Dr. Heide Rezepa-Zabel | Expertisen, Kurzgutachten, Beratung bei Ankauf und Verkauf

Kunst, Antiquitäten, Design, Schmuck und Diamanten

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Archiv für die Kategorie „Varia“

Buchempfehlung: Designer im Dritten Reich – Gute Formen sind eine Frage der Haltung

Freitag, 10. Januar 2014

Buch: Designer im Dritten Reich, Sabine Zentek
Aus der Zeit des Nationalsozialismus sind zahlreiche modern anmutende Gebrauchsgegen-stände bekannt, wie Geschirre von Hermann Gretsch und Heinrich Löffelhardt, Keramiken von Otto Lindig oder Gläser von Wilhelm Wagenfeld. Schlichtweg ein Missverständnis ist jedoch die Folgerung, die Nazis hätten zumindest in der Produktgestaltung Sympathien für die Moderne gehabt. Die Schlichtheit der Gestaltung war Bestandteil der Nazi-Propaganda, die Machthaber strebten »ewige«, »überzeitliche« Formen an, mit denen individuelle oder gar »entartete« Strömungen dauerhaft verhindert werden sollten. Möbel von nicht genehmen Urhebern wie Le Corbusier oder Mies van der Rohe wurden auch noch nach der Machter-greifung der Nazis verkauft, nun aber ohne Namensnennung.

Eine entscheidende Rolle bei der kulturellen »Säuberung« spielte die SS mit ihren Wirtschaftbetrieben, die Produktionsstätten von Porzellan, Keramiken und Möbeln in den Konzentrationslagern unterhielt. Nicht wenige ehemalige Werkbund- oder Bauhausmitglieder ließen sich auf Allianzen mit NS-Behörden wie »Schönheit der Arbeit« ein und förderten so den »einzig guten« Geschmack, ab 1943 »Friedensmuster« genannt. Parallel dazu bereitete die damalige »Elite« der Juristen die Umwälzung des Urheberrechts nach rein ideologischen Grundsätzen vor.

Nicht unerwähnt lässt die Publikation, dass viele Gestalter, wie Hermann Gretsch, Wilhelm Wagenfeld und Heinrich Löffelhardt, mit Erfolg auch die neue Demokratie nach 1945 zum Fokus ihrer beruflichen Existenz machten. Sabine Zentek, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht, liefert mit ihrem glänzend recherchierten Buch, das alle Qualitäten eines Standardwerks besitzt, einen ebenso spannenden wie umfassenden und oft erstmaligen Einblick in hochbrisante zeitgeschichtliche Quellen.

Sabine Zentek

50 Jahre Besteckdesign in Deutschland 1950 bis 2000

Mittwoch, 6. März 2013


Der Weltkrieg hinterließ nach 1945 in vielfacher Hinsicht ein riesiges Vakuum, auch in Bezug auf die Ausstattung der Haushalte. So war auch der Bedarf an neuem Besteck groß, und zugleich bot sich die Chance, das Thema Besteck „neu zu denken“.
Obwohl sich traditionelle Formen und Dekore zum Teil bis heute hartnäckig halten, so gab und gibt es doch eine starke Bewegung zum Besteck der „neuen Zeit“: Die Proportionen änderten sich deutlich (kurze Messerklinge und kurze Gabelzinken, runde Laffen, lange Griffe), das Material musste bezahlbar und tauglich für die Herstellung in großen Mengen sein (Edelstahl), die aufwendige Differenzierung in Tafel- und Dessertbesteck wurde zugunsten einer mittleren Größe (das sog. Mittelbesteck) aufgegeben.

Die dicht bestückte Studienausstellung im Klingenmuseum Solingen präsentiert eine exemplarische Auswahl von rund 320 Besteckmustern aus deutscher Produktion; die gesamte Produktion betrug in dieser Zeit rund 2.000 Muster. Selbstverständlich steht der gute, wegweisende Entwurf im Vordergrund, aber auch eher traditionelle Stilmittel wie Dekore oder Besteckgriffe und -hefte aus unterschiedlichem Material werden als zeittypische Erscheinungen gezeigt.
Eine Publikation mit einer repräsentativen Auswahl an Bestecken ist geplant.

20. Jan.- 30. Juni 2013, Deutsches Klingenmuseum, Klosterhof 4, D-42653 Solingen, täglich 10 –17 Uhr, freitags 14 –17 Uhr, montags geschlossen, geöffnet Karfreitag bis Ostermontag, 1. Mai, Pfingstsamstag bis Pfingstmontag, an allen Tagen von 10 –17 Uhr.

Plaste von der Burg

Montag, 28. Januar 2013

„Plaste von der Burg“ ist der Titel der laufenden Sonderausstellung im Industriesalon an der Reinbeckstraße. Dabei steht die „Burg“ für die Hochschule für industrielle Formgestaltung in Halle, Burg Giebichenstein. Zusammengetragen hat die Exponate der Berliner Architekt Richard Anger, Sammler des „DDR-Designdepots“.

Im Jahr 1958 hatte die staatliche Plankommission der DDR die Verdoppelung der Chemieproduktion beschlossen. Fortan war fast kein Lebensbereich mehr davon ausgenommen, in den Kunststoffartikel Einzug hielten. Aller Voruteile zum Trotz sind hier designgeschichtlich äußerst interessante Entwürfe entstanden, die es sich lohnt anzusehen.

„Plaste von der Burg“ Vernissage am 3. Februar 2013, um 11:00 Uhr ist bis Anfang März im Industriesalon, Reinbeckstraße 9, 12459 Berlin, zu sehen: Mittwoch 14 bis 18 Uhr, Freitag 14 bis 19 Uhr, ■ 53 00 70 42, Wissenswertes auch unter www.industriesalon.de

Vgl. dazu

Campingtassen, Meladur, Martin Kelm, 1959/60,

Campinggeschirr, Plaste, Hans Merz, 1957/58.

Bücher-Sonderverkauf der Staatlichen Museen zu Berlin

Montag, 12. November 2012

Am Samstag 1. Dezember und Sonntag 2. Dezember 2012, von 10 bis 17 Uhr verkauft das Referat Publikationen und Merchandising der Staatlichen Museen zu Berlin wieder preisreduzierte Publikationen, Mängelexemplare
und weitere Artikel wie Postkarten, Plakate und Kunstnotizbücher. Ort: Kulturforum Potsdamer Platz, Eingang: Matthäikirchplatz, Zentrale Eingangshalle, 10785 Berlin-Tiergarten.
Bei den Büchern handelt es sich um Ausstellungskataloge sowie
Titel zu verschiedenen Sammlungsgebieten der Staatlichen Museen zu
Berlin. Plakate werden zum Teil gratis abgegeben. Die Preise für die Publikationen der Staatlichen Museen zu Berlin sind nur an diesen beiden Tagen einmalig stark reduziert. Eine Liste der preisreduzierten Artikel, in der ein großer Teil der preisgesenkten Ware verzeichnet ist, finden Sie im SMB Pressebereich www.smb.museum/pressemitteilungen.

Design20.eu

15. Berliner Benefiz Keramik-Basar

Montag, 3. September 2012

Samstag 8. und Sonntag 9. September 10 – 17 Uhr, Kleine Orangerie / Schloss Charlottenburg, Eintritt 1,- Euro

Am kommenden Wochenende richtet der Förderverein KMB in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Charlottenburg-Wilmersdorf im 15. Jahr in Folge seinen Keramik-Basar aus.
Dieses Mal können Liebhaber von Keramik und Porzellan sogar an zwei Tagen in der Kleinen Orangerie nach Sammels- oder Gebrauchswertem aus vergangenen Zeiten stöbern und mit Gleichgesinnten fachsimpeln.

Kompetente Menschen aus dem Umkreis des Keramikmuseums stehen auch Rede und Antwort und helfen bei der Zuordnung von mitgebrachten „Schätzen“ der Besucher.

Unter anderem kommen Objekte zum Verkauf, die dem Förderverein des Keramikmuseums speziell für diesen Zweck gespendet wurden.
Auch der Eintrittspreis, den man sich sogar bei einem Kauf von über 10 Euro verrechnen lassen kann, kommt zu 100% dem Förderverein zu gute, der ohne öffentliche finanzielle Förderung das Museum mit sechs bis sieben Ausstellungen pro Jahr in ehrenamtlicher Arbeit betreibt.

Das Keramik-Museum Berlin, Schustehrusstraße 15, 10585 Berlin, ca. 10 Minuten Fußweg von der Kleinen Orangerie entfernt, hat Fr., Sa., So., und Mo. von 13 bis 17 Uhr geöffnet.
Aktuell werden dort drei Sonderausstellungen gezeigt:

Form – Funktion – Ideologie. Keramik in Deutschland 1933 bis 1945

Haël – Keramik 1923 – 1933. Margarete Heymann-Loebenstein und ihre Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz

Gertraud Möhwald und Umfeld der Burg Giebichenstein Halle.

Design Olympia ’72: Otl Aicher

Montag, 20. August 2012

Otl Aicher (1922-1991) zählt zu den bedeutendsten Gestaltern des zwanzigsten Jahrhunderts und ist Gründer der international renommierten Hochschule für Gestaltung in Ulm. Mit dem von ihm geprägten Begriff der „visuellen Kommunikation”, deren Ziel die Lesbarkeit der Welt ist, entwickelte er u. a. das Corporate Design der Olympischen Spiele 1972 in München. Für die Optik der Spiele definierte Aicher stringente Gestaltungsrichtlinien, die vom städtischen Erscheinungsbild, Fahnen und Plakaten, über die offizielle MitarbeiterInnenbekleidung bis zu den Eintrittskarten reichten. Nach seiner Maxime Konzentration und Reduktion auf das Wesentliche entwarf er ein Orientierungssystem von Piktogrammen, das uns bis heute als Wegweiser von beispielsweise U-Bahn- und Notausgängen wie selbstverständlich im Alltag begleitet. Zum vierzigsten Jahrestag der Olympischen Spiele in München zeigt die Aspekte Galerie aus der Sammlung von Bernd Brand eine umfangreiche Ausstellung mit Plakaten, Drucksachen und Objekten, die Otl Aicher von 1967 bis 1972 mit seinem Team entwickelt hat. In ihrer innovativen Form und Farbigkeit sind die Exponate einzigartige Zeitdokumente.
Aspekte Galerie im Gasteig, Steinstr. 62, 81667 München, Fr, 20.7.2012 – So, 9.9.2012, täglich 10.00 bis 22.00 Uhr.

Vom Romantiker zum Revolutionär – auf den Spuren Heinrich Vogelers

Donnerstag, 16. August 2012

Tulpenstuhl - Entwurf Heinrich VogelerTulpenstuhl nach Entwurf von Heinrich Vogeler, Foto: Focke-Museum/Sigrid Sternebeck

Die erste gemeinsame Ausstellung der vier Worpsweder Museen widmet sich Heinrich Vogeler und zeigt ein facettenreiches Künstlerleben voller Widersprüche.
Er war zeitlebens ein Suchender: Heinrich Vogeler wandelte sich in seinem wechselhaften Leben vom romantischen Jugendstilmaler in Worpswede zum Sozialrevolutionär in Moskau. Künstlerisch erprobte er sich mit den unterschiedlichsten stilistischen Mitteln in den verschiedensten Genres: ob Malerei, Grafik, Design oder Architektur – Vogeler ließ nichts aus und war stets bestrebt, Kunst in alle Bereiche des Alltags zu integrieren. Dieser vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit widmen die vier Worpsweder Museen vom 26. Mai bis zum 30. September 2012 ihre
erste gemeinsame Sommerausstellung mit dem Titel »Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär«. Der Zeitpunkt ist dabei nicht zufällig gewählt, sondern gleich zweifach bedeutsam: 2012 jährt sich Vogelers Geburtstag zum 140. und sein Todestag zum 70. Mal. Ein guter Anlass, um den Mitbegründer der berühmten Worpsweder Künstlerkolonie im Haus im Schluh, im Barkenhoff, in der Großen Kunstschau Worpswede sowie in der Worpsweder Kunsthalle in den Fokus zu rücken.
Darüber hinaus zieht die Ausstellung aber noch weitere Kreise, denn auch in Bremen wird der vielseitige Künstler präsent sein. Das Bremer Focke-Museum zeigt in Kooperation mit den Worpsweder Museen in der Unteren Rathaushalle »Vogeler für alle«, eine Ausstellung von seriell gefertigten Möbeln des Künstlers aus der Worpsweder Werkstätte. Diese Ausstellung läuft vom 13. Juni bis zum 2. September. Ergänzendes Highlight: Die Urenkelinnen von Heinrich Vogeler stellen die Güldenkammer im Obergeschoss des Bremer Rathauses, die sonst nur zu offiziellen Anlässen für hochrangige Besucher geöffnet wird, im Rahmen von Sonderführungen vor. Vogelers Entwürfe zur Güldenkammer werden vom 17. Mai bis zum 30. September in der Kunsthalle Bremen gezeigt. Das Focke-Museum präsentiert in seiner Dauerausstellung im Haus Riensberg das preisgekrönte, 1906 von Vogeler entworfene »Zimmer einer jungen Frau« und das Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstraße zeigt vom 15. Juli bis zum 28. Oktober »Worpsweder Lichtbilder: die Künstlerkolonie in frühen Fotografien«. Diese Ausstellung vermittelt
eine Vorstellung des Worpsweder Lebens zur Zeit Vogelers.

Alle Ausstellungen auf einen Blick
»Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär«
Die große Sommerausstellung der Worpsweder Museen
26.5. – 30.9.2012
Märchen und Minne – Aufbruch als Künstler
Haus im Schluh
Im Schluh 35 – 37, 27726 Worpswede
T 04792.95 00 61
Gesamtkunstwerk Barkenhoff – Idylle und Wandel
Barkenhoff
Ostendorfer Straße 10, 27726 Worpswede
T 04792.39 68
Neue Wege – Vogeler in der Sowjetunion
Große Kunstschau Worpswede
Lindenallee 3, 27726 Worpswede
T 04792.13 02
Krieg und Revolution – der politische Vogeler
Worpsweder Kunsthalle
Bergstraße 17, 27726 Worpswede
T 04792.12 77
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr

Vogeler für alle
Katalogmöbel nach Entwürfen von Heinrich Vogeler aus der Worpsweder Werkstätte. Eine Sonderausstellung des Focke-Museums in Kooperation mit den Worpsweder Museen. Untere Rathaushalle des Bremer Rathauses 13.6. – 2.9.2012, Heinrich Vogeler: »Zimmer einer jungen Frau«, 1906, Focke-Museum – Haus Riensberg, Teil der Dauerausstellung, Heinrich Vogelers Entwurfszeichnungen zur Güldenkammer im Bremer Rathaus, Kunsthalle Bremen, 17.5. – 31.8.2012, Worpsweder Lichtbilder: die Künstlerkolonie in frühen Fotografien, Kunstsammlungen Böttcherstraße / Paula Modersohn-Becker Museum, 15.7. – 28.10.2012.

Einzigartige Dauerleihgabe von 243 Rams-Exponaten aus der „Braun Collection“ an das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt

Dienstag, 3. Juli 2012


Der weltweit bekannte und hochgeschätzte Industriedesigner Dieter Rams ist im Mai dieses Jahres 80 Jahre alt geworden und hat einen besonderen Geburtstagswunsch geäußert, der ihm durch das Unternehmen Braun, dessen Design er seit 1955 und seit 1961 als Chefdesigner bis zu seiner Pensionierung 1997 wesentlich geprägt hat, erfüllt worden ist. Braun hat aus seiner herausragenden Unternehmenssammlung, der legendären „Braun Collection“, dem Museum für Angewandte Kunst Frankfurt eine Dauerleihgabe von insgesamt 243 Exponaten zur Verfügung gestellt, welche die Grundlage für eine zukünftige Dauerausstellung bilden werden. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass sich hierunter auch sämtliche erhaltenen Modelle aus der Rams-Ära befinden, die vom Museum wissenschaftlich und konservatorisch aufgearbeitet werden und mit denen der Designprozess zukünftig besonders gut veranschaulicht werden kann.

Der Möbelhersteller vitsoe London, der ausschließlich Entwürfe von Dieter Rams mit großem Erfolg weltweit vertreibt, hat sich darüber hinaus dazu bereit erklärt, ein größeres Konvolut von Möbeln des Gestalters dem Museum zu schenken. Auch das in London bestehende Firmenarchiv wird für eine Zusammenarbeit mit dem Museum geöffnet werden.

Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt widmete Dieter Rams bereits mehrere Ausstellungen, zuletzt im Jahr 2010 die große Retrospektive „Less and More. Das Designethos von Dieter Rams“, die in sechs Museen von internationalem Rang gezeigt wurde und weltweit rund 400.000 Besucher anzog.

Museum für Angewandte Kunst Frankfurt
Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt
Öffnungszeiten Di – So 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 21 Uhr, Mo geschlossen

Vom Kunsthandwerk zum Industrieerzeugnis am Bsp der Besteckmuster von Richard Riemerschmid

Mittwoch, 18. April 2012

 

 

 

 

 

 

In Deutschland beginnt der lange Weg vom Kunsthandwerk zum Industrieerzeugnis im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Lebensreformbewegung fand Argumente dafür, die Kunstgewerbereformbewegung zieht ihre Protagonisten in eigener Sache an. Der Deutsche Werkbund erhebt ab 1907 die Reform zur Sache der Nation und das Deutsche Warenbuch veranschaulicht 1915, was als vorbildlich – als  höchste Qualität „Made in Germany“ – erachtet werden soll.
Die 10 Gebote für das deutsche Heim: „1. Richte Dich zweckmäßig ein! 2. Zeige Dich in Deiner Wohnung wie Du bist! 3. Richte Dich getrost nach Deinen Geldmitteln ein! 4. Vermeide alle Imitationen! 5. Gib Deiner Wohnung Leben! 6. Du sollst nicht pimpeln! 7. Fürchte Dich nicht vor der Form! 8. Fürchte Dich nicht vor der Farbe! 9. Strebe nach Ruhe! 10. Führe auch freie Kunst in Dein Heim !“
.. verdichtete der Deutsche Werkbund dann zu „Funktionalität, Material- und Werkgerechtigkeit“.
Bisher war das aufwendig hergestellte Handwerkserzeugnis weder „sozial“ noch „demokratisch“. Es sollte nicht mehr nur einer finanzkräftigen, bürgerlichen Elite vorbehalten sein, sondern für „jedes Dienstmädchen“ erschwinglich sein, wie Peter Bruckmann sich ausdrückte und wie Richard Riemerschmid konkretisierte mindestens 200 Jahre Gültigkeit besitzen. Während sich bei manchen Handwerkern, Kaufleuten, Technikern und Künstlern schon nach 1900 die Überzeugung breit machte, das Produkt durch gemeinsame Arbeit zu „befreien“, gelang die Umsetzung der Gestaltungsmaximen, die der Deutsche Werkbund verbreitete, bevor sie sich Anfang der dreißiger Jahre in den größten deutschen Industrieunternehmen der Porzellan- und Glasproduktion durchsetzten, tatsächlich nur Wenigen. Dazu zählten der Silberwarenfabrikant Peter Bruckmann und Richard Riemerschmid, Architekt und Entwerfer für Kunstgewerbe. Ihre gemeinsam produzierten Besteckmuster dokumentieren moderne Designgeschichte „par excellence“. Die Reihe beginnt beim „Secessionsbesteck“ aus dem Jahr 1898. Dem folgt 1911/12 das so genannte „Juwelierbesteck“ und schließlich 1914/15 das ultimative Spatenbesteck Nr. 5351.

Weiterführend: H. Rezepa-Zabel: Richard Riemerschmid, in: Sammler Journal, Oktober 2013, S.26-34.

Siehe auch:
Menübesteck, Richard Riemerschmid 1914/15 für P. Bruckmann, Heilbronn.
„Deutsches Warenbuch“, 1915, Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft, Dresden-Hellerau.

Senftopf, Steinzeug, R. Riemerschmid, 1902 für R.Merkelbach, Westerwald.
Eierbecher, Steinzeug, R. Riemerschmid 1904/5 für R.Merkelbach, Grenzhausen.
Milchschale, Richard Riemerschmid, Merkelbach Grenzhausen, 1904.
Salznapf, Richard Riemerschmid für R. Merkelbach, Westerwald, 1904/05.
Butterdose, Richard Riemerschmid, 1904/05 für R. Merkelbach, Deutschland.
Krug, Steinzeug, Carl Mehlem für R. Merkelbach, Grenzhausen, 1913.

Dosen und Verpackungen nach Entwürfen von Emanuel Josef und Ella Margold für die Keksfabrik Bahlsen

Montag, 26. September 2011

Bahlsen Keksdosen - Design: Emanuel Josef und Ella Margold für die Keksfabrik Bahlsen

Vor dem ersten Weltkrieg zählten Schmuckdosen noch zu den Ausnahmeerscheinungen. Die Mehrzahl aller Genusswaren wurde in losen bzw. in einfachsten Behältnissen wie Papiertüten verkauft. Künstlerisch wie materiell anspruchsvolle Verpackungen kamen zunächst nur bei ausgesprochenen Luxusgütern wie Parfüm und Tabakwaren oder bei Gebrauchswaren der gehobenen Preisklasse, so Kaffee, Tee, Spirituosen und auch Süßwaren in Umlauf. Es stand außer Frage, dass diese Markenartikel eine angemessene, ja sogar ausgesprochen edle, das Produkt ästhetisch überhöhende Hülle benötigten. Weil der Keks aber häufig als Geschenk angeboten wurde, lag auch hier die Gestaltung einer appetitlichen, einladenden und schmückenden Aufmachung und weiterführend die entsprechende Darbietung der Ware in geschmackvoll gestalteten Schaufenstern und Verkaufsläden, nahe.
Hermann Bahlsen konnte mit seinem überzeugenden Werbekonzept das 1889 übernommene Fabrikgeschäft für englische Cakes und Biscuits zu einer florierenden, großen Fabrik ausbauen. Die gesunde finanzielle Basis, ein innovatives Denken und ein überaus starkes persönliches Interesse an der Kunst führten schon vor 1900 zur vollständigen Umstellung des Erscheinungsbildes des Hauses Bahlsen. Über die seit 1912 erscheinenden „Leipniz-Blätter“ propagierte Hermann Bahlsen seine Auffassung, dass die Kunst „ein Stück Schönheit in das Leben bringt und damit die Freude, die der Mensch zu seiner inneren Entwicklung braucht“. Ab 1912 verpflichtete er erstmals Emanuel Josef Margold als Entwerfer für die Gestaltung der Werbung des Hauses – ab 1915 beauftragte er auch seine Frau, die Textilkünstlerin Ella Margold-Weltmann.
Auch Emanuel Josef Margold war in seinem Schaffen der Vision einer künstlerischen Durchdringung aller Lebensbereiche gefolgt. Als Mitarbeiter von Josef Hoffmann zählte er zum Kreis der Wiener Moderne und ab 1911 zur Darmstädter Künstlerkolonie. Margold war ein ausgebildeter Architekt, aber fertigte schon früh Entwürfe in nahezu sämtlichen Bereichen der angewandten Kunst an. Seine Warenverpackungen für die Keksfabrik Hermann Bahlsen können heute als ein herausragendes künstlerisches Beispiel seiner Zeit gelten, weil er mit diesen einen frühen Beitrag zur Entwicklung eines „Corporate Design“ – hier der Marke Bahlsen – liefern konnte.
Für die nahezu exklusive Beauftragung der Margolds sprach wohl das Interesse an einer eindeutigen Wirkung, auch Fernwirkung der Warenverpackung, die für den Konsumenten auch ohne Lesen von Aufschriften allein durch firmenspezifische visuelle Merkmale leicht erkennbar sein sollte. Hinzu kam das Bedürfnis, die Packung so zu gestalten, dass wirksame Zusammenstellungen in Schaufenstern ermöglicht werden konnten. Um die besonderen Anforderungen – Vielfalt, aber trotzdem Gleichartigkeit untereinander, leichte Erkennbarkeit gegenüber anderen Erzeugnissen, Appetitlichkeit, gute Gesamtwirkung – zu erfüllen, war es notwendig, die Gestaltung der gesamten Warenreklame in die Hände eines einzigen Künstlers bzw Künstlerpaares zu legen.
Stilistische Übereinstimmungen mit Flächenmustern von Berthold Löffler oder Carl Otto Czeschka zeigen, das die künstlerische Rückversicherung der Margolds nach Wien, zur Wiener Schule um Josef Hoffmann, nie abgebrochen war. Margold verstand sich wie kaum ein anderer Künstler darauf, die Flächen der meist kubisch geschlossenen Dosen mit immer neuen Varianten dieses reichen Dekorstils zu füllen. Als charakteristisches Merkmal im Aufbau des Dekors kann dabei die Kombination strenger geometrischer Muster wie parallele Streifen, Zahnschnitt oder Rauten mit phantasievollen, stilisiert floralen Motiven genannt werden. Auch das Gegeneinandersetzten von ruhigen, nahezu monochromen Farbflächen und lebhaft bunten Ornamentfeldern gehört zu den typischen Erscheinungsbildern der Dosen. Darüber hinaus finden sich bei ihm schon 1914 Beispiele für eine aus floralen wie auch aus geometrischen Mustern entwickelte Zackenornamentik, die bereits Stilmerkmale des Art Déco vorwegnimmt.
Interessant ist, dass der überbordende Flächendekor der Margoldschen Dosen durch keinerlei Firmenaufdrucke oder Produktbezeichnungen in ihrer Wirkung beeinträchtigt wurde. Das Haus Bahlsen beschränkte sich darauf, den Firmennamen auf dem Boden jeder Dose einzuprägen. Diese Zurückhaltung erhöhte natürlich ihren „Wert“, sie war nicht mehr in erster Linie Warenverpackung, der Käufer erwarb mit der Schmuckdose vielmehr ein keines Kunstobjekt im aktuellen Zeitstil.
Mit ihren Entwürfen begann sich insgesamt in dem Bereich der Warenverpackung ein neuer Stil abzuzeichnen. Noch bis in die 30er Jahre bemächtigte sich die gesamte „Jugendstilindustrie“ und noch nachrückende Künstler, die später für Bahlsen tätig wurden, des von den Margolds dargebotenen kreativen Vokabulars, zur Verzierung aller Arten massenhaft produzierter Gebrauchsgüter. Das vermögen heute die vielerorts angebotenen Dosen, die allzu leichtfertig den Margolds zugeschrieben werden belegen.
© Dr. Heide Rezepa-Zabel

Hier zu erwerben: Keksdose Emanuel Josef Margold, 1911/12, für H. Bahlsen, Hannover. Keksdose, Ella Margold, 1915 für Hermann Bahlsen, Hannover.