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Artikel-Schlagworte: „Richard Riemerschmid“

Neu: im Sammler Journal, Oktober 2013: Richard Riemerschmid

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Richard Riemerschmid Design
„Wir fingen einfach an“. So beschreibt Richard Riemerschmid (1868-1957) im hohen Alter den Beginn seiner Generation, die nichts Geringes im Sinn hatte, als das Kunstgewerbe vollkommen zu reformieren und die Moderne auf den Weg zu bringen.

Deutsche Produkte hatten mit ihren Stiladaptionen und überzüchteten Ornamenten auf internationalen Ausstellungen einen dramatischen Ansehensverlust erlitten. England brandmarkte deutsche Importe mit „Made in Germany“ als „cheap and bad“ und auf dem Kontinent waren zu allem Überfluss englisches, französisches, belgisches oder japanisches Kunsthandwerk mehr denn je gefragt.

Der Umbruch wurde von verschiedenen Seiten herbeigesehnt und greifbar als zum Ende des Jahrhunderts eine Reihe hervorragender, progressiver Talente den Neuanfang im Kunsthandwerk und in der Kunstindustrie wagten. Sie kamen wie Richard Riemerschmid und Peter Behrens, Henry van de Velde, Adelbert Niemeyer, Bernhard Pankok und Bruno Paul von der bildenden Kunst und wechselten als Autodidakten in diesen Bereich. Auf der Suche nach Ausdrucksformen, die dem Charakter, den Idealen und Bedürfnissen ihrer Zeit entsprachen, beeindruckten sie ihr Publikum mit bestechenden Lösungen, die die konservativen Kräfte letztlich zum Umdenken zwangen.

Lesen Sie jetzt in der Aktuellen Ausgabe des Sammler Journals den Beitrag zu Richard Riemerschmid und seinem Oeuvre.

Vom Kunsthandwerk zum Industrieerzeugnis am Bsp der Besteckmuster von Richard Riemerschmid

Mittwoch, 18. April 2012

 

 

 

 

 

 

In Deutschland beginnt der lange Weg vom Kunsthandwerk zum Industrieerzeugnis im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Lebensreformbewegung fand Argumente dafür, die Kunstgewerbereformbewegung zieht ihre Protagonisten in eigener Sache an. Der Deutsche Werkbund erhebt ab 1907 die Reform zur Sache der Nation und das Deutsche Warenbuch veranschaulicht 1915, was als vorbildlich – als  höchste Qualität „Made in Germany“ – erachtet werden soll.
Die 10 Gebote für das deutsche Heim: „1. Richte Dich zweckmäßig ein! 2. Zeige Dich in Deiner Wohnung wie Du bist! 3. Richte Dich getrost nach Deinen Geldmitteln ein! 4. Vermeide alle Imitationen! 5. Gib Deiner Wohnung Leben! 6. Du sollst nicht pimpeln! 7. Fürchte Dich nicht vor der Form! 8. Fürchte Dich nicht vor der Farbe! 9. Strebe nach Ruhe! 10. Führe auch freie Kunst in Dein Heim !“
.. verdichtete der Deutsche Werkbund dann zu „Funktionalität, Material- und Werkgerechtigkeit“.
Bisher war das aufwendig hergestellte Handwerkserzeugnis weder „sozial“ noch „demokratisch“. Es sollte nicht mehr nur einer finanzkräftigen, bürgerlichen Elite vorbehalten sein, sondern für „jedes Dienstmädchen“ erschwinglich sein, wie Peter Bruckmann sich ausdrückte und wie Richard Riemerschmid konkretisierte mindestens 200 Jahre Gültigkeit besitzen. Während sich bei manchen Handwerkern, Kaufleuten, Technikern und Künstlern schon nach 1900 die Überzeugung breit machte, das Produkt durch gemeinsame Arbeit zu „befreien“, gelang die Umsetzung der Gestaltungsmaximen, die der Deutsche Werkbund verbreitete, bevor sie sich Anfang der dreißiger Jahre in den größten deutschen Industrieunternehmen der Porzellan- und Glasproduktion durchsetzten, tatsächlich nur Wenigen. Dazu zählten der Silberwarenfabrikant Peter Bruckmann und Richard Riemerschmid, Architekt und Entwerfer für Kunstgewerbe. Ihre gemeinsam produzierten Besteckmuster dokumentieren moderne Designgeschichte „par excellence“. Die Reihe beginnt beim „Secessionsbesteck“ aus dem Jahr 1898. Dem folgt 1911/12 das so genannte „Juwelierbesteck“ und schließlich 1914/15 das ultimative Spatenbesteck Nr. 5351.

Weiterführend: H. Rezepa-Zabel: Richard Riemerschmid, in: Sammler Journal, Oktober 2013, S.26-34.

Siehe auch:
Menübesteck, Richard Riemerschmid 1914/15 für P. Bruckmann, Heilbronn.
„Deutsches Warenbuch“, 1915, Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft, Dresden-Hellerau.

Senftopf, Steinzeug, R. Riemerschmid, 1902 für R.Merkelbach, Westerwald.
Eierbecher, Steinzeug, R. Riemerschmid 1904/5 für R.Merkelbach, Grenzhausen.
Milchschale, Richard Riemerschmid, Merkelbach Grenzhausen, 1904.
Salznapf, Richard Riemerschmid für R. Merkelbach, Westerwald, 1904/05.
Butterdose, Richard Riemerschmid, 1904/05 für R. Merkelbach, Deutschland.
Krug, Steinzeug, Carl Mehlem für R. Merkelbach, Grenzhausen, 1913.