Zinnservice, Richard Riemerschmid für Deutschen Werkstätten, 1912

Künstler: Richard Riemerschmid, 1912.
Ausführung: Deutsche Werkstätten, Dresden-Hellerau.
Material: Zinn, Bast.
Maße der vier Teile: H. 11,8 cm (Kanne); H. 5,9 cm (Sahnekännchen); H. 5,8 cm (Zuckerdose); Dm. 21,5 cm (Tablett).

Zustand: Vereinzelt leicht eingedellt. Deckel beim Zuckergefäß fehlt.

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Beschreibung

Seit 1900 zählte der Münchner Jugendstilkünstler Richard Riemerschmid (1868-1957),  zu den gefragtesten Entwerfern für Möbelkunst und Gebrauchsgerät. Er war ein Mitbegründer der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk (1897), entscheidende Antriebskraft der Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau, Mitbegründer und Vorsitzender des Deutschen Werkbundes (1921-1926), Leiter der Kunstgewerbeschule in München (1912–1924) und schließlich Professor und Direktor der Kölner Werkschulen (1926 bis 1931).

Für die Deutschen Werkstätten entwarf er eine kleine Auswahl an Zinnobjekten, die während der „Bayerischen Gewerbeschau“ von 1912 ihrer „strengen Schönheit“ wegen in der Fachpresse großen Anklang fanden. Verglichen mit den sonst protzenhaften Gestaltungen im altdeutschen Stil und auch zu dem seinerzeit sehr beliebtem, auf Silberwirkung abzielendem Kayserzinn, wirkte dieses vierteilige Service auf breite Konsumentenschichten höchst modern.

Im Sinne des Deutschen Werkbundes zielte Riemerschmids Teeservice, mit seinen kugel- bzw. kreisförmigen Rundungen, und in seiner geschmeidigen Wirkung ganz auf den materiellen Eigenwert von Zinn, dessen Weichheit und leicht stumpfer, warmer Glanz gut zum Ausdruck kamen.

Im Rückblick kann dieses Service in seiner Formgebung als das modernste seiner Zeit gelten. Im Vergleich erscheinen Peter Behrens Teekessel für die AEG geradezu behäbig. Lediglich der Brite Christopher Dresser brachte den Mut für vergleichbar puristische Formen auf.

Die Zinnwerkstatt bestand nur bis 1914. Aus diesem Grund ist das Service heute extrem selten. 1915 wurde es als „vorbildlich“ im Deutschen Warenbuch ausgewählt. Und noch auf der ersten Nachkriegsausstellung des Deutschen Werkbundes im Jahre 1924 konnte kein zweites, aus Metall gearbeitetes Service, zur Schau werden, das der im Werkbund geforderten „Form ohne Ornament“ ein Beispiel bot.

Die „reinen“ und unverzierten, quasi archetypisch ausgereiften Formen, können als ein Vorgriff auf die sich entwickelnde elementar-additive Formensprache des Bauhauses gelten.

Lit. Deutsche Kunst und Dekoration XXXIV (1913), S.152; Jahrbuch des Deutschen Werkbundes 1914, S.105; Deutsches Warenbuch, hrsgeg. von der Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft 1915, S.131, M145-M148 ; Die Form ohne Ornament 1924, S.55.

Weiterführend: Ausst.-Kat. Richard Riemerschmid, Münchner Stadtmuseum, München 1982, S.300, Nr.347; Vom Sofakissen bis zu Städtebau 1993, S.289.
Ausgestellt in: Die Neue Sammlung München.

Zusätzliche Information

Gewicht 2 kg

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