Ausstellung der KPM Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Dabei ergänzen zahlreiche Leihgaben des Manufakturarchivs sowie Objekte aus öffentlichen und privaten Berliner Sammlungen den eigenen Bestand.

Betrachtet wird die Moderne mit über 100 Gefäßen und Objekten der Zeitspanne 1929 bis 1970 als Teil der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Präsentation gewährt einen Blick auf vier Jahrzehnte Formgestaltung. „War „Urbino“ der große Wurf der dreißiger Jahre, so ist „Stambul“ stilistisch der große Wurf der sechziger Jahre. „Urbino“, das Erfolgsservice von Trude Petri, markiert den Beginn, zu dem auch die Arbeiten von Marguerite Friedlaender und Gerhard Marcks zählen. Die KPM der Nachkriegszeit wird u. a. mit den Entwürfen von Siegmund Schütz und Hubert Griemert repräsentiert. Mit Wolf Karnagels Mokkaservice „Stambul“ endet die Präsentation dieser bislang wenig betrachteten, aber künstlerisch-innovativen 40 Jahre der KPM.

Keramik-Museum Berlin, Schustehrusstraße 13, 10585 Berlin
1.9. 2013 – 27.1.2014, täglich außer dienstags 11 bis 17 Uhr, Eintritt 2,- €

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Kristallglasuren im Keramik Musem Berlin

Kristallglasuren im Keramik Musem Berlin

Schon Jahrhunderte bevor die gezielte Beschäftigung mit Kristallglasuren in Europa (Sèvres um 1850) begann, faszinierte diese Glasurtechnik vor allem Menschen im Fernen Osten.

Der Ursprung „kristallinischer Glasuren“ (mit Mikrokristallen) wird in den alten chinesischen und japanischen Kulturen zur Zeit der Song-Dynastie 960-1279 vermutet.

Aus dem sich abkühlenden Schmelzfluss der aufgetragenen und erhitzten Glasurmasse wachsen – abhängig von den benutzten Rohstoffen und sonstigen Milieubedingungen – bunte Flecken, blüten- oder sternförmige Muster, auch zweiartige Gebilde oder andere Kristallbildungen.

Das gestaltlose Materialchaos der heißen Schmelze lässt bei der Erstarrung geometrische Körper entstehen, die als Gesamtheit ein geordnetes Gefüge bilden. Wissenschaftlich stellt jede Kristallglasur in Bezug auf die beteiligten Moleküle einen Gleichgewichtszustand dar. (aus: Abenteuer Kristallglasur, Keramikmuseum Mettlach 2008).

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Avantgarde für den Alltag. Jüdische Keramikerinnen in Deutschland 1919-1933.

Bröhan Zeisel Teeservice

Bröhan Heymann Marks TeeserviceEva Stricker-Zeisel, Margarete Heymann-Marks, Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Ausstellung vom 28. Februar bis 20. Mai 2013 im Bröhan-Museum, Berlin

Im Rahmen des Berliner Themenjahrs „2013 – Zerstörte Vielfalt“ zeigt das Bröhan-Museum eine Sonderausstellung mit etwa 180 Exponaten zu drei jüdischen Keramikerinnen der Avantgarde: Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Margarete Heymann-Marks und Eva Stricker-Zeisel. In der angewandten Kunst vor 1933 waren es gerade Frauen, nicht selten mit jüdischem Hintergrund, die durch ihre künstlerische Begabung, ihre Durchsetzungskraft und ihre Experimentierfreude großen Anteil an der Entwicklung einer „Avantgarde für den Alltag“ in Deutschland hatten. Exemplarisch wird dies in der Ausstellung anhand der Werke und Biografien der genannten Keramikerinnen gezeigt. Alle drei schufen wegweisende Formen und Dekore für Objekte des täglichen Gebrauchs. Als Jüdinnen blieb ihnen nach 1933/38 die Fortsetzung ihrer beruflichen Laufbahn in Deutschland verwehrt. Sie gingen ins Exil nach Großbritannien oder in die USA.


BRÖHAN-MUSEUM  Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus (1889 – 1939)
Schloßstraße 1a  14059 Berlin (Charlottenburg)

Öffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen.

Eintritt: 6,- €, erm. 4,- € (inkl. Eintritt Dauerausstellung), jeden ersten Mittwoch im Monat Eintritt frei.

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Plaste von der Burg

„Plaste von der Burg“ ist der Titel der laufenden Sonderausstellung im Industriesalon an der Reinbeckstraße. Dabei steht die „Burg“ für die Hochschule für industrielle Formgestaltung in Halle, Burg Giebichenstein. Zusammengetragen hat die Exponate der Berliner Architekt Richard Anger, Sammler des „DDR-Designdepots“.

Im Jahr 1958 hatte die staatliche Plankommission der DDR die Verdoppelung der Chemieproduktion beschlossen. Fortan war fast kein Lebensbereich mehr davon ausgenommen, in den Kunststoffartikel Einzug hielten. Aller Voruteile zum Trotz sind hier designgeschichtlich äußerst interessante Entwürfe entstanden, die es sich lohnt anzusehen.

„Plaste von der Burg“ Vernissage am 3. Februar 2013, um 11:00 Uhr ist bis Anfang März im Industriesalon, Reinbeckstraße 9, 12459 Berlin, zu sehen: Mittwoch 14 bis 18 Uhr, Freitag 14 bis 19 Uhr, ■ 53 00 70 42, Wissenswertes auch unter www.industriesalon.de

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Modelle des Amtes Schönheit der Arbeit I, II, III, IV

Modelle des Amtes Schönheit der Arbeit

Das „Amt Schönheit der Arbeit“ war der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) angegliedert, die ab 1933 als Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber die freien Gewerkschaften ablöste und bald offiziell der NSDAP angeschlossen wurde. Seine Aufgabe war es „…dafür zu sorgen, dass die Stätten der Arbeit nicht nur sozialhygienisch einwandfrei sind, sondern auch ästhetisch pfleglich behandelt werden“ (lt. Brockhaus, 1935, Bd.25). Bestandteil der nationalsozialistischen Propaganda war die Schlichtheit der Gestaltungen. Die Machthaber strebten „ewige“, „überzeitliche“ Formen an, mit denen individuelle Strömungen dauerhaft verhindert werden sollten. Gleichzeitig bereitete eine „Elite“ von Juristen die Umwälzung des Urheberrechts vor. Rechtsanwälte und Richter wirkten in der Akademie für deutsches Recht daran mit, dass der Schutz eines Werkes allein von seinen ideologischen „Wirkungen“ auf die deutsche Volksgemeinschaft abhing.

1935 erhielt der in Gestaltungsfragen noch wenig erfahrene Heinrich Löffelhardt vom „Amt Schönheit der Arbeit“ den Auftrag ein Kantinengeschirr zu entwerfen. Die Porzellanfabrik Thomas hatte gerade sein robustes Speiseservice „Barb“ für den Siedlerhaushalt in den Handel gebracht und dieses qualifizierte ihn in den Augen der Verantwortlichen als Gestalter des ersten und 1939 auch noch des zweiten Modells von insgesamt vier „parteiamtlichen“ Kantinengeschirren, die allesamt in die „Deutsche Warenkunde“ aufgenommen wurden.
Die Zuständigkeit für die Umsetzung des Entwurfes lag bei Bauscher, denn Bauscher verfügte über die damals größten Erfahrungen im Bereich Hotelgeschirr und über wichtige Patente. Das Unternehmen fertigte die Mutter- und Arbeitsformen an und versandte Muster an von der DAF ausgesuchte Hersteller, die mit Argusaugen Produktion und Vertrieb überwachte. Die zugelassenen Betriebe wurden verpflichtet, die Geschirrteile mit zugunsten der Gebrüder Bauscher patentierten Deckelhaltern zu versehen. Zusätzlich dürfte man noch den Tropfenfänger anbringen. Eine Dekoration des Geschirrs war nicht gestattet. Lediglich ein in der Breite vorgeschriebener Randdekor und eine “einfarbige Vignette“ waren zugelassen Auf sämtlichen Geschirren musste unter der Fabrikmarke der Einheitsstempel „Modell des Amtes Schönheit der Arbeit“ angebracht werden und dieser bestand aus einem stilisierten Zahnrad mit Hakenkreuz in der Mitte.

Für das Modell I hatte die DAF unter Mitsprache der zuständigen DAF-Gaubetriebsgemeinschaften und der DAF-Reichsbetriebsgemeinschaft „Stein und Erde“ 1936 zunächst zehn Betriebe ausgesucht: Gebr. Bauscher, Weiden; Lorenz Hutschenreuther; Selb; C.M. Hutschenreuther, Hohenberg/Eger; PF C. Tielsch, Waldenburg-Altwasser, Schlesien; PF Stadtlengsfeld; PF Königszelt, Schlesien; PF Heinrich & Co., Selb; PF Krister, Waldenburg; Schlesien; Ph. Rosenthal & Co., Werk Kronach; PF Ilmenau Graf von Henneberg, Ilmenau.
In den 40er Jahren traten noch folgende Unternehmen hinzu: Rosenthal-Hauptwerk, Selb, PF Oskar Schaller, Windischechenbach; PF Waldershof.
Im Falle Rosenthal-Selb entstand die kuriose Situation, das der jüdische Name Rosenthal über dem Hakenkreuz zu stehen kam.
Die breite Nachfrage belebte sich erst im Verlaufe des Krieges, und zwar in einem Maße, dass in kurzer Zeit eine „Mangellage in der Versorgung des Marktes“ eintrat. Allein die Ilmenauer Fabrik, welche im Jahr 1938 an Kaffee-, Tee- und Milchkannen lediglich 120 Stück abzusetzen vermochte, brachte es 1941 auf die zehnfache Menge.

Um den Bedarf an feinerem Porzellan zu decken, beschloss die DAF zusätzlich die Entwicklung eines gehobenen Kantinengeschirrs „Modell Schönheit der Arbeit II“. Als Hersteller wurden nur fünf Betriebe zu gelassen. Die Verantwortung für die Edel-Variante wurde dem Rosenthal-Werk Selb übertragen, andere Hersteller waren die PF Marktredwitz Jaegger& Co., Marktredwitz/Ofr.; PF Schönwald/Ofr.; PF Tirschenreuth, Tirschenreuth/Ofr.; PF Kaestner, Oberhohndorf bei Zwickau. Heinrich Löffelhardt fungierte wieder als Entwerfer. Das Modell II war gegenüber seinem Vorläufer „leichter und zierlicher“, insbesondere wiesen die Flachteile keinen Wulst auf. Den lizenzierten Firmen wurde seitens des Amtes die Befugnis eingeräumt, das Geschirr Nr.II mit zwei eigenen Dekors zu versehen, die allerdings der Genehmigung durch die DAF bedurften.

Im Jahr 1939, kurz vor Kriegsausbruch, ordnete die DAF ein weiteres Geschirr „Modell Schönheit der Arbeit III“ an und beauftragte erneut Bauscher mit der Leitung und auch mit dem Entwurf, da sich Löffelhardt in der fraglichen Zeit im Wehrdienst befand. Das Modell III weist Ähnlichkeiten zu dem von Wolfgang von Wersin 1942 für Bauscher entwickelten Hotelgeschirr „Form Europa“ auf, mit Übernahmen von Formen des Modell I und des von Hermann Gretsch entwickelten Geschirrs „Reichsschulungsburgen“. Die „Dekorvorgabe lautete „einheitlich mit zwei roten Linien“. Zu den Herstellern gehörten: Gebr. Bauscher, Weiden; Gräfl. Thun’sche Porzellanfabrik, Klösterle/Eger; Keramische Werke Bohemia; PF Hass Czjzek, Schlaggenwald; PF Schlenwerth/Josef Pfeiffer; PF R. Kämpf, Grünlass bei Neusattl. Um zu verhindern, dass Firmen die Aufnahme der Produktion verweigerten, war eine Förderungsabgabe für Forschungszwecke in der keramischen Industrie verkleidete Konventionalstrafe von 200 bis 300 Mark vorgesehen. Erstmals sollte das Modell II 1942 auf der Leipziger Frühjahrsmesse im Rahmen der Vorbildschau „Formschönes Gebrauchsgut für den Export“ vorgestellt werden, aber der kriegsbedingte Ausfall der Messe brachte das Vorhaben zum Erliegen.

Im August 1941 legte die Porzellanfabirk Tichenreuth noch ein viertes Modell „Schönheit der Arbeit“ auf, firmenintern mit „Modell II neu“ bezeichnet. Es bestand aus nur 8 Teilen, welche allesamt Stücke von „Modell Schönheit der Arbeit II“ ersetzten.

Ihren größten Absatzmarkt fanden die von Löffelhardt entworfenen Kantinengeschirre bei der Wehrmacht und Waffen-SS. Produktion und Vertrieb von zigtausend Standard-Geschirrteilen unterlagen der Aufsicht und Steuerung von SS-Wirtschaftunternehmen, konkret der Porzellan- manufakturen Allach München GmbH und der Bohemia Keramische Werke AG. Bei der Herstellung in den SS-Unternehmen kamen seit 1942 regelmäßig Häftlinge und Zwangsarbeiter zum Einsatz, die Betriebsstätten waren Teile von Konzentrationslagern.

Vgl. hierzu weiterführend: Sabine Zentek: Designer im Dritten Reich, 2009, S.143ff. und S.165ff..

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Haël-Keramik 1923 – 1933

Haël-Keramik - blaues Teeservice: Teekanne, Tasse, Teller

Margarete Heymann-Loebenstein (1899 – 1990) und ihre HAЁL-Werkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz

Im August 1899 wurde Margarete Heymann als Tochter des Tuchhändlers Max Heymann und seiner Frau Emma geboren. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule in Köln und erhielt dort – wie auch an der Düsseldorfer Kunstakademie – Mal- und Zeichenunterricht.

Im November 1920 geht sie nach Weimar und nimmt am Vorkurs von Johannes Itten am Staatlichen Bauhaus teil. Anschließend wird sie zu einem zweiten Probesemester in der keramischen Werkstatt des Bauhauses in Dornburg, die von Gerhard Marcks geleitet wurde, zugelassen.

Grete Heymann nimmt an Lehrveranstaltungen von Paul Klee, Georg Muche und Gertrud Grunow teil, bricht jedoch das Semester vorzeitig im Oktober 1921 ab und verlässt Weimar. Es ist anzunehmen, dass es daran lag, dass die Entscheidung für eine endgültige Zulassung für ein ordentliches Studium am Bauhaus zu sehr auf sich warten ließ. Leider konnten aus Ihrer Zeit in der Dornburger Töpferei des Bauhauses bisher keine Objekte oder andere Dokumente gesichert werden, lediglich ihr Töpferzeichen von dort ist bekannt, dieses ähnelt der von ihr später verwendeten Fabrikmarke.

Die 22-jährige geht zurück ins Rheinland, arbeitet vorübergehend in einer Frechener Töpferei und leitet einen Kinder-Töpferkurs an der Kölner Kunstgewerbeschule. Danach zieht es sie in die Metropole Berlin und nimmt 1922 eine Stelle als künstlerische Mitarbeiterin im Veltener Werk der Steingutfabriken Velten-Vordamm an. Während dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit, die Inflation in Deutschland näherte sich ihrem Höhepunkt, lernt sie den Kaufmann Dr. Gustav Loebenstein kennen, den sie im Folgejahr heiratete. Mit ihm und dessen Bruder Daniel als Geschäftsführer wagen sie eine Existenzgründung und pachten 1923 eine zuletzt für die Produktion von Blumentöpfen genutzte alte Ofenfabrik in Marwitz, einem Nachbarort Veltens – diese wurde dann im Juli 1926 von den Loebensteins erworben.

Die Haël-Werkstätten expandieren recht zügig und wandeln sich zu einem modernen aufstrebenden Betrieb unter der künstlerischen Leitung von Grete Heymann-Loebenstein.

Die in den ersten Jahren gefertigten Gefäße entstehen auf der Töpferscheibe, formal wirken sie eher einfach, mitunter rustikal, jedoch durch neuzeitliche, abstakte Pinseldekore – inspiriert durch Malerei am Bauhaus – bekommen sie einen besonderen Pep. Der Firmenname HAEL ist übrigens durch das lautschriftliche Aneinanderreihen der beiden Initialen „HA“ – von Heymann und „EL“ – von Loebenstein entstanden.

Schon 1925 ist eine Mitgliedschaft im Deutschen Werkbund belegt. Als einzig bekannter fremder Künstler liefert der Bildhauer und Maler Ewald Mataré (1887-1965), der zu dieser Zeit in Berlin arbeitete, Entwürfe für Tierfiguren, die dann auch im Angebot von Haël mit aufgenommen wurden. Die vielen keramischen Wandplatten, die er persönlich bemalt hat, wurden bisher aus einer Produktion in den Steingutfabriken Velten-Vordamm vermutet, diese dürften nach heutigen Erkenntnissen jedoch alle in Marwitz entstanden sein. Erst kürzlich konnte ich bei der Zuschreibung einer mit Landschaft und Kühen dekorierten Bodenvase aus dem Nachlass der Künstlerin dem British Museum behilflich sein und Mataré eindeutig als Autor identifizieren.

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre – der Betrieb expandiert weiter und die Mitarbeiterzahl wächst bis auf rund 90 an – werden die Herstellungs- und Dekortechniken verfeinert. Neben abstrakten Pinseldekoren tauchen auch vermehrt monochrome Mattglasuren auf, mitunter mit zarten Dekoren, die mit Lösungsfarben aufgetragen werrden. Diese Produkte sind meist neben der Fabrikmarke mit einem zusätzlichen Lf – für Lösungsfarbe – gekennzeichnet.

Es ist nachvollziehbar, wie schrecklich der Autounfall ihres Ehemanns und ihres Schwagers, die auf einer Fahrt zur Leipziger Messe im Herbst 1928 zu Tode gekommen waren, für die inzwischen zweifache Mutter gewesen sein muss. War doch auch gerade auf dem Betriebsgelände ein neues Wohn- und Bürohaus mit einem Ausstellungsraum errichtet worden.

Unbeirrt dieses Schicksalsschlages wirkt die Firmenchefin recht mutig und experimentierfreudig weiter.
Am Zeichentisch entstehen neuartige Formen, oft unkeramisch und sicher für manche Mitarbeiter im Betrieb eine Herausforderung – aber im Ergebnis tolle Produkte.
Selbst ich, der sehr klare und funktionale keramische Formen liebt, freue mich ganz besonders, wenn ich im Antiquitätenhandel oder auch auf Flohmärkten solche schönen Design-Objekte aus den Haël-Werkstätten erstehen kann.
Gegen Ende der 20er Jahre sind die Haël-Gefäße – inzwischen von einer derart feinen und dünnen Ausführung wie sie sogar heute wohl nicht mehr produzierbar wären – kaum aus dem Haushalt einer modernen jungen Frau wegzudenken. Allen Kritiken – die fehlende Funktionstüchtigkeit bei manchen Gefäßen und neuen Serviceformen bemängeln – zum Trotz, wachsen die Abnehmerkreise und es wird vermehrt ins Ausland exportiert.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 und deren Auswirkungen gehen auch an den Haël-Werkstätten nicht spurlos vorüber. Durch weg brechende Märkte und neue Zollbestimmungen müssen herbe Umsatzeinbrüche hingenommen werden.
Luxuskeramik – als solche würde man sicher die Keramik der Grete Heymann-Loebenstein heute bezeichnen – fand nur noch schwer Abnehmer in Deutschland.

Andere – auch größere Firmen wie die Steingutfabriken Velten-Vordamm zogen schon 1931 die Konsequenz aus der Krise und meldeten Insolvenz an – Haël hatte offensichtlich noch genügend Rücklagen.
Man senkte die Verkaufspreise und brachte 1932 die neue Serviceform „HAЁL-Norma“ auf den Markt. Im Vergleich zu manchen vorher von Grete Heymann entworfenen Design-Objekten wirkt dieses wieder recht bieder, im Gebrauch jedoch war es sicher funktionaler.

Einen weiteren Schicksalsschlag musste Grete Heymann im März 1933 hinnehmen. In der Zeit, als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen und begannen, ihr Unwesen weiter auszubauen, kam der 5-jährige Sohn Stephan beim Spielen im Wohnhaus der Familie in Berlin-Tempelhof zu Tode. Es ist übermittelt, dass zu allem Übel dann auch noch das Kindermädchen Frau Heymann-Loebenstein wegen Verletzung der Aufsichtspflicht angezeigt haben soll.

Als selbstbewusste und wache Frau – ihr war mit Sicherheit nicht verborgen geblieben, was um sie herum geschah, entließ sie sie im Juli 1933 ihre Mitarbeiter, schloss die Haël-Werkstätten und flüchtete mit ihrem Sohn vor einer drohenden Inhaftierung auf die Insel Bornholm. Zwei ehemalige Mitarbeiter von Grete Heymann-Loebenstein wurden dann auch noch angestiftet, sie zu denunzieren und ihr vorzuwerfen, die hätte sich kritisch dem neuen Regime gegenüber – also staatsfeindlich – geäußert.

Nach kurzer Zeit kommt jedoch Grete Heymann wieder nach Berlin zurück und betraut den Wirtschaftsberater Max Silberberg nun mit dem Verkauf ihres Betriebes, sicher eine schmerzliche, wenn auch kluge Entscheidung,
Nach monatelangen Verhandlungen stimmte Grete Heymann unter dem Druck der Geschehnisse und wohl auch auf Grund der Erkenntnis, dass sie für sich als Jüdin im Deutschen Reich keine Zukunft mehr sah, schließlich dem Verkauf Ihrer Werkstätten für 45.000 RM anstelle der ursprünglich geforderten 60.000 RM an den Handwerkspolitiker Dr. Heinrich Schild zu. Dieser war seit 1932 NSDAP-Mitglied und bis Herbst 1934 Generalsekretär des Reichsstandes des Deutschen Handwerks. Er war ein Freund der Familie Bollhagen und hatte den Betrieb erworben, um gemeinsam mit Hedwig Bollhagen – sie für den künstlerischen, er für den geschäftlichen Bereich – die neu zu gründenden HB-Werkstätten für Keramik zu leiten.

Die genauen Umstände, die zum Besitzerwechsel geführt haben, sind in den vergangenen fünf Jahren hitzig diskutiert worden und Arisierungsvorwürfe stehen nach wie vor im Raum. Die Rolle, die Hedwig Bollhagen persönlich darin gespielt hat, wurde versucht in einer Studie, dem Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam in Auftrag gegeben, zu erhellen. Das daraus resultierende 99seitige Gutachten, wie auch andere Publikationen zum Thema, sind im Shop des Keramik-Museums einzusehen. (Haël-Entwürfe wurden zunächst von den HB-Werkstätten weiter produziert und bereits 1934 beginnend, sukzessive durch neue Bollhagen-Entwürfe ersetzt.) In einem antisemitischen, diffamierenden Hetzartikel, im Mai 1935 in Göbbels Gauzeitung der Berliner NSDAP
„Der Angriff“ veröffentlicht, werden Haël-Produkte unter anderem als entartete Formempfindungen bezeichnet und mit HB-Keramik verglichen.

Im Dezember 1936 schließlich kehrt Grete Heymann-Loebenstein Deutschland den Rücken und emigriert nach Großbritannien. Dort kann sie durch Kontakte, die sie vorher schon aufgebaut hatte, Entwürfe für verschiedene Betriebe in Großbritannien liefern und an der Burslem School of Art in Stoke-on-Trent unterrichten.
1938 heiratet sie ihren zweiten Mann Harold Marks und gründet eine kleine Töpferwerkstatt, die Greta Pottery in Stoke-on-Trent, die sie jedoch bald nach Kriegsausbruch wieder schließen muss.

Nach 1945 beginnt Margarete Heymann-Marks – nun in London – wieder mit der Keramik-Produktion (Studio-Pottery) im eigenen Atelier und leitet eine Malklasse an der Camberwell School of Arts & Crafts. Mehr und mehr wendet sie sich jedoch in den Folgejahren der Malerei zu.

1961 wird Grete Heymann von der Bundesrepublik Deutschland als „Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ anerkannt. 1990 stirbt sie 91jährig in London.

Die Steingut- und Fayence-Objekte aus den Haël-Werkstätten zählen heute zu den begehrtesten kunsthandwerklichen Gegenständen der Zwanzigerjahre in Deutschland und befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen. Durch vielfältige Schenkungen und einigen Ankäufen hat auch das Keramik-Museum Berlin eine schöne Anzahl aus der nur 10 Jahre währenden Produktion zusammentragen können. Ergänzt durch Leihgaben von Mitgliedern des Fördervereins KMB freuen wir uns, vier Monate lang Einblick in die wundervoll fröhlich-bunte und einzigartige Welt der Haël-Werkstätten gewähren zu können.

Heinz-J. Theis
Ehrenamtlicher Leiter des Keramik-Museums Berlin

Keramik-Museum Berlin, Schustehrusstr. 13, 10585 Berlin-Charlottenburg.
Ausstellungsdauer 15.6. – 22.10.2012 Fr – Mo 13 bis 17 Uhr

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Keramik von Ettore Sottsass

Ettore Sottsass gehört zu den bedeutendsten italienischen Designern des 20. Jahrhunderts. Wahrgenommen wurde er von der Öffentlichkeit vor allem als wichtiger Vertreter der Postmoderne und Mitglied der Künstlergruppen Memphis und Alchimia. Doch betrachtet man sein Gesamtwerk, so lässt sich dieses keineswegs auf die postmoderne Formensprache der 1980er-Jahre reduzieren. Im Gegenteil: Ettore Sottsass war ein erstaunlich kreativer Künstler, der sich intensiv mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzte, die Entwicklungen seiner Zeit verfolgte, verschiedene Materialien verarbeitete und damit nach immer neuen Ausdrucksformen suchte. Auch in der Keramik! Das Düsseldorfer Hetjens-Museum widmet dieser künstlerischen Seite eine große Ausstellung, die nun bis zum 22. April 2012 verlängert wurde.

1917 in Innsbruck geboren, trat Ettore Sottsass zunächst in die Spuren seines Vaters und absolvierte wie dieser ein Architekturstudium. 1946 verlegte er seinen Wohnsitz in das prosperierende Mailand und entwarf Messestände, Möbelstücke, Bühnenbilder, Stoffe, Teppiche und Vasen. Zudem beteiligte er sich an Architekturwettbewerben, malte und fertigte Skulpturen. Bereits in diesen Jahren begann er auch, Beiträge für die renommierte Kunstzeitschrift DOMUS zu verfassen.

Eine Reise 1956 in die USA hinterließ nachhaltige Eindrücke. Er wurde mit einer sich rasant entwickelnden Konsumgesellschaft und einer Vielzahl technischer Neuerungen konfrontiert. Er erkannte, dass man sich als Entwerfer mit den industriellen Produktionsmethoden auseinandersetzen muss. In künstlerischer Hinsicht faszinierte ihn die Malerei der Pop-Art. Von ihr ließ er sich zu phantasievoll-farbkräftigen Ausdrucksformen anregen. Damit fand die Pop-Art Einzug in das Design.

Vier Jahre später reiste Sottsass in die entgegengesetzte Richtung, nach Indien. Auch dieses Land hinterließ bleibende Eindrücke, von denen er Zeit seines Lebens zehrte. Er studierte Menschen, Landschaft und Architektur und setzte sich mit der hinduistischen Religion auseinander. Dabei fiel ihm das magisch-religiöse Verhältnis der Menschen zu Alltagsdingen auf. Sottsass schrieb: „Die Orientalen wurden nie müde, auf Porzellan und Keramik sakrale Symbole zu übertragen.“ In Abkehr vom Rationalismus und einer betont sachlichen Formensprache, wie sie das Bauhaus vertrat, versuchte er fortan, seinen Entwürfen eine größtmögliche Ausdruckskraft zu verleihen. Sie sollten den Nutzern helfen, sich bewusster mit dem Menschsein, den eigenen Emotionen und auch gesellschaftlichen Phänomenen auseinanderzusetzen. Er sah sich als Designer in der Pflicht, den Menschen Objekte in die Hand zu geben, die sie individuell nutzen können – weitgehend frei von Wertvorstellungen und tradierten Verhaltensmustern.

Zur Keramik kam Sottsass eher zufällig 1956 durch einen Auftrag des Amerikaners Irving Richards, der ihn mit der italienischen Keramikfirma Bitossi in Montelupo bekannt machte. Dort bekam Sottsass die Möglichkeit, mit dem Material Ton zu experimentieren und nutzte dies intensiv bis in die 1960er-Jahre. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Unikate, aber auch erste Serien – vornehmlich von Vasen und Tellern. In der Folgezeit entwarf Sottsass auch für andere Firmen und Galerien und wagte sich an große Formate mit einer Höhe von bis zu zwei Metern.

Bis ins hohe Alter war Ettore Sottsass tätig; 2007 starb er 90-jährig in Mailand. Die Ausstellung im Hetjens-Museum ist die erste umfassende Präsentation seines keramischen Werkes. Es spiegelt die wichtigen Lebensstationen des Künstlers und seine vielfältigen Inspirationsquellen wider. Die Leihgaben stammen aus Italien, den Niederlanden sowie der Schweiz und schließen auch Beispiele seines zeichnerischen und fotografischen Werkes ein.

Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet (mittwochs bis 21 Uhr).