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Archiv für die Kategorie „Design des 20. Jahrhunderts“

Stühle ohne Beine. Freischwinger des 20. Jahrhunderts.

Donnerstag, 26. April 2012

Kragstühle aus der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich. Foto: Rainer Viertlböck

Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich ist vom 21. März bis zum 10. Juni 2012 mit einer Sonderausstellung zu Gast im Bauhaus‐Archiv Berlin. Die älteste und größte Designsammlung der Welt präsentiert dort aus ihren Sammlungsbeständen eine eigene Auswahl an „Stühlen ohne Beine“, die in der Tradition des Freischwingers stehen. Bereits in den 1920er Jahren entwarfen namhafte Bauhäusler wie Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe Freischwinger aus Stahlrohr, die die Idee von Leichtigkeit und Transparenz aus der Architektur in den Möbelbau übertrugen. Die Ausstellung ist eine Installation aus 25 verschiedenen Typen von Sitzobjekten und vermittelt einen Eindruck, wie sich die Stühle ohne Beine seit ihren Anfängen durch hochtechnisierte Produktionsweisen, neuartige Materialien, Einflüsse der freien Kunst und gesellschaftliche Veränderungen weiterentwickelt haben.
Interview mit Dr. Josef Straßer, Oberkonservator, Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich:
Bauhaus‐Archiv: In der Ausstellung ist eine kleine Auswahl an Stühlen ohne Beine aus den Beständen der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich – zu sehen. Welche Kriterien lagen Ihrer Auswahl zugrunde?
Straßer: Wir haben uns gefragt: Bringt der Stuhl einen neuen Aspekt, den es bisher so nicht gab? Ist er formal konsequent durchgearbeitet? Hat er gestalterische Qualität? Ist er ein Statement?
Bauhaus‐Archiv: Was ist das verbindende Element zwischen den gezeigten Stühlen?
Straßer: Das Verbindende ist die Unterschiedlichkeit und dies bei gleichem Grundprinzip.
Bauhaus‐Archiv: Inwiefern manifestieren sich die Einflüsse der Freien Kunst in den ausgestellten Objekten? Können Sie Beispiele nennen, bei denen dies besonders augenscheinlich ist?
Straßer: Die Einflüsse der Freien Kunst zeigen sich vor allem in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren unter dem Einfluss der Pop Art. Man erkennt dies zum Beispiel bei den Freischwingern von Bernard Rancillac und Verner Panton.
Bauhaus‐Archiv: Welche gesellschaftlichen und politischen Veränderungen spiegeln sich in den ausgestellten Stühlen wider und wie?
Straßer: Die Frage nach der Spiegelung von politischen Veränderungen im Bereich des Designs ist schwer zu beantworten. Das hängt davon ab, wie man politisch definiert. Ist es eine Spiegelung der politischen Ereignisse, wenn Marcel Breuer und Mies van der Rohe nach dem Entwurf ihrer Freischwinger Deutschland verlassen mussten? Und dies obwohl einer der beiden Entwerfer durchaus noch für Nazi‐Deutschland tätig war. Ich denke, die Veränderungen liegen in der Art des Lebens: Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Ideen des Bauhauses zurückgegriffen, um zu zeigen, dass es ein neues, demokratisches Deutschland und ein neues Wohnen gibt. In den sechziger Jahren ist es der neue demokratische, weil preiswerte Kunststoffstuhl, farbenfroh, der sich absetzt von Eiche, Herrenzimmer, Gelsenkirchner Barock der Wirtschaftswunderjahre, aber dies gilt nicht nur für die Freischwinger.
Bauhaus‐Archiv: In der Ausstellung sind nur wenige zeitgenössische Stühle zu sehen. Der Schwerpunkt liegt auf Historischem. Ist der Freischwinger nicht mehr aktuell?
Straßer: Doch, natürlich. Das Recyclingthema spiegelt sich ja wider bei den Papiermöbeln von Frank Gehry. Um die Brücke vom Bauhaus zum Heute zu schlagen, ist zwangsläufig eine Linie innerhalb der seither vergangenen 100 Jahre nötig, und mit dem Myto von Konstantin Grcic haben Sie die aktuellste Freischwinger‐Version, die derzeit auf dem Markt ist.

Ausstellungsdauer: 21. März 2012 bis zum 10. Juni 2012

Vom Kunsthandwerk zum Industrieerzeugnis am Bsp der Besteckmuster von Richard Riemerschmid

Mittwoch, 18. April 2012

 

 

 

 

 

 

In Deutschland beginnt der lange Weg vom Kunsthandwerk zum Industrieerzeugnis im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Lebensreformbewegung fand Argumente dafür, die Kunstgewerbereformbewegung zieht ihre Protagonisten in eigener Sache an. Der Deutsche Werkbund erhebt ab 1907 die Reform zur Sache der Nation und das Deutsche Warenbuch veranschaulicht 1915, was als vorbildlich – als  höchste Qualität „Made in Germany“ – erachtet werden soll.
Die 10 Gebote für das deutsche Heim: „1. Richte Dich zweckmäßig ein! 2. Zeige Dich in Deiner Wohnung wie Du bist! 3. Richte Dich getrost nach Deinen Geldmitteln ein! 4. Vermeide alle Imitationen! 5. Gib Deiner Wohnung Leben! 6. Du sollst nicht pimpeln! 7. Fürchte Dich nicht vor der Form! 8. Fürchte Dich nicht vor der Farbe! 9. Strebe nach Ruhe! 10. Führe auch freie Kunst in Dein Heim !“
.. verdichtete der Deutsche Werkbund dann zu „Funktionalität, Material- und Werkgerechtigkeit“.
Bisher war das aufwendig hergestellte Handwerkserzeugnis weder „sozial“ noch „demokratisch“. Es sollte nicht mehr nur einer finanzkräftigen, bürgerlichen Elite vorbehalten sein, sondern für „jedes Dienstmädchen“ erschwinglich sein, wie Peter Bruckmann sich ausdrückte und wie Richard Riemerschmid konkretisierte mindestens 200 Jahre Gültigkeit besitzen. Während sich bei manchen Handwerkern, Kaufleuten, Technikern und Künstlern schon nach 1900 die Überzeugung breit machte, das Produkt durch gemeinsame Arbeit zu „befreien“, gelang die Umsetzung der Gestaltungsmaximen, die der Deutsche Werkbund verbreitete, bevor sie sich Anfang der dreißiger Jahre in den größten deutschen Industrieunternehmen der Porzellan- und Glasproduktion durchsetzten, tatsächlich nur Wenigen. Dazu zählten der Silberwarenfabrikant Peter Bruckmann und Richard Riemerschmid, Architekt und Entwerfer für Kunstgewerbe. Ihre gemeinsam produzierten Besteckmuster dokumentieren moderne Designgeschichte „par excellence“. Die Reihe beginnt beim „Secessionsbesteck“ aus dem Jahr 1898. Dem folgt 1911/12 das so genannte „Juwelierbesteck“ und schließlich 1914/15 das ultimative Spatenbesteck Nr. 5251.

© Dr. Heide Rezepa-Zabel
Weiterführend dazu:
Menübesteck, Richard Riemerschmid 1914/15 für P. Bruckmann, Heilbronn.
“Deutsches Warenbuch”, 1915, Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft, Dresden-Hellerau.

Tendenzen deutscher Keramik 1905-1935 – Vom Jugendstil zum Bauhaus

Donnerstag, 29. März 2012

keramik_schutzumschlag_web-kopie1Anhand von rund 400 Objekten zeigt das Museum Kurhaus Kleve ein Panorama der deutschen Gebrauchs- und Kunstkeramik im Zeitraum 1905-1935. Mit dieser Ausstellung würdigt das Museum eine umfangreiche Schenkung aus Privatbesitz an den Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. Sie bedeutet eine entschiedene Verstärkung und Vergrößerung der kunsthandwerklichen Sammlung, die nach der Fertigstellung der Museumserweiterung um das sog. Friedrich-Wilhelm-Bad ab Herbst 2012 permanent zu sehen sein soll.

Die Ausstellung spannt einen Bogen zwischen dem Jugendstil und dem Bauhaus und lässt den Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Formen und Dekore und dem künstlerischen und gesellschaftlichen Umbrüchen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts anschaulich werden. Viele bekannte Namen der Töpferkunst sind in ihr vertreten, u.a. Max Läuger, Hans Christiansen, Josef Maria Olbrich, Christian Neureuther, Richard Riemerschmidt, Theodor Bogler, Margarete Heymann-Loebenstein, Eva Stricker-Zeisel, Hedwig Bollhagen. Sie arbeiteten für Hersteller wie z.B. die Haël-Werkstätten für künstlerische Keramik in Marwitz, die Hirschauer Steingutfabriken C. & E. Carstens, die Majolika-Manufaktur in Karlsruhe, die Schramberger Majolikafabrik GmbH, die Steingutfabrik in Velten-Vordamm oder die Wächtersbacher Steingutfabrik.

Ausstellung, 25.03.-20.05.12 im

Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung
Tiergartenstraße 41
47533 Kleve

Jugendstil bis Gegenwart im Grassi Museum Leipzig

Freitag, 2. März 2012

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Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst eröffnet am 4. März 2012 den dritten und damit letzten Teil seiner ständigen Ausstellung. „Jugendstil bis Gegenwart“ vereint auf etwa 1.200 m² rund 2.000 Objekte von der Jahrhundertwende bis zur unmittelbaren Gegenwart. Schwerpunkte bilden Werke aus der Zeit des Jugendstil, Art-Déco, Funktionalismus und Bauhaus ebenso wie ostdeutsches Design ab den 1950er Jahren und zeitgenössisches internationales Design. Mit „Jugendstil bis Gegenwart“ ist die neue Dauerausstellung des Museums komplett. Ihre insgesamt drei Ausstellungsbereiche „Antike bis Historismus“, „Asiatische Kunst. Impulse für Europa“ und „Jugendstil bis Gegenwart“ laden jetzt zu einer Zeitreise durch mehr als 3000 Jahre Kunstgeschichte ein.

Unter den Ausstellungsobjekten sind einige Stücke die Design20.eu anbieten kann, u.a.: „Ericofon“, 1954, Telefon von L.M. Ericsson, Ferrari-Rot, Schweden.

GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig Di – So, Feiertage 10 – 18 Uhr, Mo geschlossen.

Stiftung Deutsches Design Museum Berlin

Donnerstag, 9. Februar 2012

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Deutschland ist im Bereich des Designs eines der weltweit führenden Länder. In vielen Produktbereichen überzeugen Erzeugnisse aus Deutschland durch ihre qualitativ hochwertige Gestaltung und sind international begehrt; Design ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Institutionen wie der Rat für Formgebung haben durch die Vermittlung dazu beigetragen, die Exportfähigkeit der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten nachhaltig zu verbessern.
Die Erkenntnis, dass Design auch einen erheblichen Kulturfaktor darstellt, ist in Deutschland wenig bekannt. Bedeutende Museen sammeln zwar Design und stellen es aus, haben es sich allerdings nicht explizit zur Aufgabe gemacht die wachsende kulturelle Bedeutung des Designs zu thematisieren. Dies liegt daran, dass die meisten Häuser Gründungen des 19. Jahrhunderts sind und ihre Aufgabe es in erster Linie
war, herausragendes Kunsthandwerk aus verschiedenen Epochen darzustellen und zu sammeln – meist als Mustersammlungen, um die regionale Wirtschaft zu inspirieren. Die Beschäftigung mit Design hingegen beginnt im Wesentlichen erst nach dem zweiten Weltkrieg und folgt diesem Muster, Herausragendes der jeweiligen Perioden zu sammeln und darzustellen.
Da es sich aber, anders als beim Kunsthandwerk, um industrielle Massenware handelt, sind die Sammlungen der Museen durch die gleichen Produkte bestimmt. Die Bestände sind sich ähnlich, wenn nicht sogar austauschbar. Design aber hat sich in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren nachhaltig verändert – der industrielle Kontext des Massenmarktes bestimmt nur noch teilweise die Produktionsbedingungen. Vielmehr sind es Themen wie soziale Differenzierung über Ästhetisierung, Distinktionsgewinn über Design, Kritik der industriellen Produktion, Design als Unikat, aber auch
Digitalisierung und Personalisierung, die unsere Alltagskultur prägen, allerdings in der bestehenden Museumslandschaft noch keine ausreichende Reflexion erfahren.
Der Rat für Formgebung hat nun durch seine Tochtergesellschaft Rat für Formgebung Service GmbH eine Stiftung gegründet, die am 12. September 2011 als Stiftung Deutsches Design Museum durch die Berliner Stiftungsaufsicht anerkannt wurde. Zweck der Stiftung ist die Förderung und Vermittlung des Designs als bedeutsamer Bestandteil der angewandten Kunst und der Alltagskultur an eine breite Öffentlichkeit. Dies soll durch Ausstellungen, Vorträge und Präsentationen von Designobjekten erfolgen.
“Wir wollen kein Museum, in das man einfach eine Sammlung hineinstellt und dann hat, was alle haben”, betonte Lutz Dietzold, Geschäftsführer des Rat für Formgebung heute in Berlin. Laut Dietzold und André Kupetz möchte man einen ergebnisoffenen Diskurs über Sinn und Zweck und vor allem über das Format eines zeitgenössischen Designmuseums führen.
Design20.eu unterstützt diese Initiative und gibt auf diesen Blog zukünftig Veranstaltungen bekannt.
www.deutschesdesignmuseum.de

Wächtersbacher Steingutfabrik, Christian Neureuther und Eduard Schweitzer

Mittwoch, 30. November 2011

Wächtersbacher Steingutfabrik - Die Zwanziger Jahre (Christian Neureuther, Eduard Schweitzer)

Der Museums- und Geschichtsverein Brachttal e.V. hat in Zusammenarbeit mit 30 Sammlerinnen und Sammlern aus der Region ca. 300 Exponate ausgewählt und zusammen getragen, die die Produktion der Wächtersbacher Steingutfabrik in den Zwanziger Jahren exemplarisch spiegeln.
Die Ausstellung wird am 4. Dezember eröffnet und noch bis Ende 2012 zu sehen sein.

Der Katalog zeigt etwa 300 Exponate der Wächtersbacher Steingutfabrik, die den Zeitgeist und die Mode der Goldenen Zwanziger Jahre spiegeln. Kleinode aus den Schatzkammern von etwa 30 öffentlichen und privaten Sammlungen zeichnen ein farbenprächtiges Bild einer Ära, die von vielen Höhen und Tiefen geprägt war.

Nach Christian Neureuthers frühem Tod im Jahre 1921 hatte Eduard Schweitzer die Leitung der Kunstabteilung bis zu deren Auflösung im Jahre 1928 übernommen. Schweitzer hatte bereits im Jahre 1901 von der Firma Villeroy& Boch Wallerfangen zur Steingutfabrik Wächtersbach gewechselt und führte seit dieser Zeit die Dorkorationsabteilung des Werkes. Sehr erfolgreich vollzog er den künstlerischen Übergang vom Jugendstil zum Art Déco.

Leider kann der Katalog derzeit noch nicht erworben werden. Die Veranstalter gehen jedoch davon aus, dass die Auslieferung zu Beginn des nächsten Jahres erfolgen kann.

BRACHTTAL-MUSEUM
Schulwaldstraße 10
63636 Brachttal

Das Museum ist von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Siehe dazu auch in der Ausgabe des Sammler Journals, April 2012 den ausführlichen  Artikel von Dr. H. Rezepa-Zabel zu Wächtersbacher Steingutfabrik, S.30-39.

Bücher-Sonderverkauf der Staatlichen Museen zu Berlin

Freitag, 25. November 2011

Bücher-Sonderverkauf der Staatlichen Museen zu Berlin im Kulturforum
Potsdamer Platz, am Wochenende Samstag 26. November und
Sonntag 27. November 2011 von 10 bis 17 Uhr, Ort: Kulturforum Potsdamer Platz, Eingang: Matthäikirchplatz, Zentrale Eingangshalle, 10785 Berlin-Tiergarten.
Am Samstag, dem 26. und Sonntag, dem 27. November 2011, von 10 bis
17 Uhr verkauft das Referat Publikationen und Merchandising der Staatlichen Museen zu Berlin wieder preisreduzierte Publikationen, Mängelexemplare
und weitere Artikel wie Postkarten, Plakate und Kunstnotizbücher.
Bei den Büchern handelt es sich um Ausstellungskataloge sowie
Titel zu verschiedenen Sammlungsgebieten der Staatlichen Museen zu
Berlin. Plakate werden zum Teil gratis abgegeben. Die Preise für die Publikationen der Staatlichen Museen zu Berlin sind nur
an diesen beiden Tagen einmalig stark reduziert. Eine Liste der preisreduzierten Artikel, in der ein großer Teil der preisgesenkten
Ware verzeichnet ist, finden Sie ab 24.11.2011 im SMBPressebereich
www.smb.museum/pressemitteilungen.

Design20.eu

Die zeitlose Form – Porzellan- und Keramikentwürfe von Hermann Gretsch

Mittwoch, 2. November 2011

Hermann Gretsch - Porzellan und Keramik - Die zeitlose Form  (www.arzberg)

Dem neben Wilhelm Wagenfeld bedeutendsten deutschen Designer Hermann Gretsch (1895 – 1959), ist seit über 50 Jahren keine Einzelausstellung gewidmet worden. Das hängt mit seiner Nähe zum Nationalsozialismus zusammen.

Achtzig Jahre sind vergangen, seit Gretsch mit >Arzberg 1382< das klassische Porzellangeschirr des 20. Jahrhunderts schuf, wie der VW Käfer, ein Meilenstein der deutschen Geschichte.

Das Hotelgeschirr >Schönwald 98<, aktuell in 38 Farben bei Dibbern im Programm, die Steingutserien Freia und Senta für Villeroy & Boch Dresden, die Erfolgsform 3480 mit volkstümlichen Dekoren wie „Hansi“ und „Schotten“, sind in der Ausstellung ebenso zu sehen, wie das freundlich blaue- und gelbe Nachkriegsgeschirr aus Hartsteingut von Steuler/Mühlacker.

Heinz-J. Theis

5.11.2011. – 30.1.2012 Fr. – Mo. 13 bis 17 Uhr im Keramik Museum Berlin, Schustehrusstraße 13 10585 Berlin

Zur Eröffnung am Freitag, den 4.11. um 19 Uhr spricht Dieter Högermann, Kunsthistoriker und Sammler aus Berlin.

Haël – Margarete Heymann -Loebenstein -Marks

Dienstag, 18. Oktober 2011

Doppelkürbisvase - Design: Margarete Heymann -Loebenstein -Marks

Haël – Keramik ist wenig bekannt, aber bei Sammlern hoch geschätzt. Die Bewunderung gilt hier der Margarete oder Grete Heymann (1899-1990), in erster Ehe verheirate Loebenstein, in zweiter Ehe Marks. Wenig bekannt ist sie sicherlich nicht nur, weil ihre vielen Namen einige Verwirrung stiften, sondern auch weil ihr künstlerisches Vermächtnis auf weniger als ein Jahrzehnt beschränkt bleibt und selbst dieses lange nicht ausreichend rezipiert ist. In der deutschen Exilforschung fehlt ihr Name gänzlich. Die Emigration hatte ihr Leben und künstlerisches Schaffen beschränkt, und bis in die Gegenwart auch die Wahrnehmung ihres künstlerischen Erbes. Darüber hinaus verstellen bis heute subtile Formen der Geschichtsklitterung im Zusammenhang mit der Übernahme der „Haël-Werkstätten für Künstlerische Keramik“ durch Hedwig Bollhagen die Sicht des Betrachters auf ihr Werk.
Tatsächlich haben die nur ein Jahrzehnt, sehr erfolgreich arbeitenden Haël-Werkstätten die Neubelebung des Steinguts während der Zeit der Weimarer Republik entscheidend mitgetragen. Ihre Keramiken vermittelten in Deutschland die Maßstäbe des Werkbundes und die Ästhetik des Bauhauses. Im Gegensatz zu anderen renommierten Betrieben, wie Velten-Vordamm, überstanden die Haël-Werkstätten auch die schwierigen Jahre der Weltwirtschaftskrise. Margarete Heymann-Loebenstein geriet erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten aufgrund ihrer jüdischen Abstammung unter Druck. Ihre Keramiken wurden als entartet eingestuft und der Betrieb 1934 arisiert. Im Exil versuchte sie noch an den Erfolg der frühen Jahre anzuknüpfen, scheiterte aber und widmete sich dann, wie zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn, wieder der Malerei. 1961 wurde sie als „Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung“ anerkannt, 1985 erhielt sie Entschädigungszahlungen für den „Zwangsverkauf“ ihres Unternehmens.
Ihr künstlerisches Werk kam in Deutschland bisher nicht zu Ehren und eine Monografie steht noch aus. Damit offenbaren sich Margarete Heymanns Talent und maßgeblicher Beitrag zur Entstehungsgeschichte des modernen Designs nach wie vor nur dem, der sich mit ihrem Werk eingehender beschäftigt.
Siehe dazu auch weiterführend in der November-Ausgabe des Sammler Journals 2011 den ausführlichen  Artikel von Dr. H. Rezepa-Zabel: Haël-Werkstätten für Künstlerische Keramik in Marwitz, in: Sammler Journal, 11/ 2011, S.38-47.

Weitere Objekte von Margarete Heymann-Loebenstein-Marks:

Fußschale, Fayence, 1929/30,
Teekanne „Haël norma“,
Schale, Steinzeug, vor 1929/30,
Vase, Steingut, vor 1929/30,
Gr. Vase, Steingut, vor 1929/30,
Schale, 1923/24, Kl.Vase, Steingut, vor 1929/30,

Dosen und Verpackungen nach Entwürfen von Emanuel Josef und Ella Margold für die Keksfabrik Bahlsen

Montag, 26. September 2011

Bahlsen Keksdosen - Design: Emanuel Josef und Ella Margold für die Keksfabrik Bahlsen

Vor dem ersten Weltkrieg zählten Schmuckdosen noch zu den Ausnahmeerscheinungen. Die Mehrzahl aller Genusswaren wurde in losen bzw. in einfachsten Behältnissen wie Papiertüten verkauft. Künstlerisch wie materiell anspruchsvolle Verpackungen kamen zunächst nur bei ausgesprochenen Luxusgütern wie Parfüm und Tabakwaren oder bei Gebrauchswaren der gehobenen Preisklasse, so Kaffee, Tee, Spirituosen und auch Süßwaren in Umlauf. Es stand außer Frage, dass diese Markenartikel eine angemessene, ja sogar ausgesprochen edle, das Produkt ästhetisch überhöhende Hülle benötigten. Weil der Keks aber häufig als Geschenk angeboten wurde, lag auch hier die Gestaltung einer appetitlichen, einladenden und schmückenden Aufmachung und weiterführend die entsprechende Darbietung der Ware in geschmackvoll gestalteten Schaufenstern und Verkaufsläden, nahe.
Hermann Bahlsen konnte mit seinem überzeugenden Werbekonzept das 1889 übernommene Fabrikgeschäft für englische Cakes und Biscuits zu einer florierenden, großen Fabrik ausbauen. Die gesunde finanzielle Basis, ein innovatives Denken und ein überaus starkes persönliches Interesse an der Kunst führten schon vor 1900 zur vollständigen Umstellung des Erscheinungsbildes des Hauses Bahlsen. Über die seit 1912 erscheinenden „Leipniz-Blätter“ propagierte Hermann Bahlsen seine Auffassung, dass die Kunst „ein Stück Schönheit in das Leben bringt und damit die Freude, die der Mensch zu seiner inneren Entwicklung braucht“. Ab 1912 verpflichtete er erstmals Emanuel Josef Margold als Entwerfer für die Gestaltung der Werbung des Hauses – ab 1915 beauftragte er auch seine Frau, die Textilkünstlerin Ella Margold-Weltmann.
Auch Emanuel Josef Margold war in seinem Schaffen der Vision einer künstlerischen Durchdringung aller Lebensbereiche gefolgt. Als Mitarbeiter von Josef Hoffmann zählte er zum Kreis der Wiener Moderne und ab 1911 zur Darmstädter Künstlerkolonie. Margold war ein ausgebildeter Architekt, aber fertigte schon früh Entwürfe in nahezu sämtlichen Bereichen der angewandten Kunst an. Seine Warenverpackungen für die Keksfabrik Hermann Bahlsen können heute als ein herausragendes künstlerisches Beispiel seiner Zeit gelten, weil er mit diesen einen frühen Beitrag zur Entwicklung eines „Corporate Design“ – hier der Marke Bahlsen – liefern konnte.
Für die nahezu exklusive Beauftragung der Margolds sprach wohl das Interesse an einer eindeutigen Wirkung, auch Fernwirkung der Warenverpackung, die für den Konsumenten auch ohne Lesen von Aufschriften allein durch firmenspezifische visuelle Merkmale leicht erkennbar sein sollte. Hinzu kam das Bedürfnis, die Packung so zu gestalten, dass wirksame Zusammenstellungen in Schaufenstern ermöglicht werden konnten. Um die besonderen Anforderungen – Vielfalt, aber trotzdem Gleichartigkeit untereinander, leichte Erkennbarkeit gegenüber anderen Erzeugnissen, Appetitlichkeit, gute Gesamtwirkung – zu erfüllen, war es notwendig, die Gestaltung der gesamten Warenreklame in die Hände eines einzigen Künstlers bzw Künstlerpaares zu legen.
Stilistische Übereinstimmungen mit Flächenmustern von Berthold Löffler oder Carl Otto Czeschka zeigen, das die künstlerische Rückversicherung der Margolds nach Wien, zur Wiener Schule um Josef Hoffmann, nie abgebrochen war. Margold verstand sich wie kaum ein anderer Künstler darauf, die Flächen der meist kubisch geschlossenen Dosen mit immer neuen Varianten dieses reichen Dekorstils zu füllen. Als charakteristisches Merkmal im Aufbau des Dekors kann dabei die Kombination strenger geometrischer Muster wie parallele Streifen, Zahnschnitt oder Rauten mit phantasievollen, stilisiert floralen Motiven genannt werden. Auch das Gegeneinandersetzten von ruhigen, nahezu monochromen Farbflächen und lebhaft bunten Ornamentfeldern gehört zu den typischen Erscheinungsbildern der Dosen. Darüber hinaus finden sich bei ihm schon 1914 Beispiele für eine aus floralen wie auch aus geometrischen Mustern entwickelte Zackenornamentik, die bereits Stilmerkmale des Art Déco vorwegnimmt.
Interessant ist, dass der überbordende Flächendekor der Margoldschen Dosen durch keinerlei Firmenaufdrucke oder Produktbezeichnungen in ihrer Wirkung beeinträchtigt wurde. Das Haus Bahlsen beschränkte sich darauf, den Firmennamen auf dem Boden jeder Dose einzuprägen. Diese Zurückhaltung erhöhte natürlich ihren „Wert“, sie war nicht mehr in erster Linie Warenverpackung, der Käufer erwarb mit der Schmuckdose vielmehr ein keines Kunstobjekt im aktuellen Zeitstil.
Mit ihren Entwürfen begann sich insgesamt in dem Bereich der Warenverpackung ein neuer Stil abzuzeichnen. Noch bis in die 30er Jahre bemächtigte sich die gesamte „Jugendstilindustrie“ und noch nachrückende Künstler, die später für Bahlsen tätig wurden, des von den Margolds dargebotenen kreativen Vokabulars, zur Verzierung aller Arten massenhaft produzierter Gebrauchsgüter. Das vermögen heute die vielerorts angebotenen Dosen, die allzu leichtfertig den Margolds zugeschrieben werden belegen.
© Dr. Heide Rezepa-Zabel

Hier zu erwerben: Keksdose Emanuel Josef Margold, 1911/12, für H. Bahlsen, Hannover. Keksdose, Ella Margold, 1915 für Hermann Bahlsen, Hannover.