Dr. Heide Rezepa-Zabel | Expertisen, Kurzgutachten, Beratung bei Ankauf und Verkauf

Kunst, Antiquitäten, Design, Schmuck und Diamanten

Startseite » Design20-Blog

Archiv für die Kategorie „Glas“

Buchempfehlung: Designer im Dritten Reich – Gute Formen sind eine Frage der Haltung

Freitag, 10. Januar 2014

Buch: Designer im Dritten Reich, Sabine Zentek
Aus der Zeit des Nationalsozialismus sind zahlreiche modern anmutende Gebrauchsgegen-stände bekannt, wie Geschirre von Hermann Gretsch und Heinrich Löffelhardt, Keramiken von Otto Lindig oder Gläser von Wilhelm Wagenfeld. Schlichtweg ein Missverständnis ist jedoch die Folgerung, die Nazis hätten zumindest in der Produktgestaltung Sympathien für die Moderne gehabt. Die Schlichtheit der Gestaltung war Bestandteil der Nazi-Propaganda, die Machthaber strebten »ewige«, »überzeitliche« Formen an, mit denen individuelle oder gar »entartete« Strömungen dauerhaft verhindert werden sollten. Möbel von nicht genehmen Urhebern wie Le Corbusier oder Mies van der Rohe wurden auch noch nach der Machter-greifung der Nazis verkauft, nun aber ohne Namensnennung.

Eine entscheidende Rolle bei der kulturellen »Säuberung« spielte die SS mit ihren Wirtschaftbetrieben, die Produktionsstätten von Porzellan, Keramiken und Möbeln in den Konzentrationslagern unterhielt. Nicht wenige ehemalige Werkbund- oder Bauhausmitglieder ließen sich auf Allianzen mit NS-Behörden wie »Schönheit der Arbeit« ein und förderten so den »einzig guten« Geschmack, ab 1943 »Friedensmuster« genannt. Parallel dazu bereitete die damalige »Elite« der Juristen die Umwälzung des Urheberrechts nach rein ideologischen Grundsätzen vor.

Nicht unerwähnt lässt die Publikation, dass viele Gestalter, wie Hermann Gretsch, Wilhelm Wagenfeld und Heinrich Löffelhardt, mit Erfolg auch die neue Demokratie nach 1945 zum Fokus ihrer beruflichen Existenz machten. Sabine Zentek, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht, liefert mit ihrem glänzend recherchierten Buch, das alle Qualitäten eines Standardwerks besitzt, einen ebenso spannenden wie umfassenden und oft erstmaligen Einblick in hochbrisante zeitgeschichtliche Quellen.

Sabine Zentek

Vom Romantiker zum Revolutionär – auf den Spuren Heinrich Vogelers

Donnerstag, 16. August 2012

Tulpenstuhl - Entwurf Heinrich VogelerTulpenstuhl nach Entwurf von Heinrich Vogeler, Foto: Focke-Museum/Sigrid Sternebeck

Die erste gemeinsame Ausstellung der vier Worpsweder Museen widmet sich Heinrich Vogeler und zeigt ein facettenreiches Künstlerleben voller Widersprüche.
Er war zeitlebens ein Suchender: Heinrich Vogeler wandelte sich in seinem wechselhaften Leben vom romantischen Jugendstilmaler in Worpswede zum Sozialrevolutionär in Moskau. Künstlerisch erprobte er sich mit den unterschiedlichsten stilistischen Mitteln in den verschiedensten Genres: ob Malerei, Grafik, Design oder Architektur – Vogeler ließ nichts aus und war stets bestrebt, Kunst in alle Bereiche des Alltags zu integrieren. Dieser vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit widmen die vier Worpsweder Museen vom 26. Mai bis zum 30. September 2012 ihre
erste gemeinsame Sommerausstellung mit dem Titel »Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär«. Der Zeitpunkt ist dabei nicht zufällig gewählt, sondern gleich zweifach bedeutsam: 2012 jährt sich Vogelers Geburtstag zum 140. und sein Todestag zum 70. Mal. Ein guter Anlass, um den Mitbegründer der berühmten Worpsweder Künstlerkolonie im Haus im Schluh, im Barkenhoff, in der Großen Kunstschau Worpswede sowie in der Worpsweder Kunsthalle in den Fokus zu rücken.
Darüber hinaus zieht die Ausstellung aber noch weitere Kreise, denn auch in Bremen wird der vielseitige Künstler präsent sein. Das Bremer Focke-Museum zeigt in Kooperation mit den Worpsweder Museen in der Unteren Rathaushalle »Vogeler für alle«, eine Ausstellung von seriell gefertigten Möbeln des Künstlers aus der Worpsweder Werkstätte. Diese Ausstellung läuft vom 13. Juni bis zum 2. September. Ergänzendes Highlight: Die Urenkelinnen von Heinrich Vogeler stellen die Güldenkammer im Obergeschoss des Bremer Rathauses, die sonst nur zu offiziellen Anlässen für hochrangige Besucher geöffnet wird, im Rahmen von Sonderführungen vor. Vogelers Entwürfe zur Güldenkammer werden vom 17. Mai bis zum 30. September in der Kunsthalle Bremen gezeigt. Das Focke-Museum präsentiert in seiner Dauerausstellung im Haus Riensberg das preisgekrönte, 1906 von Vogeler entworfene »Zimmer einer jungen Frau« und das Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstraße zeigt vom 15. Juli bis zum 28. Oktober »Worpsweder Lichtbilder: die Künstlerkolonie in frühen Fotografien«. Diese Ausstellung vermittelt
eine Vorstellung des Worpsweder Lebens zur Zeit Vogelers.

Alle Ausstellungen auf einen Blick
»Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär«
Die große Sommerausstellung der Worpsweder Museen
26.5. – 30.9.2012
Märchen und Minne – Aufbruch als Künstler
Haus im Schluh
Im Schluh 35 – 37, 27726 Worpswede
T 04792.95 00 61
Gesamtkunstwerk Barkenhoff – Idylle und Wandel
Barkenhoff
Ostendorfer Straße 10, 27726 Worpswede
T 04792.39 68
Neue Wege – Vogeler in der Sowjetunion
Große Kunstschau Worpswede
Lindenallee 3, 27726 Worpswede
T 04792.13 02
Krieg und Revolution – der politische Vogeler
Worpsweder Kunsthalle
Bergstraße 17, 27726 Worpswede
T 04792.12 77
Öffnungszeiten: täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr

Vogeler für alle
Katalogmöbel nach Entwürfen von Heinrich Vogeler aus der Worpsweder Werkstätte. Eine Sonderausstellung des Focke-Museums in Kooperation mit den Worpsweder Museen. Untere Rathaushalle des Bremer Rathauses 13.6. – 2.9.2012, Heinrich Vogeler: »Zimmer einer jungen Frau«, 1906, Focke-Museum – Haus Riensberg, Teil der Dauerausstellung, Heinrich Vogelers Entwurfszeichnungen zur Güldenkammer im Bremer Rathaus, Kunsthalle Bremen, 17.5. – 31.8.2012, Worpsweder Lichtbilder: die Künstlerkolonie in frühen Fotografien, Kunstsammlungen Böttcherstraße / Paula Modersohn-Becker Museum, 15.7. – 28.10.2012.

Ära Wilhelm Wagenfeld

Donnerstag, 26. Juli 2012


Der legendäre Mustermacher Wilhelm Wagenfeld revolutionierte in den späten 1930er Jahren mit seinen Entwürfen für die Vereinigten Lausitzer Glaswerken in Weißwasser das Erscheinungsbild von Pressglas- Serien. Seine Gläser wurden bis Mitte der 1960er Jahre dort hergestellt.

Glasentwerfer der DDR, insbesondere Friedrich Bundtzen und Mitarbeiter seiner „Werkstatt für Glasgestaltung“ führten die Tradition fort, Preßgläser mit schlichtem Dekor zu entwerfen. Es entstanden in den 1950er und 60er Jahren vorbildliche Serienentwürfe aus Wirtschaftsglas, die heute noch Bestand haben und den Vergleich mit aktueller Importware nicht scheuen müssen.

Das DDR- Designdepot zeigt eine Auswahl von Schalen, Teller und Vasen aus dieser Epoche.

Gepresstes Wirtschaftsglas aus der Lausit, Serienentwürfe für die Glasindustrie aus den 1950er und 60er Jahren von Friedrich Bundtzen – Erich Herzog – Artur Hofmann – Margarete Jahn – Erich Müller – Horst Schäfer – Manfred Schäfer – Fritz Wondrejz – Wilhelm Wagenfeld

DDR-Designdepot
Richard Anger / Heidemühle 12 / 15366 Hoppegarten / Tel. 030-5666881
geöffnet an allen 4 Sonntagen im August von 14.00 bis 17.00 Uhr
und nach Absprache.

Jugendstil bis Gegenwart im Grassi Museum Leipzig

Freitag, 2. März 2012

020

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst eröffnet am 4. März 2012 den dritten und damit letzten Teil seiner ständigen Ausstellung. „Jugendstil bis Gegenwart“ vereint auf etwa 1.200 m² rund 2.000 Objekte von der Jahrhundertwende bis zur unmittelbaren Gegenwart. Schwerpunkte bilden Werke aus der Zeit des Jugendstil, Art-Déco, Funktionalismus und Bauhaus ebenso wie ostdeutsches Design ab den 1950er Jahren und zeitgenössisches internationales Design. Mit „Jugendstil bis Gegenwart“ ist die neue Dauerausstellung des Museums komplett. Ihre insgesamt drei Ausstellungsbereiche „Antike bis Historismus“, „Asiatische Kunst. Impulse für Europa“ und „Jugendstil bis Gegenwart“ laden jetzt zu einer Zeitreise durch mehr als 3000 Jahre Kunstgeschichte ein.

Unter den Ausstellungsobjekten sind einige Stücke die Design20.eu anbieten kann, u.a.: „Ericofon“, 1954, Telefon von L.M. Ericsson, Ferrari-Rot, Schweden.

GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig Di – So, Feiertage 10 – 18 Uhr, Mo geschlossen.

„Made in Germany“ – der Beginn eines Gütesiegels

Dienstag, 23. August 2011

Logo: DBWBG - "Made in Gerany"

Die Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft brachte seit 1913 im Deutschen Reich erstmals die systematische und organisierte Verbreitung von Qualitätswaren „Made Germany“ in Gang.
Dabei handelte es sich um eine Einkaufsgenossenschaft, die der ein Jahr zuvor vom Dürerbund gegründeten „Gemeinnützigen Vertriebsstelle für Deutsche Qualitätsarbeit, GmbH“ in Dresden-Hellerau, nun unter Mitwirkung des Deutschen Werkbundes angeschlossen wurde. Über diese Vertriebsstelle spannte sich ein dichtes Netz von Persönlichkeiten, die auf Staat und Gesellschaft einwirkenden Instituten, Vereinen, Verbänden, sowie Zeitungen angehörten. Zu den bekanntesten Förderern und Beratern dieser Großinitiative zählten unter anderem Hermann Muthesius, Karl Schmidt von den „Deutschen Werkstätten“ vormals „Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst“, Friedrich Naumann, Karl Ernst Osthaus, Peter Behrens, Richard Riemerschmid und Ferdinand Avenarius. Die Liste derjenigen, die sich an der Förderung der Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft beteiligten liest sich wie das „Who’s Who“ aller deutschen, am Um- und Aufbruch von Kunst und Gewerbe beteiligten Reformer zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Um 1910 war Dresden, im Besonderen Dresden-Hellerau, als erste deutsche Gartenstadt, der Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde. Werkbund und Dürerbund richteten dort ihre Geschäftsstellen ein und die Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft mobilisierte von Hellerau aus hunderte Einzelhändler, Produzenten und Künstler sich an einen Wertschöpfungsprozess zu beteiligen, der auf qualitativ hochwertige, klar gestaltete, zeitlose, dabei für breite Bevölkerungsschichten erschwingliche Gebrauchsgegenstände, vornehmlich solche für Haus und Wohnung zielte.
_dsf0375

Die seit 1915 von der Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft im „Deutschen Warenbuch“ zusammengestellten Waren, konnten sowohl über die Verstriebsstelle in Dresden-Hellerau, als auch über die Mitglieder des deutschen Einzelhandels bestellt werden. Für die dort abgebildeten Waren – über 1600 – verbürgte sich ein Sachverständigenrat, der sich aus Architekten und Designern, so genannten „Entwerfern für Kunstgewerbe“ zusammensetzte. Sie maßen die Qualität aller ausgesuchten Waren an ihrer Gestaltung, dem verwendeten Materials und an der Verarbeitung und lobten diese durch eine eigens kreierte Marke aus, die sich heute auch noch an Keramiken wieder finden lässt (vgl. Krug, Steinzeug, 1913, Carl Mehlem für R. Merkelbach, Grenzhausen, Westerwald). dbwbg-signet-keramik

Der Auftrag für die grafische Gestaltung desselben erging an den Werbe- und Gebrauchsgrafiker Fritz Hellmuth Ehmcke. Er gestaltete ein großes Genossenschafts-G, das kreisförmig die Initialen der Bünde „DBWB“ umfängt. Für die Firmenbezeichnung: „Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft, Wertarbeit fürs deutsche Haus“ wählte Ehmcke seine 1914 entwickelte „Schwabacher“, die der Familie der Frakturschriften zuzuordnen war.

Die hier vorgenommene Markierung von Waren mit besonders hoher Produktqualität liefert den Beginn einer Entwicklung, aus der die Kennzeichnung „Made in Germany“ als Gütesiegel hervorgeht. Diese Kennzeichnung verdankt ursprünglich ihre Entstehung einem britischen Gesetz, dem „Merchandise Marks Act“ von 1887. Zweck dieses Gesetzes war, britische Verbraucher vor Täuschungen über den Ursprung importierter Waren, vor vermeintlich minderwertigen Produkten, zum Beispiel Nachahmungsprodukten, so genannten „Surrogaten“ zu schützen. Die Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft wirkte diesem schlechten Ruf deutscher Waren erstmals systematisch entgegen. Sie bestand bis 1927 und wurde durch die Herausgeber der bald folgenden „Deutschen Warenkunden“ (1939-1942 and 1955-1961) abgelöst.

Werkbund und Dürerbund schafften mit der Gründung der Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft und der Verbreitung des „Deutschen Warenbuches“ ein hochgradig wirksames Identifikationspotential für die deutsche Volksgemeinschaft. Ihr Plädoyer für eine Warenästhetik, die sich mit moralischem und ethischem Anspruch verband wurde eine große Erfolgsgeschichte mit der sich sogar die Führungsrolle auf dem Weltmarkt erobern ließ.

Die Kennzeichnungspflicht für deutsche Waren bestand auch nach dem Krieg weiter. Da die Qualität der deutschen Waren der Qualität einheimischer Produkte im Ausland häufig überlegen war, wirkte „Made in Germany“ dann zunehmend positiv. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde „Made in Germany“ zu einen Synonym für das deutsche Wirtschaftswunder.
Aus diesem Grund ist „Made in Germany“ heute als geografische Ursprungs- und Qualitätsbezeichnung für die in Deutschland hergestellten Waren national und international geschützt.

Siehe auch: Schild, Emaille, Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft, Dresden-Hellerau, um 1915. Gediegenes Gerät fürs Haus, Vertriebsst. dt. Qualitätsarbeit, Hellerau 1912,
„Deutsches Warenbuch“, 1915, Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft, Dresden-Hellerau.

© Dr. Heide Rezepa-Zabel

Glaskunst im Bröhanmuseum – ein neuer Bestandskatalog

Donnerstag, 10. Juni 2010

kat-glaskunst-brohan-fur-blogDas Bröhan Museum hat wieder ein neues umfangreiches Referenzwerk  auf den Weg gebracht.

Der VII. Bestandkatalog in 37 Jahren Museumsarbeit widmet sich erstmals ausschließlich dem Sammlungsbereich modernes Glas und bringt bewährtes Wissen auf den aktuellen Stand. Das neue Opus erfasst die komplette, knapp 700 Objekte zählende Glassammlung des Bröhan-Museums.

Die „begleitende“ Ausstellung  FRAGILE wird am 17. Juni 2010 eröffnet und „bis auf Weiteres“ zu sehen sein. Präsentiert werden internationale Glaskünstler und -hersteller aus der Zeit 1889-1939, vom Jugendstil bis zum Art Déco und Funktionalismus. Gezeigt wird eine Auswahl von etwa 280 Gläsern – viele davon werden zum ersten Mal.

Die Bestandskataloge des Bröhan Museums gelten Kunstwissenschaftlern als eine zuverlässige historische Quelle und Händler nutzten sie als beste Referenz um den Wert ihrer Objekte herauszustellen. Die ersten Kataloge mit den Nummer I-IV sind längst vergriffen, auf Auktionen zählen diese bereits zu den begehrten Losen.

Siehe dazu auch in der Ausgabe des Sammler Journals, November 2010 den ausführlichen Artikel von Dr. H. Rezepa-Zabel: Fragile – die Glassammlung des Bröhan-Museums Berlin, in: Sammler Journal, 11/2010, S.61-69.

Die Gute Form in den nordischen Ländern

Freitag, 26. Juni 2009

Die Skandinavier besitzen ein außergewöhnliches gestalterisches Talent. Über Jahrhunderte war ihre Kultur durch die schlichten Gebrauchsformen des ländlichen Geräts bestimmt und das Gefühl für gute Formen fest in der breiten Bevölkerung verankert. Bis heute zeichnet die gewachsene Verbindung schöner organischer Formen mit hoher Gebrauchstüchtigkeit im Alltag skandinavischen Designs aus.
In den Jahren zwischen den Kriegen rückten Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland zu beachteten Zentren des Kunsthandwerks und der vorbildlichen Serienproduktion von Gebrauchsgerät auf. Ihre Formkultur hatte mit der Werkbundbewegung ungeahnte Aktualität gewonnen. Die „volksnahen“ Entwürfe erfüllten die im Werkbund ausgerufenen Forderungen nach Gediegenheit, nach Funktionalität, nach Qualität. Sie eigneten sich vorbildlich die Kluft zwischen Kunsthandwerk und Industrieproduktion zu überbrücken.
Den Anfang machte dabei die Glasproduktion. Die führende Hütte Kosta und die kleinere Manufaktur Reijmyre hatten um 1900 bereits mit guten Jugendstilgläsern auf sich aufmerksam gemacht. Die 1898 gegründete Manufaktur Orrefors stellte ab 1913 ihr gesamtes Produktionsprogramm, auf die Zusammenarbeit von Künstlern und Handwerkern ab. In den 20er Jahren war die Firma bekannt für gutes Geschirr in den mittleren Preislagen und für die kunstvollen Ausstellungstücke von Edward Hald (1883-1980) und Simon Gate (1883-1945). Die formal und technisch neuartige Schüssel von Gate markierte für die Weltausstellung in Stockholm einen überraschenden Aufbruch. Beide Künstler verschafften der Hütte ein unverwechselbares Profil, das bald alle anderen Länder des Nordens beeinflusste. Die konsequentesten Entwürfe im Sinne des Funktionalismus der Zeit sind die Gläser Gerda Strömbergs für die Hütte Eda und Strömbergshyttan. Sie beschränken sich auf klare Konturen, die sich meist auf elementare stereometrische Formen wie Kugel, Kegel und Ellipse beziehen.
Die Tendenz zur Modernisierung wurde zusätzlich verstärkt durch wirtschaftliche und soziale Veränderungen. Das verdeutlicht der Designwettbewerb für Massenprodukte aus Glas, den die finnische Firma Karhula 1932 ausschrieb und den Aino Marsio Aalto mit schlicht gerippten Modellen gewann.
Die fünfziger Jahre brachten die schrittweise Ablösung der bisherigen Dominanz der schwedischen Glashütten durch finnische Manufakturen, namentlich die in Riihimäki, in Ittala und in Nuutajärvi. Die Entwicklung des Gebrauchsglases wurde vor allem von Entwerfern wie Kaj Franck, Tapio Wirkkala und Timo Sapaneva bestimmt. Ihre Entwürfe erhielten auf den, für die fünfziger Jahre als Entwicklungsbarometer fungierenden, Mailänder Triennalen die großen Auszeichnungen.

Expertenanfragen bezüglich Gläsern der Hütten Flygsfors, Holmegaard, Iittala, Karhula, Kosta Glasbruk, Nuutajärvi, Orrefors, Riihimäki richten Sie bitte an Sigrid Melchior M.A. für design20.eu.

Kontakt über:  mailto:info@design20.eu

FUGA

Freitag, 26. Juni 2009

Sven Palmqvist experimentierte für die schwedische Glasmanfaktur Orrefors ab 1939 mit sich drehenden Stahlformen. Die heiße Glasmasse wird mittels der Zentrifugalkraft in eine Form gegossen, die sich mit bis zu tausend Umdrehungen in der Minute dreht.
In den späten 1940er Jahren griff Palmqvist die Idee wieder auf und ab 1953 wurden FUGA oder auch COLORA genannte Glasschalen angeboten. Später wurde diese Technik von anderen Designern wie zum Beispiel Jan Johansson aufgegriffen.

Sigrid Melchior M.A., Expertin für skandinavisches Glas.

Kontakt über:  mailto:info@design20.eu

KRAKA

Freitag, 26. Juni 2009

Der Name geht auf einen altnordischen Mythos zurück. Die weise Frau Kraka wird von einem Mann zu einem Treffen gebeten. Die daran verknüpfte Aufgabe ist es, sich weder bekleidet noch unbekleidet einzufinden. So schlingt sie sich ein Fischernetz sich und erscheint. Sven Palmqvist hat 1944 für die schwedische Glasmanufaktur Orrefors auf Basis von GRAAL-Glas die KRAKA-Technik entwickelt. Palmqvist hat Netze aus feinem Draht oder Kunststoffe auf ein vorgefertigtes Werkstück aufgebracht, das im Anschluss sandgestrahlt oder in Säure getaucht wird. Nach dem Abnehmen des Netzes hinterlässt es einen Abdruck aus feinen Stegen und Vertiefungen. Daraufhin wird das Glas nochmals erhitzt, farblos überstochen und ausgeblasen. Luftblasen können sich bei diesem Prozess in den Vertiefungen verfangen. Doch erst seit 1947 wurden sie Teil des Dekors, als auch die für KRAKA-Glas heute üblichen Farben blau und gelb das weiß der Jahre davor abgelöst hatten.

Sigrid Melchior M.A., Expertin für skandinavisches Glas.

Kontakt über:  mailto:info@design20.eu

ARIEL

Freitag, 26. Juni 2009

Für die schwedische Glashütte Orrefors haben Edvin Öhrström und Vicke Lindstrand 1936 zusammen mit dem Glasmeisterbläser Gustaf Bergkvist auf der Basis der GRAAL-Gläser eine neue Technik entwickelt: ARIEL, benannt nach dem unsterblichen Luftgeist Ariel aus William Shakespeares „Der Sturm“.
Ein Formstück, das aus einer oder auch aus mehreren Glassichten bestehen kann, wird durch Sandstrahlung, Ätzen oder Schleifen mit einen vertieftem Dekor versehen. Danach wird das Glas nochmals mit einer Klarglasschicht überstochen. In der Vertiefung werden Luftblasen eingeschlossen, die den Dekor erzeugen.
Sigrid Melchior M.A., Expertin für skandinavisches Glas.

Kontakt über:  mailto:info@design20.eu