Vase, Schale, Glasfachschule Steinschönau, um 1915

Runde geschliffene Schale, farbloses Glas, nahezu zylindrische Wandung, leicht geschweift, im Standbereich dreifach gewulstet und gekehlt, umlaufend Schwarzlotmalerei auf Goldfolie, gemalter Dekor in Art eines Schattenrisses, breiter Fries mit einem Zug ausgelassen tanzender, junger Frauen, darunter Streifenbordüren mit weißem Email,  an der Mündung verziert mit schmalem Goldrand.

Entwurf: Glasfachschule Steinschönau, Steinschönau (Böhmen), zugeschrieben Adolf Beckert, um 1915.
Ausführung: Dekor und Vertrieb zugeschrieben Friedrich Pietsch, Steinschönau.
Maße: Durchmesser am Boden: 13,5cm; an der Mündung: 15,5 cm.

Zustand: sehr gut, minimale Kratzer, vereinzelt kleine Lufteinschlüsse.

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Beschreibung

Die Gründungsgeschichte der bedeutenden Glasfachschulen in Steinschönau (Kamenický Šenov) und Haida (Nový Bor) geht weit in das 19. Jahrhundert zurück. Große Glasraffinerien wie die hier genannte von Friedrich Pietsch in Steinschönau bezogen ihre Entwürfe für anspruchsvolle Kunstgläser von dort. Technisch-gestalterisches Merkmal der in der Region Haida-Steinschönau entstandenen Gläser ist die Veredelung in kaltem Zustand, das heißt die am Rohglas vorgenommenen Dekorarten wie Email- und Schwarzlotbemalung, Rot- und Gelbbeize, Schliff und Schnitt. Um 1900 liegt hierin der Hauptunterschied zu den hüttengeformten und -dekorierten Gläsern aus Südböhmen. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gelang es den Glasgestaltern aus Nordböhmen einen Glasstil zu entwickeln, der mit seinen stilisierten Blütendekoren und geometrischen Ornamenten auf transparentem Glas Elemente der Wiener Moderne mit neobiedermeierlichen Tendenzen und moderner Linienführung verband. In Steinschönau setzte die Übernahme von Elementen des Art Déco-Stils bereits ab 1915 ein –  wie dieses Stück deutlich zu machen vermag. Mit dem entscheidenden Impuls in Richtung Moderne gelang es den Fachschulen, den Anschluss an die internationale Glasentwicklung zu halten.

Die schwarze Glasmalfarbe „Schwarzlot“ besteht aus fein pulverisiertem Eisenhammerschlag (Splitter oder Schuppen, die beim Schneiden von glühendem Eisen abspringen). Das Pulver wird mit einer Flüssigkeit malfähig gemacht und nach dem Aufbringen auf die Glasoberfläche eingebrannt.

Vergleichsobjekte in:  Glaskunst 1889-1939, Bestandskatalog des Bröhan-Museums Bd. VII, Berlin 2010, Kat.Nr. 68,69.

Zusätzliche Information

Gewicht 2 kg

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