Veröffentlicht am

Bauhaus Re-Design

Die allgemein verbreitete Vorstellung vom „Bauhausstil“ speist sich heute vor allem aus den vielfach vermarkteten Freischwingern und der so genannten Bauhausleuchte. Als „Bauhausklassiker“ haben sie das Geschichtsbild gleichzeitig verzerrt, wie vereinfacht – durch ihre Auswahl wie durch ihre Ausstattung. Sie werden mit und ohne Lizenz vertrieben – unter der Bezeichnung Replik oder Kopie, obwohl hier „Neuproduktion“ zutreffender wäre.

Die Freischwinger mit denen das Bauhaus meist identifiziert wird, entwarf Marcel Breuer erst, nachdem er die Schule verlassen hatte. In der Regel wurden sie mit unterschiedlichen Textilbespannungen ausgestattet, der stark farbig sein konnte. Ihre Bespannungen mit Leder war eine reine Erfindung der Nachkriegszeit. Ab 1927 wurde das am Bauhaus entwickelte Eisengarn, aus fest verzwirntem, paraffiniertem Baumwollgarn verwendet.

In den ersten Jahren war das Gestell vernickelt. Eine Verchromung wurde erst ab 1928 möglich, war aber kostspielig, so dass man erst allmählich dazu überging, die Grundmetalle wie Messing oder Tombak nicht mehr nur zu vernickeln. Man sah Vor- und Nachteile: die Vernickelung wurde mit der Zeit matt, wies aber gegenüber dem weiß-bläulich schimmernden, harten Glanz des Chroms einen leicht gelblichen Farbton auf und dieser wirkte wärmer und deshalb vorerst angenehmer.
Durchaus beliebt war auch eine farbige Lackierung der Rohre. In einem Katalog von 1930 wurden 14 Farbtöne angeboten, darunter Zitronengelb, Erbsengrün und Violett.

Erst nach 1945 avancierte das Re-Design in Chrom und Lederbespannung, vor allem in schwarz oder weiß zum Klassiker. Nur so erschienen die Stühle und Sessel in den Banken, Praxen vereinzelt auch in den Wohnungen weniger anspruchslos und lebendig, optisch schwerer und zusätzlich künstlich veredelt.

Die Bauhausleuchte, wie sie heute angeboten wird und nachdem sie 1980 überarbeitet wurde, entspricht in vielen Details und in den Proportionen aller Teile nicht mehr dem „Original“ von Wilhelm Wagenfeld aus den Jahren 1923/4. Das sichtbare Gewinde rutschte nach oben, die Glühbirne sitzt heute höher, der Metallzylinder im Glasschaft zeigt einen zusätzlichen Absatz.
Und nachdem Walter Gropius und sein Mitarbeiter Adolf Meyer in Weimar 1922 ihrem Türdrücker entwarfen – gleichsam einer Skulptur aus Zylinder und Vierkantstab, einer quadratischen Rosette mit Schrauben in ihren vier Ecken befestigt – gab es in Folge für unzählige Ästhesierungen keinen Halt mehr.

Im Überfluss ist der Gebrauch immer weniger ein Argument. Der Wert der Dinge muss an ihnen selbst zu Ausdruck kommen. Bereits früher war die Anspruchslosigkeit vieler Objekte, dünnes Metall oder technisches Material problematisch, wie Marianne Brandt berichtete: „Den Leuten war Aluminium etwas Fatales, wir haben die Schirme der Leuchten deshalb manchmal auch farbgespritzt.“ Mittlerweile sind ähnliche Aluminiumleuchten in vielen Möbelhäusern erhältlich und das Bauhausprodukt würde sich für ein ungeschultes Auge wenig von ihnen unterscheiden.

Die Neuproduktionen betonen nun die Eleganz und den Wert des vom Künstler entworfenen Produktes. Die Fruchtschale von Josef Albers, im Original vernicket oder verchromt, wird nun versilbert, es gab auch schon den versilberten Weißenhof- Stuhl.

Wie hätte Gropius darüber geurteilt? Vermutlich von der Anwendung her zugestimmt, aus demokratischer Sicht sicher abgelehnt!

Veröffentlicht am

Das Bauhaus weltweit

Nicht nur, dass das Bauhaus in diesem Jahren auf 90 Jahre seines Bestehen zurückblicken kann und deshalb drei renommierte Designinstitute eine gemeinsame große Ausstellung, auf den Weg bringen, weit beeindruckender in die Tatsache, dass weltweit das Modell Bauhaus, seine umfassende Bedeutung für die Entwicklung und Internationalisierung der Moderne anerkannt wird und entsprechend rund um den Erdball Designmuseen dem „Old“ Bauhaus einen bedeutenden Platz einräumen.
Seine weltumspannende Ausstrahlung und Vorbildfunktion liegt vor allem in der Tatsache begründet, dass in Weimar und Dessau die besten Kräfte aus fast ganz Europa an einen Platz zusammenziehen konnten und das sowohl auf der Seite der Lehrer, wie der Studenten. Lehrer wie Walter Gropius, Johannes Itten, László Moholy-Nagy, Marcel Breuer, Christian Dell, Gerhard Marcks, Georg Muche, Mies van der Rohe und ihre begabten Studenten wie Marianne Brandt, Herbert Bayer, Otto Lindig und Wilhelm Wagenfeld zählen zu den Legenden der angewandten Künste weltweit. Das Bauhaus, seine Ideologie ist längst kollektives Erbe.

Dass am Bauhaus so Herausragendes geleistet wurde, war nicht einfach nur Glück oder Zufall, sondern es war das Ergebnis der harten Arbeit der besten, die sich in euphorischen Zeiten in gegenseitiger Konkurrenz das Äußerste abverlangten. Mittelmaß war tabu. Es ging immer um kategorische Lösungen, alles auf einen Punkt bringende Ideen, um die alle Gegensätze in einem Formkonzept vereinigende Synthese. An der Lösung des Freischwingers hatten mit Mart Stam, Marcel Breuer und Mies van de Rohe bereits die Allerbesten gearbeitet und als die Lösung gefunden war, gab es nicht zu verbessern.
Viele der im Bauhaus entwickelten Produkte, im Besonderen die Stahlrohr-Stuhle und Sessel (metal tubular chairs) sind wahre Klassiker geworden. Sie überdauern inzwischen einen Zeitraum von über 50 Jahren und das ist so etwas wie ein kleines Weltwunder, denn in unseren schnelllebigen Zeiten kann ein Objekt bereits dann als Klassiker gelten, wenn er es schafft noch nach zehn Jahren lieferbar zu sein. In den 70er und 80er Jahren hatte sich die Moderne endgültig durchgesetzt und wurde sogar populär. Damit begann ein kommerzieller Ausverkauf von zum Teil autorisierten Nachbauten, aber überwiegend angeregt durch unautorisierte Imitationen bzw. leicht veränderte Stilimitate bzw. Persiflagen.

Vom 22. Juli bis 4. Oktober werden im Martin-Gropius-Bau in Berlin wieder Originale zu sehen sein. Veranstalter der „Modell-Bauhaus“ Ausstellung sind die drei deutschen Bauhaus-Institutionen: das Bauhaus-Archiv in Berlin, die Stiftung Bauhaus in Dessau und die Klassik Stiftung Weimar in Kooperation mit dem Museum of Modern Art in New York.

Die weltweit umfangreichste Sammlung an Artefakten und Dokumenten zum Bauhaus, wozu eine einzigartiges Dokumentar – und Kunstfoto-Archiv mit insgesamt etwa 50.000 Motiven zählt, besitzt das Bauhaus-Archiv. Dagegen ist die Stiftung Bauhaus Dessau vor allem ein Ort der Forschung, Lehre und experimentellen Gestaltung. Neben der Pflege, Erforschung und Vermittlung des Bauhauserbes beschäftigt sich die Stiftung mit den urbanen Herausforderungen der Zeit, lotet Optionen für die Zukunft aus und entwickelt Entwürfe in Architektur, Design und darstellender Kunst. Das in Weimar ansässige Bauhaus-Museum ist Teil der Stiftung Klassik. Die historische Sammlung geht direkt auf die Zeit des Staatlichen Bauhauses Weimar 1919-25 zurück. Nach der Übernahme des Bauhauses durch die Stadt Dessau im April 1925 wurden durch Walter Gropius zusammen mit dem damaligen Museumsdirektor rund 150 Arbeiten aus den Weimarer Bauhaus-Werkstätten ausgesucht, die in dort verblieben. Diese bildeten die Basis für das 1995 gegründete Bauhaus-Museum, dessen Sammlung heute ca. 10.000 Exponate aufweist.

Im Anschluss an die Berliner Präsentation wird das Museum of Modern Art in New York seinen 80. Geburtstag mit der Ausstellung „Bauhaus 1919 – 1933: Workshops for Modernity“ begehen. Den internationalen Auftakt, bildete bereits die im März beendete Ausstellung „bauhaus experience, dessau“ in Kooperation mit der Tokyo University of Fine Arts and Music (Gedai University). Über 300 Exponate der Stiftung Bauhaus Dessau wurden mit der bedeutenden Bauhaus-Sammlung des Utsonomya Museum of Art, zusammengeführt. Einhundert Kilometer nördlich von Tokyo gelegen, zählt dieses moderne Kunstmuseum zu jenen Institutionen in Japan, die sich insbesondere der klassischen Avantgarde und Strömungen der Gegenwartskunst widmen.
Neben diesen drei großen Veranstaltungen wird weltweit, allein deutschlandweit in über 50 designrelevanten Museen eine Fülle von Begleitveranstaltungen und Ausstellungen geboten, die zwangsläufig aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Einen eigenen umfassenden Kalender kann es kaum geben. Design20.eu wird deshalb in einer Folge auf Sehenswertes hinweisen und punktuell Sammlungen vorstellen. Hinweise und Anregungen sind hier willkommen.

Dr. Heide Rezepa-Zabel

Veröffentlicht am

Original oder Fälschung am Beispiel der Aluminium Group

Die Preise für die „Alu Chairs“ der amerikanischen Designer Charles und Ray Eames erreichen inzwischen vierstellige Summen für Originalanfertigungen aus den fünfziger und sechziger Jahren und ausgewiesene Folgeeditionen. Weil diese Möbel, die im Prinzip zur industriellen Serienproduktion bestimmt waren, seit über 5O Jahren für den Wohn- und Arbeitsbereich nachgefragt werden und zu den bedeutendsten Möbelentwürfen des letzten Jahrhunderts zählen, haben sie nicht zuletzt deshalb viele Plagiatoren mobilisiert.

Die EA 107/8 und EA 117 gehören zur 1958 entworfenen Aluminium Group. Sie alle basieren auf demselben Prinzip: der Bezug wird mit seitlichen Aluminiumprofilen befestigt. Er ist damit keine Hülle, sondern ein tragender Teil der Struktur. Die Aluminiumkonstruktion bleibt deutlich sichtbar und verleiht dem Stuhl sein charakteristisches Aussehen.
Technisch wie formal waren diese Stühle der Ausgangspunkt für viele weitere Experimente und Entwürfe der Eames.
Ursprünglich für Außenräume entwickelt, ist die gesamte Kollektion mit ihren Bezügen aus Leder, Netzgewebe oder Hopsak besonders langlebig. Dafür garantiert der Hersteller Vitra, einziger lizenzierter Produzent der Eames-Möbel in Europa.

Dementsprechend sind alle Originale an der Unterseite des Gestells bzw. der Schale mit dem Produktlabel „Design by Ray & Charles Eames“ versehen. Ihre Originalität erschließt sich letztlich aber nur an der hochwertigen Ausführung.
Die meisten Fälscher führen den Käufer bewusst in die Irre, indem sie die einzelnen Designmerkmale dem Vorbild getreu nachahmen. Beispielsweise bleiben die Bezugschrauben an der Rückenlehne ohne Funktion, und die gegenüber dem Original verschweißten Nähte sind verklebt. Solche Unterschiede offenbaren sich erst nach geraumer Zeit. Demgegenüber leichter lässt sich die Qualität der Verchromung überprüfen und eindeutig zeigt sie sich am Sitzkomfort und an der Konstruktion. Bei der Polsterung hilft ohne den Vorsprung der Erfahrung ein Blick in das Innenleben, und im Fall der Konstruktion überzeugt die Tatsache, dass die Schale im Design von Ray & Charles Eames aus nur einem Teil besteht. Nachahmer produzieren Sitz und Rückenlehne eher getrennt.

So wie kein Entwerfer dem Designerpaar ebenbürtig war, ist natürlich auch keine Kopie dem Original mehr als äußerlich ähnlich.

Dr. Heide Rezepa-Zabel