Dr. Heide Rezepa-Zabel | Expertisen, Kurzgutachten, Beratung bei Ankauf und Verkauf

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Königliche Eleganz, preußische Pracht – 250 Jahre Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM)

6. März 2013


 

Die Figuren Braut und Bräutigam als Teile eines „Hochzeitszuges“ als Tafelaufsatz, entworfen von Adolph Amberg, Entwurf um 1904/05.

Das Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum in Düsseldorf nimmt den 250. Geburtstag der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin zum Anlass, ihre bedeutenden Werke und herausragenden technischen Leistungen in einer Sonderausstellung zu präsentieren.

Die Düsseldorfer Ausstellung zeigt Service, Vasen, Aufsätze und Figuren aus der Zeit des Rokoko, des Klassizismus und der Jugendstilzeit.

Das Hetjens-Museum besitzt heute die weltgrößte Sammlung an Stücken aus den ersten Gründungsjahren der Manufaktur unter dem Kaufmann Wilhelm Caspar Wegely.

Leihgaben aus der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, dem Berliner Kunstgewerbemuseum, dem Museum für Angewandte Kunst in Köln, der Galerie Neuse in Bremen sowie aus Privatbesitz führen die Geschichte der KPM im Hetjens-Museum glanzvoll vor Augen führen.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen die schreitenden Figuren für den „Hochzeitszug“ des Kronprinzen Wilhelm anlässlich seiner Vermählung mit Herzogin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin im Jahr 1904. Die Entwürfe stammen aus der Feder des Bildhauers und Goldschmieds Adolf Amberg.

Einen prägnanten Abschluss bilden die modernen Geschirre von Trude Petri, Marguerite Friedlaender und Siegmund Schütz aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung läuft vom 17. Februar bis 2. Juni. Das Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, ist dienstags sowie donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, mittwochs von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

Plaste von der Burg

28. Januar 2013

„Plaste von der Burg“ ist der Titel der laufenden Sonderausstellung im Industriesalon an der Reinbeckstraße. Dabei steht die „Burg“ für die Hochschule für industrielle Formgestaltung in Halle, Burg Giebichenstein. Zusammengetragen hat die Exponate der Berliner Architekt Richard Anger, Sammler des „DDR-Designdepots“.

Im Jahr 1958 hatte die staatliche Plankommission der DDR die Verdoppelung der Chemieproduktion beschlossen. Fortan war fast kein Lebensbereich mehr davon ausgenommen, in den Kunststoffartikel Einzug hielten. Aller Voruteile zum Trotz sind hier designgeschichtlich äußerst interessante Entwürfe entstanden, die es sich lohnt anzusehen.

„Plaste von der Burg“ Vernissage am 3. Februar 2013, um 11:00 Uhr ist bis Anfang März im Industriesalon, Reinbeckstraße 9, 12459 Berlin, zu sehen: Mittwoch 14 bis 18 Uhr, Freitag 14 bis 19 Uhr, ■ 53 00 70 42, Wissenswertes auch unter www.industriesalon.de

Vgl. dazu

Campingtassen, Meladur, Martin Kelm, 1959/60,

Campinggeschirr, Plaste, Hans Merz, 1957/58.

Bücher-Sonderverkauf der Staatlichen Museen zu Berlin

12. November 2012

Am Samstag 1. Dezember und Sonntag 2. Dezember 2012, von 10 bis 17 Uhr verkauft das Referat Publikationen und Merchandising der Staatlichen Museen zu Berlin wieder preisreduzierte Publikationen, Mängelexemplare
und weitere Artikel wie Postkarten, Plakate und Kunstnotizbücher. Ort: Kulturforum Potsdamer Platz, Eingang: Matthäikirchplatz, Zentrale Eingangshalle, 10785 Berlin-Tiergarten.
Bei den Büchern handelt es sich um Ausstellungskataloge sowie
Titel zu verschiedenen Sammlungsgebieten der Staatlichen Museen zu
Berlin. Plakate werden zum Teil gratis abgegeben. Die Preise für die Publikationen der Staatlichen Museen zu Berlin sind nur an diesen beiden Tagen einmalig stark reduziert. Eine Liste der preisreduzierten Artikel, in der ein großer Teil der preisgesenkten Ware verzeichnet ist, finden Sie im SMB Pressebereich www.smb.museum/pressemitteilungen.

Design20.eu

15. Berliner Benefiz Keramik-Basar

3. September 2012

Samstag 8. und Sonntag 9. September 10 – 17 Uhr, Kleine Orangerie / Schloss Charlottenburg, Eintritt 1,- Euro

Am kommenden Wochenende richtet der Förderverein KMB in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Charlottenburg-Wilmersdorf im 15. Jahr in Folge seinen Keramik-Basar aus.
Dieses Mal können Liebhaber von Keramik und Porzellan sogar an zwei Tagen in der Kleinen Orangerie nach Sammels- oder Gebrauchswertem aus vergangenen Zeiten stöbern und mit Gleichgesinnten fachsimpeln.

Kompetente Menschen aus dem Umkreis des Keramikmuseums stehen auch Rede und Antwort und helfen bei der Zuordnung von mitgebrachten „Schätzen“ der Besucher.

Unter anderem kommen Objekte zum Verkauf, die dem Förderverein des Keramikmuseums speziell für diesen Zweck gespendet wurden.
Auch der Eintrittspreis, den man sich sogar bei einem Kauf von über 10 Euro verrechnen lassen kann, kommt zu 100% dem Förderverein zu gute, der ohne öffentliche finanzielle Förderung das Museum mit sechs bis sieben Ausstellungen pro Jahr in ehrenamtlicher Arbeit betreibt.

Das Keramik-Museum Berlin, Schustehrusstraße 15, 10585 Berlin, ca. 10 Minuten Fußweg von der Kleinen Orangerie entfernt, hat Fr., Sa., So., und Mo. von 13 bis 17 Uhr geöffnet.
Aktuell werden dort drei Sonderausstellungen gezeigt:

Form – Funktion – Ideologie. Keramik in Deutschland 1933 bis 1945

Haël – Keramik 1923 – 1933. Margarete Heymann-Loebenstein und ihre Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz

Gertraud Möhwald und Umfeld der Burg Giebichenstein Halle.

Modelle des Amtes Schönheit der Arbeit I, II, III, IV

22. August 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das „Amt Schönheit der Arbeit“ war der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) angegliedert, die ab 1933 als Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber die freien Gewerkschaften ablöste und bald offiziell der NSDAP angeschlossen wurde. Seine Aufgabe war es „…dafür zu sorgen, dass die Stätten der Arbeit nicht nur sozialhygienisch einwandfrei sind, sondern auch ästhetisch pfleglich behandelt werden“ (lt. Brockhaus, 1935, Bd.25). Bestandteil der nationalsozialistischen Propaganda war die Schlichtheit der Gestaltungen. Die Machthaber strebten „ewige“, „überzeitliche“ Formen an, mit denen individuelle Strömungen dauerhaft verhindert werden sollten. Gleichzeitig bereitete eine „Elite“ von Juristen die Umwälzung des Urheberrechts vor. Rechtsanwälte und Richter wirkten in der Akademie für deutsches Recht daran mit, dass der Schutz eines Werkes allein von seinen ideologischen „Wirkungen“ auf die deutsche Volksgemeinschaft abhing.

1935 erhielt der in Gestaltungsfragen noch wenig erfahrene Heinrich Löffelhardt vom „Amt Schönheit der Arbeit“ den Auftrag ein Kantinengeschirr zu entwerfen. Die Porzellanfabrik Thomas hatte gerade sein robustes Speiseservice „Barb“ für den Siedlerhaushalt in den Handel gebracht und dieses qualifizierte ihn in den Augen der Verantwortlichen als Gestalter des ersten und 1939 auch noch des zweiten Modells von insgesamt vier „parteiamtlichen“ Kantinengeschirren, die allesamt in die „Deutsche Warenkunde“ aufgenommen wurden.
Die Zuständigkeit für die Umsetzung des Entwurfes lag bei Bauscher, denn Bauscher verfügte über die damals größten Erfahrungen im Bereich Hotelgeschirr und über wichtige Patente. Das Unternehmen fertigte die Mutter- und Arbeitsformen an und versandte Muster an von der DAF ausgesuchte Hersteller, die mit Argusaugen Produktion und Vertrieb überwachte. Die zugelassenen Betriebe wurden verpflichtet, die Geschirrteile mit zugunsten der Gebrüder Bauscher patentierten Deckelhaltern zu versehen. Zusätzlich dürfte man noch den Tropfenfänger anbringen. Eine Dekoration des Geschirrs war nicht gestattet. Lediglich ein in der Breite vorgeschriebener Randdekor und eine “einfarbige Vignette“ waren zugelassen Auf sämtlichen Geschirren musste unter der Fabrikmarke der Einheitsstempel „Modell des Amtes Schönheit der Arbeit“ angebracht werden und dieser bestand aus einem stilisierten Zahnrad mit Hakenkreuz in der Mitte.

Für das Modell I hatte die DAF unter Mitsprache der zuständigen DAF-Gaubetriebsgemeinschaften und der DAF-Reichsbetriebsgemeinschaft „Stein und Erde“ 1936 zunächst zehn Betriebe ausgesucht: Gebr. Bauscher, Weiden; Lorenz Hutschenreuther; Selb; C.M. Hutschenreuther, Hohenberg/Eger; PF C. Tielsch, Waldenburg-Altwasser, Schlesien; PF Stadtlengsfeld; PF Königszelt, Schlesien; PF Heinrich & Co., Selb; PF Krister, Waldenburg; Schlesien; Ph. Rosenthal & Co., Werk Kronach; PF Ilmenau Graf von Henneberg, Ilmenau.
In den 40er Jahren traten noch folgende Unternehmen hinzu: Rosenthal-Hauptwerk, Selb, PF Oskar Schaller, Windischechenbach; PF Waldershof.
Im Falle Rosenthal-Selb entstand die kuriose Situation, das der jüdische Name Rosenthal über dem Hakenkreuz zu stehen kam.
Die breite Nachfrage belebte sich erst im Verlaufe des Krieges, und zwar in einem Maße, dass in kurzer Zeit eine „Mangellage in der Versorgung des Marktes“ eintrat. Allein die Ilmenauer Fabrik, welche im Jahr 1938 an Kaffee-, Tee- und Milchkannen lediglich 120 Stück abzusetzen vermochte, brachte es 1941 auf die zehnfache Menge.

Um den Bedarf an feinerem Porzellan zu decken, beschloss die DAF zusätzlich die Entwicklung eines gehobenen Kantinengeschirrs „Modell Schönheit der Arbeit II“. Als Hersteller wurden nur fünf Betriebe zu gelassen. Die Verantwortung für die Edel-Variante wurde dem Rosenthal-Werk Selb übertragen, andere Hersteller waren die PF Marktredwitz Jaegger& Co., Marktredwitz/Ofr.; PF Schönwald/Ofr.; PF Tirschenreuth, Tirschenreuth/Ofr.; PF Kaestner, Oberhohndorf bei Zwickau. Heinrich Löffelhardt fungierte wieder als Entwerfer. Das Modell II war gegenüber seinem Vorläufer „leichter und zierlicher“, insbesondere wiesen die Flachteile keinen Wulst auf. Den lizenzierten Firmen wurde seitens des Amtes die Befugnis eingeräumt, das Geschirr Nr.II mit zwei eigenen Dekors zu versehen, die allerdings der Genehmigung durch die DAF bedurften.

Im Jahr 1939, kurz vor Kriegsausbruch, ordnete die DAF ein weiteres Geschirr „Modell Schönheit der Arbeit III“ an und beauftragte erneut Bauscher mit der Leitung und auch mit dem Entwurf, da sich Löffelhardt in der fraglichen Zeit im Wehrdienst befand. Das Modell III weist Ähnlichkeiten zu dem von Wolfgang von Wersin 1942 für Bauscher entwickelten Hotelgeschirr „Form Europa“ auf, mit Übernahmen von Formen des Modell I und des von Hermann Gretsch entwickelten Geschirrs „Reichsschulungsburgen“. Die „Dekorvorgabe lautete „einheitlich mit zwei roten Linien“. Zu den Herstellern gehörten: Gebr. Bauscher, Weiden; Gräfl. Thun’sche Porzellanfabrik, Klösterle/Eger; Keramische Werke Bohemia; PF Hass Czjzek, Schlaggenwald; PF Schlenwerth/Josef Pfeiffer; PF R. Kämpf, Grünlass bei Neusattl. Um zu verhindern, dass Firmen die Aufnahme der Produktion verweigerten, war eine Förderungsabgabe für Forschungszwecke in der keramischen Industrie verkleidete Konventionalstrafe von 200 bis 300 Mark vorgesehen. Erstmals sollte das Modell II 1942 auf der Leipziger Frühjahrsmesse im Rahmen der Vorbildschau „Formschönes Gebrauchsgut für den Export“ vorgestellt werden, aber der kriegsbedingte Ausfall der Messe brachte das Vorhaben zum Erliegen.

Im August 1941 legte die Porzellanfabirk Tichenreuth noch ein viertes Modell „Schönheit der Arbeit“ auf, firmenintern mit „Modell II neu“ bezeichnet. Es bestand aus nur 8 Teilen, welche allesamt Stücke von „Modell Schönheit der Arbeit II“ ersetzten.

Ihren größten Absatzmarkt fanden die von Löffelhardt entworfenen Kantinengeschirre bei der Wehrmacht und Waffen-SS. Produktion und Vertrieb von zigtausend Standard-Geschirrteilen unterlagen der Aufsicht und Steuerung von SS-Wirtschaftunternehmen, konkret der Porzellan- manufakturen Allach München GmbH und der Bohemia Keramische Werke AG. Bei der Herstellung in den SS-Unternehmen kamen seit 1942 regelmäßig Häftlinge und Zwangsarbeiter zum Einsatz, die Betriebsstätten waren Teile von Konzentrationslagern.

Vgl. hierzu weiterführend: Sabine Zentek: Designer im Dritten Reich, 2009, S.143ff. und S.165ff..

Im shop: Modell I Schönheit der Arbeit, Heinrich Löffelhardt, 1935/36.

Design Olympia ’72: Otl Aicher

20. August 2012

Otl Aicher (1922-1991) zählt zu den bedeutendsten Gestaltern des zwanzigsten Jahrhunderts und ist Gründer der international renommierten Hochschule für Gestaltung in Ulm. Mit dem von ihm geprägten Begriff der „visuellen Kommunikation”, deren Ziel die Lesbarkeit der Welt ist, entwickelte er u. a. das Corporate Design der Olympischen Spiele 1972 in München. Für die Optik der Spiele definierte Aicher stringente Gestaltungsrichtlinien, die vom städtischen Erscheinungsbild, Fahnen und Plakaten, über die offizielle MitarbeiterInnenbekleidung bis zu den Eintrittskarten reichten. Nach seiner Maxime Konzentration und Reduktion auf das Wesentliche entwarf er ein Orientierungssystem von Piktogrammen, das uns bis heute als Wegweiser von beispielsweise U-Bahn- und Notausgängen wie selbstverständlich im Alltag begleitet. Zum vierzigsten Jahrestag der Olympischen Spiele in München zeigt die Aspekte Galerie aus der Sammlung von Bernd Brand eine umfangreiche Ausstellung mit Plakaten, Drucksachen und Objekten, die Otl Aicher von 1967 bis 1972 mit seinem Team entwickelt hat. In ihrer innovativen Form und Farbigkeit sind die Exponate einzigartige Zeitdokumente.
Aspekte Galerie im Gasteig, Steinstr. 62, 81667 München, Fr, 20.7.2012 – So, 9.9.2012, täglich 10.00 bis 22.00 Uhr.

Vom Romantiker zum Revolutionär – auf den Spuren Heinrich Vogelers

16. August 2012

Tulpenstuhl - Entwurf Heinrich VogelerTulpenstuhl nach Entwurf von Heinrich Vogeler, Foto: Focke-Museum/Sigrid Sternebeck

Die erste gemeinsame Ausstellung der vier Worpsweder Museen widmet sich Heinrich Vogeler und zeigt ein facettenreiches Künstlerleben voller Widersprüche.
Er war zeitlebens ein Suchender: Heinrich Vogeler wandelte sich in seinem wechselhaften Leben vom romantischen Jugendstilmaler in Worpswede zum Sozialrevolutionär in Moskau. Künstlerisch erprobte er sich mit den unterschiedlichsten stilistischen Mitteln in den verschiedensten Genres: ob Malerei, Grafik, Design oder Architektur – Vogeler ließ nichts aus und war stets bestrebt, Kunst in alle Bereiche des Alltags zu integrieren. Dieser vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit widmen die vier Worpsweder Museen vom 26. Mai bis zum 30. September 2012 ihre
erste gemeinsame Sommerausstellung mit dem Titel »Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär«. Der Zeitpunkt ist dabei nicht zufällig gewählt, sondern gleich zweifach bedeutsam: 2012 jährt sich Vogelers Geburtstag zum 140. und sein Todestag zum 70. Mal. Ein guter Anlass, um den Mitbegründer der berühmten Worpsweder Künstlerkolonie im Haus im Schluh, im Barkenhoff, in der Großen Kunstschau Worpswede sowie in der Worpsweder Kunsthalle in den Fokus zu rücken.
Darüber hinaus zieht die Ausstellung aber noch weitere Kreise, denn auch in Bremen wird der vielseitige Künstler präsent sein. Das Bremer Focke-Museum zeigt in Kooperation mit den Worpsweder Museen in der Unteren Rathaushalle »Vogeler für alle«, eine Ausstellung von seriell gefertigten Möbeln des Künstlers aus der Worpsweder Werkstätte. Diese Ausstellung läuft vom 13. Juni bis zum 2. September. Ergänzendes Highlight: Die Urenkelinnen von Heinrich Vogeler stellen die Güldenkammer im Obergeschoss des Bremer Rathauses, die sonst nur zu offiziellen Anlässen für hochrangige Besucher geöffnet wird, im Rahmen von Sonderführungen vor. Vogelers Entwürfe zur Güldenkammer werden vom 17. Mai bis zum 30. September in der Kunsthalle Bremen gezeigt. Das Focke-Museum präsentiert in seiner Dauerausstellung im Haus Riensberg das preisgekrönte, 1906 von Vogeler entworfene »Zimmer einer jungen Frau« und das Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstraße zeigt vom 15. Juli bis zum 28. Oktober »Worpsweder Lichtbilder: die Künstlerkolonie in frühen Fotografien«. Diese Ausstellung vermittelt
eine Vorstellung des Worpsweder Lebens zur Zeit Vogelers.

Alle Ausstellungen auf einen Blick
»Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär«
Die große Sommerausstellung der Worpsweder Museen
26.5. – 30.9.2012
Märchen und Minne – Aufbruch als Künstler
Haus im Schluh
Im Schluh 35 – 37, 27726 Worpswede
T 04792.95 00 61
Gesamtkunstwerk Barkenhoff – Idylle und Wandel
Barkenhoff
Ostendorfer Straße 10, 27726 Worpswede
T 04792.39 68
Neue Wege – Vogeler in der Sowjetunion
Große Kunstschau Worpswede
Lindenallee 3, 27726 Worpswede
T 04792.13 02
Krieg und Revolution – der politische Vogeler
Worpsweder Kunsthalle
Bergstraße 17, 27726 Worpswede
T 04792.12 77
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr

Vogeler für alle
Katalogmöbel nach Entwürfen von Heinrich Vogeler aus der Worpsweder Werkstätte. Eine Sonderausstellung des Focke-Museums in Kooperation mit den Worpsweder Museen. Untere Rathaushalle des Bremer Rathauses 13.6. – 2.9.2012, Heinrich Vogeler: »Zimmer einer jungen Frau«, 1906, Focke-Museum – Haus Riensberg, Teil der Dauerausstellung, Heinrich Vogelers Entwurfszeichnungen zur Güldenkammer im Bremer Rathaus, Kunsthalle Bremen, 17.5. – 31.8.2012, Worpsweder Lichtbilder: die Künstlerkolonie in frühen Fotografien, Kunstsammlungen Böttcherstraße / Paula Modersohn-Becker Museum, 15.7. – 28.10.2012.

Ära Wilhelm Wagenfeld

26. Juli 2012


Der legendäre Mustermacher Wilhelm Wagenfeld revolutionierte in den späten 1930er Jahren mit seinen Entwürfen für die Vereinigten Lausitzer Glaswerken in Weißwasser das Erscheinungsbild von Pressglas- Serien. Seine Gläser wurden bis Mitte der 1960er Jahre dort hergestellt.

Glasentwerfer der DDR, insbesondere Friedrich Bundtzen und Mitarbeiter seiner „Werkstatt für Glasgestaltung“ führten die Tradition fort, Preßgläser mit schlichtem Dekor zu entwerfen. Es entstanden in den 1950er und 60er Jahren vorbildliche Serienentwürfe aus Wirtschaftsglas, die heute noch Bestand haben und den Vergleich mit aktueller Importware nicht scheuen müssen.

Das DDR- Designdepot zeigt eine Auswahl von Schalen, Teller und Vasen aus dieser Epoche.

Gepresstes Wirtschaftsglas aus der Lausit, Serienentwürfe für die Glasindustrie aus den 1950er und 60er Jahren von Friedrich Bundtzen – Erich Herzog – Artur Hofmann – Margarete Jahn – Erich Müller – Horst Schäfer – Manfred Schäfer – Fritz Wondrejz – Wilhelm Wagenfeld

DDR-Designdepot
Richard Anger / Heidemühle 12 / 15366 Hoppegarten / Tel. 030-5666881
geöffnet an allen 4 Sonntagen im August von 14.00 bis 17.00 Uhr
und nach Absprache.

Einzigartige Dauerleihgabe von 243 Rams-Exponaten aus der „Braun Collection“ an das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt

3. Juli 2012


Der weltweit bekannte und hochgeschätzte Industriedesigner Dieter Rams ist im Mai dieses Jahres 80 Jahre alt geworden und hat einen besonderen Geburtstagswunsch geäußert, der ihm durch das Unternehmen Braun, dessen Design er seit 1955 und seit 1961 als Chefdesigner bis zu seiner Pensionierung 1997 wesentlich geprägt hat, erfüllt worden ist. Braun hat aus seiner herausragenden Unternehmenssammlung, der legendären „Braun Collection“, dem Museum für Angewandte Kunst Frankfurt eine Dauerleihgabe von insgesamt 243 Exponaten zur Verfügung gestellt, welche die Grundlage für eine zukünftige Dauerausstellung bilden werden. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass sich hierunter auch sämtliche erhaltenen Modelle aus der Rams-Ära befinden, die vom Museum wissenschaftlich und konservatorisch aufgearbeitet werden und mit denen der Designprozess zukünftig besonders gut veranschaulicht werden kann.

Der Möbelhersteller vitsoe London, der ausschließlich Entwürfe von Dieter Rams mit großem Erfolg weltweit vertreibt, hat sich darüber hinaus dazu bereit erklärt, ein größeres Konvolut von Möbeln des Gestalters dem Museum zu schenken. Auch das in London bestehende Firmenarchiv wird für eine Zusammenarbeit mit dem Museum geöffnet werden.

Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt widmete Dieter Rams bereits mehrere Ausstellungen, zuletzt im Jahr 2010 die große Retrospektive „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“, die in sechs Museen von internationalem Rang gezeigt wurde und weltweit rund 400.000 Besucher anzog.

Museum für Angewandte Kunst Frankfurt
Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt
Öffnungszeiten Di – So 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 21 Uhr, Mo geschlossen

Haël-Keramik 1923 – 1933

18. Juni 2012


Margarete Heymann-Loebenstein (1899 – 1990) und ihre HAЁL-Werkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz

Im August 1899 wurde Margarete Heymann als Tochter  des Tuchhändlers Max Heymann und seiner Frau Emma geboren. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule in Köln und erhielt dort – wie auch an der Düsseldorfer Kunstakademie – Mal- und Zeichenunterricht.

Im November 1920 geht sie nach Weimar und nimmt am Vorkurs von Johannes Itten am Staatlichen Bauhaus teil. Anschließend wird sie zu einem zweiten Probesemester in der keramischen Werkstatt des Bauhauses in Dornburg, die von Gerhard Marcks geleitet wurde, zugelassen.
Grete Heymann nimmt an Lehrveranstaltungen von Paul Klee, Georg Muche und Gertrud Grunow teil, bricht jedoch das Semester vorzeitig im Oktober 1921 ab und verlässt Weimar. Es ist anzunehmen, dass es daran lag, dass die Entscheidung für eine endgültige Zulassung für ein ordentliches Studium am Bauhaus zu sehr auf sich warten ließ.
Leider konnten aus Ihrer Zeit in der Dornburger Töpferei des Bauhauses bisher keine Objekte oder andere Dokumente gesichert werden, lediglich ihr Töpferzeichen von dort ist bekannt, dieses ähnelt der von ihr später verwendeten Fabrikmarke.
Die 22-jährige geht zurück ins Rheinland, arbeitet vorübergehend in einer Frechener Töpferei und leitet einen Kinder-Töpferkurs an der Kölner Kunstgewerbeschule. Danach zieht es sie in die Metropole Berlin und nimmt 1922 eine Stelle als künstlerische Mitarbeiterin im Veltener Werk der Steingutfabriken Velten-Vordamm an. Während dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit, die Inflation in Deutschland näherte sich ihrem Höhepunkt, lernt sie den Kaufmann Dr. Gustav Loebenstein kennen, den sie im Folgejahr heiratete. Mit ihm und dessen Bruder Daniel als Geschäftsführer wagen sie eine Existenzgründung und pachten 1923 eine zuletzt für die Produktion von Blumentöpfen genutzte alte Ofenfabrik in Marwitz, einem Nachbarort Veltens – diese wurde dann im Juli 1926 von den Loebensteins erworben.
Die Haël-Werkstätten expandieren recht zügig und wandeln sich zu einem modernen aufstrebenden Betrieb unter der künstlerischen Leitung von Grete Heymann-Loebenstein.
Die in den ersten Jahren gefertigten Gefäße entstehen auf der Töpferscheibe, formal wirken sie eher einfach, mitunter rustikal, jedoch durch neuzeitliche, abstakte Pinseldekore – inspiriert durch Malerei am Bauhaus – bekommen sie einen besonderen Pep. Der Firmenname HAEL ist übrigens durch das lautschriftliche Aneinanderreihen der beiden Initialen „HA“ – von Heymann und „EL“ – von Loebenstein entstanden.

Schon 1925 ist eine Mitgliedschaft im Deutschen Werkbund belegt. Als einzig bekannter fremder Künstler liefert der Bildhauer und Maler Ewald Mataré (1887-1965), der zu dieser Zeit in Berlin arbeitete, Entwürfe für Tierfiguren, die dann auch im Angebot von Haël mit aufgenommen wurden. Die vielen keramischen Wandplatten, die er persönlich bemalt hat, wurden bisher aus einer Produktion in den Steingutfabriken Velten-Vordamm vermutet, diese dürften nach heutigen Erkenntnissen jedoch alle in Marwitz entstanden sein. Erst kürzlich konnte ich bei der Zuschreibung einer mit Landschaft und Kühen dekorierten Bodenvase aus dem Nachlass der Künstlerin dem British Museum behilflich sein und Mataré eindeutig als Autor identifizieren.

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre – der Betrieb expandiert weiter und die Mitarbeiterzahl wächst bis auf rund 90 an – werden die Herstellungs- und Dekortechniken verfeinert. Neben abstrakten Pinseldekoren tauchen auch vermehrt monochrome Mattglasuren auf, mitunter mit zarten Dekoren, die mit Lösungsfarben aufgetragen werrden. Diese Produkte sind meist neben der Fabrikmarke mit einem zusätzlichen Lf – für Lösungsfarbe – gekennzeichnet.

Es ist nachvollziehbar, wie schrecklich der Autounfall ihres Ehemanns und ihres Schwagers, die auf einer Fahrt zur Leipziger Messe im Herbst 1928 zu Tode gekommen waren, für die inzwischen zweifache Mutter gewesen sein muss. War doch auch gerade auf dem Betriebsgelände ein neues Wohn- und Bürohaus mit einem Ausstellungsraum errichtet worden.

Unbeirrt dieses Schicksalsschlages wirkt die Firmenchefin recht mutig und experimentierfreudig weiter.
Am Zeichentisch entstehen neuartige Formen, oft unkeramisch und sicher für manche Mitarbeiter im Betrieb eine Herausforderung – aber im Ergebnis tolle Produkte.
Selbst ich, der sehr klare und funktionale keramische Formen liebt, freue mich ganz besonders, wenn ich im Antiquitätenhandel oder auch auf Flohmärkten solche schönen Design-Objekte aus den Haël-Werkstätten erstehen kann.
Gegen Ende der 20er Jahre sind die Haël-Gefäße – inzwischen von einer derart feinen und dünnen Ausführung wie sie sogar heute wohl nicht mehr produzierbar wären – kaum aus dem Haushalt einer modernen jungen Frau wegzudenken. Allen Kritiken – die fehlende Funktionstüchtigkeit bei manchen Gefäßen und neuen Serviceformen bemängeln – zum Trotz, wachsen die Abnehmerkreise und es wird vermehrt ins Ausland exportiert.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 und deren Auswirkungen gehen auch an den Haël-Werkstätten nicht spurlos vorüber. Durch weg brechende Märkte und neue Zollbestimmungen müssen herbe Umsatzeinbrüche hingenommen werden.
Luxuskeramik – als solche würde man sicher die Keramik der Grete Heymann-Loebenstein heute bezeichnen – fand nur noch schwer Abnehmer in Deutschland.

Andere – auch größere Firmen wie die Steingutfabriken Velten-Vordamm zogen schon 1931 die Konsequenz aus der Krise und meldeten Insolvenz an – Haël hatte offensichtlich noch genügend Rücklagen.
Man senkte die Verkaufspreise und brachte 1932 die neue Serviceform „HAЁL-Norma“ auf den Markt. Im Vergleich zu manchen vorher von Grete Heymann entworfenen Design-Objekten wirkt dieses wieder recht bieder, im Gebrauch jedoch war es sicher funktionaler.

Einen weiteren Schicksalsschlag musste Grete Heymann im März 1933 hinnehmen.
In der Zeit, als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen und begannen, ihr Unwesen weiter auszubauen, kam der

5-jährige Sohn Stephan beim Spielen im Wohnhaus der Familie in Berlin-Tempelhof zu Tode. Es ist übermittelt, dass zu allem Übel dann auch noch das Kindermädchen Frau Heymann-Loebenstein wegen Verletzung der Aufsichtspflicht angezeigt haben soll.

Als selbstbewusste und wache Frau – ihr war mit Sicherheit nicht verborgen geblieben, was um sie herum geschah, entließ sie sie im Juli 1933 ihre Mitarbeiter, schloss die Haël-Werkstätten und flüchtete mit ihrem Sohn vor einer drohenden Inhaftierung auf die Insel Bornholm.
Zwei ehemalige Mitarbeiter von Grete Heymann-Loebenstein wurden dann auch noch angestiftet, sie zu denunzieren und ihr vorzuwerfen, die hätte sich kritisch dem neuen Regime gegenüber – also staatsfeindlich – geäußert.

Nach kurzer Zeit kommt jedoch Grete Heymann wieder nach Berlin zurück und betraut den Wirtschaftsberater Max Silberberg nun mit dem Verkauf ihres Betriebes, sicher eine schmerzliche, wenn auch kluge Entscheidung,
Nach monatelangen Verhandlungen stimmte Grete Heymann unter dem Druck der Geschehnisse und wohl auch auf Grund der Erkenntnis, dass sie für sich als Jüdin im Deutschen Reich keine Zukunft mehr sah, schließlich dem Verkauf Ihrer Werkstätten für 45.000 RM anstelle der ursprünglich geforderten 60.000 RM an den Handwerkspolitiker Dr. Heinrich Schild zu. Dieser war seit 1932 NSDAP-Mitglied und bis Herbst 1934 Generalsekretär des Reichsstandes des Deutschen Handwerks. Er war ein Freund der Familie Bollhagen und hatte den Betrieb erworben, um gemeinsam mit Hedwig Bollhagen – sie für den künstlerischen, er für den geschäftlichen Bereich – die neu zu gründenden HB-Werkstätten für Keramik zu leiten.

Die genauen Umstände, die zum Besitzerwechsel geführt haben, sind in den vergangenen fünf Jahren hitzig diskutiert worden und Arisierungsvorwürfe stehen nach wie vor im Raum.
Die Rolle, die Hedwig Bollhagen persönlich darin gespielt hat, wurde versucht in einer Studie, dem Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam in Auftrag gegeben, zu erhellen. Das daraus resultierende 99seitige Gutachten, wie auch andere Publikationen zum Thema, sind im Shop des Keramik-Museums einzusehen.
(Haël-Entwürfe wurden zunächst von den HB-Werkstätten weiter produziert und bereits 1934 beginnend, sukzessive durch neue Bollhagen-Entwürfe ersetzt.)
In einem antisemitischen, diffamierenden Hetzartikel, im Mai 1935 in Göbbels Gauzeitung der Berliner NSDAP
„Der Angriff“ veröffentlicht, werden Haël-Produkte unter anderem als entartete Formempfindungen bezeichnet und mit HB-Keramik verglichen.

Im Dezember 1936 schließlich kehrt Grete Heymann-Loebenstein Deutschland den Rücken und emigriert nach Großbritannien. Dort kann sie durch Kontakte, die sie vorher schon aufgebaut hatte, Entwürfe für verschiedene Betriebe in Großbritannien liefern und an der Burslem School of Art in Stoke-on-Trent unterrichten.
1938 heiratet sie ihren zweiten Mann Harold Marks und gründet eine kleine Töpferwerkstatt, die Greta Pottery in Stoke-on-Trent, die sie jedoch bald nach Kriegsausbruch wieder schließen muss.

Nach 1945 beginnt Margarete Heymann-Marks – nun in London – wieder mit der Keramik-Produktion (Studio-Pottery) im eigenen Atelier und leitet eine Malklasse an der Camberwell School of Arts & Crafts. Mehr und mehr wendet sie sich jedoch in den Folgejahren der Malerei zu.

1961 wird Grete Heymann von der Bundesrepublik Deutschland als „Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ anerkannt. 1990 stirbt sie 91jährig in London.

Die Steingut- und Fayence-Objekte aus den Haël-Werkstätten zählen heute zu den begehrtesten kunsthandwerklichen Gegenständen der Zwanzigerjahre in Deutschland und befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen. Durch vielfältige Schenkungen und einigen Ankäufen hat auch das Keramik-Museum Berlin eine schöne Anzahl aus der nur 10 Jahre währenden Produktion zusammentragen können. Ergänzt durch Leihgaben von Mitgliedern des Fördervereins KMB freuen wir uns, vier Monate lang Einblick in die wundervoll fröhlich-bunte und einzigartige Welt der Haël-Werkstätten gewähren zu können.

Heinz-J. Theis
Ehrenamtlicher Leiter des Keramik-Museums Berlin

Keramik-Museum Berlin, Schustehrusstr. 13, 10585 Berlin-Charlottenburg.
Ausstellungsdauer 15.6.  – 22.10.2012     Fr – Mo 13 bis 17 Uhr